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Mantel zu tragen. Ein weiterer Erlaß des Kriegsministeriums enthält eine Beschreibung des Huts der Generäle u. s. w., dann der obern Zivilbeamten der Militärverwaltung, wie er von diesen ausschließlich nur in der Garnison zu tragen ist.
(Zu den Reichstagswahlen.) Ein seit mehreren Jahren in Paris sich aufhaltender und in der dortigen höheren Gesellschaft sich bewegender Bayer schreibt uns, daß die Franzosen ein ganz auffälliges Interesse an dem Ausfall der bevorstehenden Reichstagswahlen in Bayern bekunden und nicht selten sich überraschend genau unterrichtet zeigen über die Detailvorgänge in einzelnen bayerischen Wahlkreisen. So habe jüngst ein wegen seiner papi- stischen Gesinnungen bekannter französischer Politiker bei einer Soiree geäußert: „Von unseren Freunden in Bayern kommen gute Nachrichten; die Wahlen in Bayern werden beweisen, daß die bayerischen Katholiken den Verrath verdammen, den die bayerische Regierung Anno 1870 an ihrem alten Verbündeten — an Frankreich — begangen hat." Man sieht ans diesem Vorgänge, was die ultramontanen Agitationen eigentlich bedeuten; siedienen lediglich der franz. Rachepolitik und sollen bei den Franzosen die Meinung erzeugen, daß das bayerische Volk mit Sehnsucht den Tag erwarte, der ihm die Trennung vom deutschen Reiche und die Vereinigung mit den „französischen Freunden" bringt. z Das Gebühren gewisser bayerischer ultramontaner Blatter und die Zusammensetzung einzelner „patriotischer" Wahlkomites gibt den Franzoseu ein Recht, an die Existenz einer französischen Partei in Bayern zu glauben. Unser Pariser Gewährsmann schreibt überdies, er habe Anhaltspunkte für die Vermuthung, daß die ultramontane Agitation in Deutschland mit französischem Geld genährt werde. Wir dürfen also wohl sagen, daß bei den bayerischen Reichstagswahlen Franzosen und Deutsche sich gegenüber- steheN. (Augsb. Abdztg.)
— Bern, 26. Dezember. Der Staatsvertrag, betreffend den Anschluß der Gotthardbahn an das italienische Eisenbahnnetz bei Chiasso und Pino, ist heute vom Bundesrathe Scherer und dem italienischen Gesandten Melegari unterzeichnet worden.
— Madrid. Ein Telegramm aus San Sebastian vom 23. Dezember, Abends, meldet: Es sind 12 Dampfer hier eingetroffen, um die Armee des Regierungs-Generals Moriones einzuschiffen, da dieselbe auf allen Seiten von den Carlisten, in einer Stärke von 30,000 Mann, umgeben ist und ihren Marsch nicht ohne große Verlaste fortsetzen kann.
— Nach einer weiteren Depesche vom 26. hat die Regierung vom General Moriones die telegraphische Meldung erhalten, daß die Ausschiffung der von ihm geführten Armeeabtheilung am 25. Abends bei Santona glücklich von Statten gegangen ist.
—■ Der spanische Regierungsgeneral Moriones, den die letzten Nachrichten als siegreich darstellten, hat sich plötzlich genöthigt gesehen, seine ganze Armee nach Santander einzuschiffen, weil er, wie es heute heißt, sich nicht gegen die Carlisten halten konnte! Daraus mag ein Anderer klug werden. Vom spanischen Telegraphen gilt in Wahrheit Bismarck's Wort: Er liegt wie telegraphirt! (Trib.)
— Paris, 27. Dezember. Bazaine ist gestern Abend auf der Insel St. Marguerite eingetroffen.
— Das „Paris-Journal" liefert folgenden Unsinn: Wir erhalten aus Bern einen sehr interessanten Brief bezüglich der preußischen Agenten, welche über die Schweiz ausgestreut sind; bezüglich der preußischen Umtriebe, die dieses kleine Land irre zu führen und bald auch zu verschlingen drohen, und der kriegerischen, politisch-finanziellen Durchstechereien zwischen Deutschland und Italien. Die Schweiz läßt sich von ihrer protestantischen Leidenschaft foppen und scheint nicht zu bemerken, daß Hr. v. Bismarck eine Revanche für den Neuurburger Putsch von 1856 im Auge hat. Der deutsche Kaiser ist nicht so krank, wie man sagt; er ist niemals ernstlich krank gewesen und befindet sich jetzt schon viel besser. Nicht er, sondern die Schweiz istkrank. Deusch- land schickt sich an, dieses kleine Land einfach zu verschlucken, während es gleichzeitig sein Bündniß mit Italien enger schließt und sich zu Lande und zur See auf einen furchtbaren Kriegsfuß
stellt. Deutschland wird Italien Geld leihen uud ihm nach Art gewisser Wucherer für Geld den Ausschuß seines alten Kriegsmaterials ablassen. Im Jahre 1870 war es weit entfernt, in einer seinem Ehrgeiz und seinen Erfolgen entsprechenden Weise ausgerüstet zu seyn. So konnte man z. B. auf dem Schlachtfelde von Champigny Säbel auflesen, welche in den Jahren 1807 bis 1809 in Versailles fabrizirt, im Jahre 1815 uns entführt waren und noch im Jahre 1870 unseren Feinden dienten. Dieses ganze Material soll jetzt nach Italien wandern. Deutschland schafft sich neue Waffen an und sobald Verwicklungen eintreten, welche diese Macht voraussieht, wenn sie nicht selbst vorbereitet, werden Deutschland und Italien zu einem gemeinsamen Feldzug: gerüstet seyn. Gegen wen? Das mögen Sie, meine Herren Franzosen, selbst beantworten, wenn Ihnen Ihre inneren Streitigkeiten Zeit dazu lassen."
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 27. Dezbr. aus Frankfurt a. M.: Die Nachfrage nach Karten für die, kommenden Montag stattfindende Versammlung im Saalbau, in welcher Herr Dr. Lasker sich dem Frankfurter Wahlkreis vorstellen wird, ist eine sehr beträchtliche. Auch Herr Frohme hat sich mit einer Karte versehen und wird daselbst erscheinen. — Das hiesige Untersuchungsgefängniß beherbergt seit vorgestern den Bedienten und späteren Kellner H. A. Bock, welcher angeschuldigt ist, im Jahre 1871 seinem nunmehr verstorbenen Dienstherrn, Baron La Motte Fouquä 20,000 fl. gestohlen zu haben. Bock war eine Zeit lang zu Paris und ging, als ihm die Mittel ausgingen, nach Cöln, wo er als Kellner bis zu seiner Entdeckung und Inhaftnahme servirte. — Sämmtliche 1800 Karten zu dem Vortrag Laskers sind vergriffen.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 29. Dezember.
R—. (Abendunterhaltung des „Frohsinns" und der „Turngemeinde".) Von jeher ist die Frohsinn-Abendunterhaltung am 1. Weihnachtsfeiertage, „der s. g. Herrenabend", bei welcher Gelegenheit Gäste in größerer Anzahl eingeführt werden können, eine sehr beliebte und besuchte gewesen, und Mitglieder, die im ganzen Jahre nicht zu sehen, sind an diesem Abend sicher anwesend ; es wird des Unterhaltenden gar viel geboten und so war auch diesmal das Programm wieder ein sehr reichhaltiges. Mäunerchöre, Soli's, eine sehr oft Heiterkeit erregende Tombola, ernste und komische Vorträge folgten in verständiger Reihenfolge einander, alle Vortragenden suchten das Beste zu leisten und fanden den verdienten Beifall. Den Glanzpunkt des Abends bildete das „große automatisch-mimisch-mythisch-historisch-plastische Kunstkabinet": Die vorgeführten komischen Figuren (so das singende Quartett) erregten große Heiterkeit und an den Tableaux bemerkte man, daß sie mit viel Ueberlegung gestellt waren. Zu wünschen wäre gewesen „den Kampf mit dem Drachen", welches Bild stürmischen Beifall hervorrief, wegen des erhabenen Gedankens ganz am Schluffe dieser Abtheilung zu sehen; dem Besitzer des erwähnten Kabinets an diesem Abend gebührt für seine wirklich mit urgesundem Humor gelieferte Erklärung der vorgeführten Riegen Anerkennung. — Nun noch einige Wünsche an die Verwaltung des Frohsinns: Zu dem wirklich prächtig dekorirten Saale paßt 1. der alte Bühneuvvrhang durchaus nicht mehr und ist störend. So viel Einsender vernommen, soll die Anschaffung eines neuen im Projekte sein, und wäre die möglichst schnelle Realisirung durchaus kein Luxus; sür's 2. könnte auch vielleicht dahin Abhülfe gefchafft werden, daß durch Anbringung einer Thüre an der Stiege der sehr unangenehme Zug an den ersten Tischen rechts im Saale vermieden würde.
Im Saale der Centralhalle fand die nicht weniger beliebte Abendunterhaltung der Turngemeinde am zweiten Weihnachtsfeiertage statt; an derselben können nur Mitglieder und speciell Eingeladene Theil nehmen. Auch das Programm war hier ein recht gutes, und konnten wir uns bei Durchlesen desselben nicht verhehlen, daß es sehr gewagt sei mit einem noch ganz jungen Gesangverein (Mitglieder des Turnvereins) verschiedene schwierige Chöre vorzuführen, so muß um so mehr anerkannt werden, daß