pfarramtlich verweigerte Trauergeläute auszuführen. Excesse sind nicht vorgefallen.
— Berlin, 30. Dez. Sämmtlichen Postanstalten ist jetzt die fernere Annahme der österreichischen Viertelgulden gänzlich untersagt worden.
— Trier, 31. Dez. Das hiesige Priesterseminar ist durch die Regierung geschlossen worden.
— In München macht es viel Spaß, daß der bayer. Kriegsminister nicht in die Wahllisten zum Reichstag eingetragen war. Er hat dann selber reklamirt. Die Sache kam daher, daß über seine Wahlberechtigung Anfangs Zweifel bestanden, da der Kriegsminister sicher dem Offizierstande angehört. Allein ein Paragraph des Wahlgesetzes sagt: „Militärpersonen welche sich nicht bei der Fahne befinden, sind für diese Zeit wahlberech- tigt." Und nach dieser Gesetzesstelle wurde er denn auch schließlich als wahlberechtigt erkannt.
— München, 30. Dezbr. Die hiesigen liberalen Blätter veröffentlichen folgenden Wahlaufruf: „Mitbürger! Die Wahlen zum deutschen Reichstage stehen bevor. Die politische Lage ist heute keine andere als vor drei Jahren. Es gilt, das ruhmreich begonnene Werk muthvoll fortführen und würdig zu vollenden. Manches Gute ist, seitdem Ihr zum erstenmale wähltet, zu Deutschlands Frommen schon errungen, Vieles ist noch zu erringen. Dazu bedarf es Männer, welche, beseelt von warmer Begeisterung für die Freiheit, für das Recht und die Wohlfahrt des Volkes, einstehen für die Erhaltung des Errungenen und zugleich Gewähr für Erringung dessen bieten, was denen als wünschenswerth gilt, welche es gut und redlich meinen mit Volk und Reich. In Deutschlands Stärke und Wohlfahrt erkennen wir unseres theuern Bayerlandes eigenes Heil. Darum wollen wir auch als treue Bayern feststehen zum deutschen Reiche, gleich unserem erhabenen König, der es schaffen half: darum wollen wir dem Reiche geben, was des Reiches, und dem Lande wahren, was des Landes ist. Solcher Gesinnung sind die Männer, welche wir Euch als Abgeordnete für den deutschen Reichstag Vorschlägen. Mitbürger! Weil Ihr einig wäret und fest zusammenhieltet, gingen, als Ihr das erstemal wähltet, Eure Kandidaten mit überwiegender Stimmenzahl aus der Wahlurne hervor. Gleiche Einigkeit wird Euch auch diesmal zum Ziele führen. Wir empfehlen Euch als Reichstagsabgeordneten: für den Wahlkreis München I den Gutsbesitzer und Präsidenten unserer Abgeordnetenkammer Herrn Franz Frhrn. v. Stauffenburg, für den Wahlkreis München II den Guts- und Fabrikbesitzer Herrn Hugo v. Maffei." (Augsb. Abdztg.)
— Die „Patrie" meldet, ohne die Gründe der von ihr angezeigten Maßregel hinzuzufügen, daß die französischen Behörden längs der Schweizergrenze seit einigen Tagen und in Folge besonderer, von Paris ergangener Befehle eine außerordentliche Thätigkeit entwickeln. Jedermann, welcher das französische Gebiet von dieser Seite betritt, wird der strengsten Kontrole unterworfen.
— „L'Ordre" behauptet, Bazaine sei noch im Besitze von wichtigen Aktenstücken zu seinen Gunsten gewesen, von denen er keinen Gebrauch gemacht, weil Lachaud fest von der Freisprechung des Marschalls überzeugt gewesen. Diese Korrespondenz solle jetzt herausgegeben werden, und sie werde neues Licht auf mehrere Punkte des Prozesses werfen, die bis jetzt noch unklar geblieben seien.
— S t. Petersberg, 30. Dez. Der Reichsrath hat in seiner gestrigen Sitzung die Berathung der Vorlagen betreffs der auf dem militärischen Gebiete vorzunehmeuden Reformen vollendet.
— Merkwürdige Wandlungen macht, so schreibt die „Trib." in ihrer Tagesschau, der ehemalige Abgott der republikanischen Schwärmer aller Länder, der jetzige Beherrscher Spaniens, Emilio Castelar, durch. Daß er eingesehen, mit Theorien komme man beim Regieren nicht durch, man müsse praktisch auftreten, und wäre es auch reactionär, ist früher schon berichtet worden und ist ja am Ende auch menschlich und natürlich. Aber daß er jetzt sogar den Pfaffen die Hand küßt und auf ihre Rathschläge hört, das hätte man doch kaum erwartet. Es unterliegt aber gar keinem Zweifel, daß die spanische Regierung jetzt na
mentlich in Rom ganz clerical auftritt und, wenn sie nur könnte, mit Italien wegen der Herausgabe einiger Klöster in Rom an spanische Orden anbinden möchte. So ändern sich die Zeiten und Menschen! Die Monarchien werden zu Vertretern liberaler Strömungen; die Republiken arbeiten der Rückkehr der krassesten Pfaffenwirthschaft in die Hände.
— Madrid, 30. Dez. Der durch die kantonalen Aufstände herbeigeführte Schaden wird über 200 Millionen geschätzt. — Die von den Carlisten zwangsweise erhobenen Beträge belaufen sich für Navarra allein auf 20 Millionen.
— New - Nork, 30. Dez. Die hier eingetroffenen Gefangenen des .Virginius" find, nachdem sie ein Verhör bestanden, wieder in Freiheit gesetzt worden. Der „Virginius" selbst hat am 26. c. während eines heftigen Sturmes in der Nähe des Kap Fear Schiffbruch gelitten.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 31. Dezbr. aus Frankfurt a. M.: Unserem Mitbürger Herrn Wilhelm Eckert dahier, wurde vom Homburger Thierschutzverein die silberne Pernermedaille, als Höchste Auszeichnung deutscher Thierschutzvereine verliehen. — Der seit dem Hauseinsturz abgesperrt gewesene Theil der Goldenen Hirschstraße ist seit gestern wieder passirbar, so daß der directe Verkehr von der großen Friedbergergasse nach der Goldnen Stelzgasse ungehemmt ist.
Lokales und Provinzielles.
Hana«, 2. Januar.
E—. Die diesjährige Neujahrsnacht ist ziemlich ruhig verlaufen und wird Lärmen und Toben auf der Straße mit jedem Jahre weniger; Schüsse hörte man nur ganz vereinzelt und von Excessen ist außer einer Keilerei in der Altstadt, Hospitalstraße, bei welcher leider, dem Vernehmen nach, auch das Messer gezogen, jedoch keine gefährliche Verwundung constatirt wurde, nichts bekannt geworden.
— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 9 Uhr 0,40 Meter.
— Fulda, 29. Dez. Practica et muliplex. Obgleich bekanntlich ein Jeder der ein stehendes Gewerbe betreiben will hr Gemäßheit des § 14 der Gewerbeordnung der zuständigen Behörde die Anzeige davon zu machen verpflichtet ist, so scheint sich die Katholische Geistlichkeit der hiesigen Diöcese auch von diesem Landesgesetze emancipiren zu wollen. Denn abgesehen davon, daß Franziskaner, Mönche und Nonnen bereits seit Jahren, ohne darauf besteuert zu werden, das Buchhändlergewerbe betreiben, befassen sich auch neuerdings mehrere der Herrn Pfarrer wie z. B. diejenigen von E. Fl. H. M. O. und mehrere andere mit diesem Industriezweige, indem sie den Verschleiß katholischer Kalender u. dgl. im Großen betreiben und auf diese Weise den auf diesen Handel rechtmäßig Besteuerten ihren Verdienst entziehen.
Hess. Mgztg.
Hdtel Adler.
Fremden-Liste vom 2. Januar 1874.
Die Herren: 1) Maier, Kaufmann aus Cöln; 2) Heumann, Kaufmann aus Sonneberg; 3) Abel, Kaufmann aus Mainz; 4) Händel, Kaufmann aus Würzburg; 5) Simonet, Professor aus Biebrig; 6) Herz, Dr. med. aus Würzburg; 7) Wigand, Kaufmann Berlin; 8) Stern, Kanfmann aus Frankfurt.
Auszüge aus dem OeffenÜichen Anzeiger zum Amtsblatt der Königl. Regierung zu Cassel.
Bischofsheim. Dem Johannes See 5r (Clemens Sohn) zu Bischofsheim sollen wegen einer ausgeklagten Forderung die in dasiger Gemarkung belegenen und unter dem Namen kata- strirte Immobilien zwangsweise verkauft werden. Hierzu sind Verkaufstermine und zwar erster auf den 28. Januar k. I., eventuell zweiter und dritter auf den 25. Februar und den 25. März k. I., jedesmal Vormittags 10 bis 12 (Contumacirstunde), an Königl. Amtsgericht zu Bergen anberaumt worden.