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N 301.

Dienstag den 30. Dezember.

1873.

M^^^»» Zwecks Herbeiführung einer schnelleren Besorgung des Hanauer Anzeigers sind vom 1. Jan. an andere Herumträgerinnen engagirt worden.

Sollte deshalb den verehrl. Abonnenten das Blatt in den ersten Tagen nicht zeitig zugestellt oder Jemand übergangen wer­den, so dürfen wir wohl um gütige Nachsicht bitten.

Die Expedition.

Tagesschau.

Berlin, 29. Dez. Die Besserung in dem Befinden Sr. Majestät des Kaisers und Königs hat in den letzten Tagen bemerkbare Fortschritte gemacht.

Das Civilehegesetz wird im Abgeordnetenhause schon in der ersten Woche nach den Ferien zur dritten Lesung kommen und nach Angaben von verschiedenen Seiten durchaus unverän­dert wie in der zweiten Lesung angenommen werden. Die Be­sorgnisse, daß der Entwurf im Herrenhause abgelehnt werden möchte, sind ungegrüudet; wahrscheinlich wird das Herrenhaus, wenn auch nach einigem Sträuben von Seiten der äußersten Rechten, die Vorlage unverändert nach den Beschlüssen des Ab­geordnetenhauses annehmen. In parlamentarischen Kreisen glaubt man jedoch, daß außer dem Budget und dem Civilehegesetz wich­tige Vorlagen nicht zur Erledigung kommen möchten.

Die Ultramontanen beginnen nach und nach von ihren Siegeshoffnungen für die nächste Reichstagssession etwas zu­rückzukommen. Allem Anschein nach wird ihnen nur in Schle­sien und am Rhein Erfolg blühen, in Bayern scheint der ge­sunde Menschenverstand den» doch über die Pfaffen-Agitation den Sieg davon tragen zu sollen, und auch aus Elsaß-Lothringen kommen nicht lauter echte Schwarze! Dagegen ist es in Re­gierungskreisen nicht unbemerkt geblieben, daß der französische Clerus jetzt Himmel und Hölle beschwört, die Elsaß-Lothringer zur Wahlurne zu treiben nur damit sie Geistliche in den Reichstag wählen!

Bekanntlich haben zwischen der preußischen und der dä­nischen Regierung seit Längerem Verhandlungen stattgefunden, welche die Auslieferung der im Besitz der letzteren befindlichen schleswig-holsteinischen Archive zum Zwecke hatten, und damit endigten, daß die dänische Regierung sich bereit erklärte, dem an sie gestellten Verlangen nachzukommen. Mit dem Pvstdampfer Titania" sind nun heute die Archivalen des Herzogthums Lauen- burg, abgesandt von der deutschen Gesandtschaft an das preußisch- lauenburgische Ministerium in Berlin, in sieben Kisten in Stet­tin eingetroffen.

Dem Ingenieur Eduard Benninghaus zu Gutehoffnnngs- Hütte ist unter dem 22. Dezember 1873 ein Patent auf einen Freifall Seilbohrer, soweit derselbe als neu und eigenthümlich erkannt ist, auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.

Der General der Infanterie von Schwartzkvppen, Kom­mandant von Berlin, Chef der LcmdgeuSd'armerie, und beauf- tragt mit den Geschäften des Gouvernements von Berlin, ist, unter Verleihung eines Patents seiner Charge, zu den Offizieren â la suite der Armee versetzt und nach Württemberg behufs Ue­bernahme des Kommandos über die Königlich württembergischen Truppen (NHL Armeeeorps) kommandirt. Der General der Infanterie von Stülpnagel, â la suite der Armee, ist, von dem Kommando nach Würltemturg behufs Uebernahme des Komman­

dos über die Königlich württembergischen Truppen entbunden, zu den Offizieren von der Armee versetzt und mit den Geschäften des Gouvernements von Berlin, sowie einstweilen auch mit den Geschäften des Chefs der Land-Gensd'armerie beauftragt wor­den. R. u. St.-Anz.

Berlin, 29. Dez. Der Bundesrath hat in der Sitzung vom 1. Dezember d. Js. beschlossen, daß bei Versendungen von Waaren auf Begleitschein I. und II. aus Privat-Transitlägern ohne amtlichen Mitverschluß nach dem Ermessen der Direktivbe- Hörde von der speziellen Revision Abstand genommen werden kann, bei Versendungen auf Begleitschein I. jedoch nur dann, wenn auf Grund des §. 43 des Vereinszollgesetzes die Ablassung ohne amtlichen Verschluß erfolgt und eine Ermittelung des Netto­gewichts nicht erforderlich ist.

Darmstadt, 27. Dez. Das Regierungsblatt veröffent­licht eine Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 15. d. M., nach welcher die Stèmpelpsiicht für auswärtige Ka­lender vom 1. Januar 1874 an aufgehoben ist.

Worms, 27. Dez. Heute fand Seitens der Ver­waltungsräthe der Hess. Ludwigsbahn und der Pfälzischen Bah­nen, sowie der Regierungskommissäre von Hessen und Bayern, die Probefahrt auf der Strecke von Alzey nach Kirchheimbolan­den statt und wird die Eröffnung dieser Bahn nunmehr am 31. d. Mts. stattfiuden.

Aus Thüringen. Ueber die Veranlassung zur Man­dats-Niederlegung der sieben Abgeordneten des Rudolstädter Landtags und die dadurch erfolgte Auflösung desselben schreibt man derDorf.-Ztg." Folgendes:Vom Fabrikbesitzer Lift aus Neuhaus soll in einer der letzten Sitzungen unter Beistand des Herrn v. Beulwitz und mit den Unterschriften von fünf anderen Abgeordneten der Antrag auf Erhöhung der Kameral-Rente des Fürsten um 12,000 fl. eingebracht worden sein. Dieser unge­wöhnliche Fall, daß ein Abgeordneter die Negierung auffordert, Ansprüche, wie sie in dem Anträge ausgedrückt waren, ohne dringenden Grund an den Landtag zu machen, außerdem die Art und Weise, wie der Antrag zu Stande gebracht und eingebracht wurde, gab Veranlassung, daß die Parteien hart aneinander ge- riethen, und daß die sieben Herren des betr. Antrages, weil sie sich durch ihre Gegner beleidigt glaubten, trotz der Vermittlungs- Versuche des Ministers, der, beiläufig bemerkt, den fraglichen Antrag ablehnte, ihre Mandate niederlegten."

Den Altkatholiken in Coblenz ist jetzt die evangelische Kirche daselbst zur Mitbenutzung eingeräumt, in Folge dessen die Gemeinde sich demnächst konstituiren wird.

Die dem Erzbischof von Posen zuerkannten Geldstrafen betragen im Ganzen bis jetzt 21,700 Thaler.

Straßburg, 27. Dez. Gustav Bergmann, Mitglied der hiesigen Handelskammer, welcher von einer Anzahl angesehe­ner hiesiger Bürger als Reichstags-Kandidat für den Stadtkreis Straßburg ausgestellt worden ist, hat sich in einem ausführlichen Schreiben zur Annahme der Kandidatur bereit erklärt. In dem- selben wird die politische Zugehörigkeit Elsaß-Lothringens zu Deutschland rückhaltslvs anerkannt und zugleich zur Thätigkeit in dem neugeschaffenen Kreise der Rechte und Pflichten der Elsaß- Lothringer, sowie zur Einigkeit und Klugheit aufgefordert. Elsaß- Lothringen müsse deu neuen Abschnitt seiner staatsrechtlichen Ge­schicke würdig beginnen. Als Ausgaben der Deputirten des Reichslaudes im Reichstage werden bezeichnet: Die Wiederher-