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^ 302. Mittwoch den 31. Dezember. 1873.

W8MWP»*» Zwecks Herbeiführung einer schnelleren Besorgung W$®@8to des Hanauer Anzeigers sind vom 1. Jan. an andere Herumträgerinnen engagirt worden.

Sollte deshalb den verehrl. Abonnenten das Blatt in den ersten Tagen nicht zeitig zugestellt oder Jemand übergangen wer­den, so dürfen wir wohl um gütige Nachsicht bitten.

Die Expedition.

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

Fräulein Auguste M a r x ist als Sachverständige zur Trichi­nenschau für das dritte Revier der Neustadt bestellt worden.

Hanau am 30. Dezbr. 1873.

Tagesschau.

— Berlin, 30. Dezbr. In dem Befinden Sr. Majestät des Kaisers und Königs ist auch heute, nach einer guten Nacht, ein Fortschritt zum Besseren zu konstatiren.

— Auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers und Königs soll die Armee-Trauer für den Neujahrstag abgelegt werden.

— Berlin, 30. Dez. Der „Prov.-Corr." zufolge sollen das Reichsmilitärgesetz, das Preßgesetz und einige dringende be­sondere Vorlagen den Hauptgegenstand der nächsten Reichstags- session bilden, alles klebrige, namentlich der Reichshaushaltsetat, der Herbstsession des Reichstages vorbehalten bleiben. Nen- grants. Pr.

— Die Hetzerei der französischen Bischöfe gegen Deutsch­land und speciell Preußen hat in den letzten Wochen einen Grad der — gelinde gesagt! — Rücksichtslosigkeit erreicht, der unserer Regierung die Pflicht auferlegt, in Versailles Beschwerde zu führen. Nicht nur, daß diejenigen französischen Bischöfe, de­ren Sprengel theilweise bis nach Elsaß oder Lothringen hinein­reicht, ihre Pfarrkinder mit Hirtenbriefen beglückten, die rein politischer und aufhetzender Art waren, nicht allein, daß andere französische Bischöse sich in Circularen und Predigten in einer Weise über Deutschland aussprechen, wie sie früher unerhört war und erst seit den von den Jesuiten dictirten schriftlichen und mündlichen Aeußerungen Pio Nono's Sitte, oder vielmehr Unsitte geworden ist — es liegen auch Beweise vor, daß fran­zösische Bischöfe sich direkt an ihnen bekannte deutsche Geistliche gewandt und dieselben zum Widerstand gegen die Regierungen, namentlich gegen die preußische aufgefordert haben. Graf Ar­nim hat deshalb in Versailles remonstrirt, und der offizielle Moniteur veröffentlicht auch bereits einen Artikel, der die be­treffenden Bischöfe wegen ihres übergroßen Patriotismus, wel­cher der Regierung Schwierigkeiten bereite, leise tadelt. Wie wir neulich sagten: mit Deutschland will man es doch nicht verderben, weil man dessen mächtigen Arm gründlich kennen ge­lernt hat. Aber im Geheimen wird weiter gewühlt werden. Unsere Regierung thäte vor Allem gut, wenn sie in Elsaß und Lothringen dafür sorgte, daß auch eine kirchliche Trennung ein­träte, nachdem die politische vollzogen ist. Es ist widersinnig, daß ein französischer Bischof auch auf deutsche Pfarrkinder Ein­fluß hat; denn Religion und Politik sind augenblicklich — und wohl auch noch auf lange hinaus! — so mit einander verbun­den, daß sie sich nicht trennen lassen. Der Begriff eines fran­zösischen Bischofs ist heut zu Tage identisch.mil dem des größ­ten Feindes Deutschlands, und es wäre geradezu selbstmörderisch, derartigen Leuten auch nur einen Schimmer officiellen Einflus­ses auf deutsche Bürger einzuräumen. (Triy.

— Der Entwurf über die Betheiligung der Staatsbeamten bei der Gründung und Verwaltung von Actien-, Commandit- und Bergwerksgesellschaften, welcher diese Betheiligung bekannt­lich versagt, ist derselbe, welcher im vorigen Jahre bereits einge­bracht, vom Herrenhause aber abgelehnt worden war. Die Mo­tive führen aus, daß der Regierung die Vorlage eines die Ge- sammtmaterie der Nebenämter und Nebenbeschäftigungen der Staatsbeamten umfassenden Entwurfes, den das Herrenhaus in seiner Resolution verlangte, weder als zweckmäßig erachtet wer­den noch als ausführbar erscheinen konnte.

— München, 28. Dez. Es ist ein neuer Mobilisirungs- plan für die bayerische Arniee ausgearbeitet worden, aus welchem als ein Gegenstand von allgemeinem Interesse hervorzuheben ist, daß Bayern noch einige Regimenter zu formiren haben wird, wenn es den Mobilisirungsplan durchführen will.

— Aus Wien, 24. Dez., schreibt man der „Köln. Ztg.": Herr m Szlavy, der ungarische Ministerpräsident (der kürzlich auch das Finanzportefeulle übernahm) ist in Wien eingetroffen, um in der verwickelten Ostbahn-Angelegenheit mit der National­bank wenigstens bis Mitte Januar ein Abkommen zu treffen, weil von diesem Zeitpunkte an ein Berliner Konsortium die Ab­wicklung dieser Sache in die Hand zu nehmen beabsichtigt. Diese sogenannte Ostbahn-Affaire ist kurz folgende: Die ungarische Ost­bahn ist eine von der transleithanischen Regierung garantirtè Bahn. Sie trägt gar nichts und ihre Verwaltung soll eine Reihe von Mißständen zur Folge gehabt haben, die eine Unter­suchung ähnlicher Art, wie die bei der Lemberg-Czernowitzer â la Ofenheim, Hervorrufen wird; wenigstens ist das Pesther Kabinet entschlossen, eine solche alsbald zu provoziren. Im vori­gen Jahre schon war die Eisenbahn-Gesellschaft in großer Geld- noth und verpfändete in dieser Lage bei drei Wiener und einer Pesther Bank Ostbahn-Prioritäten im Betrage von 15 Millionen Gulden. Ende Juli d. I. sollte dies Geschäft abgewickelt wer­den. Aber der Krach war hereiugebrochen. Die Kompagnie konnte daher die Banken nicht entschädigen und diese befanden sich außer Stande, die geleisteten Vorschüsse weiter zu halten. Da legte sich die ungarische Regierung in's Mittel und brachte es dahin, daß die Nationalbank die 15 Millionen Prioritäten übernahm, freilich mit einer Garantie der vier Bankinstitute und einer nochmaligen Zinsgarantie für die verpfändeten Obligationen Seitens der ungarischen Regierung. Dieser neue Vertrag läuft mit dem 31. Dezember ab, und die vier Banken erklären, nicht länger an ihre Garantie (sie haben Wechselbürgschaft geleistet) gebunden zu sein. Die Nationalbank aber findet, daß sie in diesem Falle nicht mehr gehörig gedeckt sei. „ In Pesth erkannte man, daß es ein ungarisches Staatsinteresse sei, diese Prioritäten in so hohem Betrage nicht als um jeden Preis zu veräußerndes Objekt an den Markt werfen zu lassen. Szlavy also läßt es sich jetzt angelegen sein, eine Prolongation durch die National­bank zu erwirken, auch ohne die fernere Wechselgarantie jener 4 Bankinstitute. Der ungarische Ministerpräsident ist bereits wie­der nach Pesth zurückgekehrt. Die Nationalbank hat, wie die „Presse" berichtet, den von ihr auf die Ostbahn-Prioritäten ge­währten Lombard wieder prolongirt. Der Prolongations-Ter­min läuft mit dem 15. Februar 1874 ab, bis dahin soll dem ungarischen Reichstage Zeit gegeben sein, nach dem Berichte der ad hoc uiedergesetzten Kommission das Arrangement eutgiltig in Angriff zu nehmen. Doch soll inzwischen dem Bankcn-Konsor-