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Schon kurz nach ihrer Erfindung nahmen die Neuerer des 16. Jahrhunderts die neue Kunst in ihren Sold und bedienten sich ihrer mit großem Erfolge. Und welches war das mächtigste Hilfsmittel der ersten französischen Revolution, die gefährlichste Waffe in den Händen der bekannten französischen Freigeister des vorigen Jahrhunderts, durch welche sie das ätzende Gift ihrer verderblichen Ideen den Herzen ihrer Zeitgenossen einträufelten? Es war die Presse von Paris und vom Haag. Von da aus wälzte sich der verheerende Strom des Unglaubens, der Revolution und Entsittlichung über das alternde Europa dahin.
Heute sind es namentlich die Zeitungen, Broschüren und billigen Lieferungen, die dasselbe Werk der Zerstörung auf allen Gebieten des Lebens fortsetzen. Sie werden in unzähligen Exemplaren verbreitet, vom ganzen Volke, von allen Ständen und Berufsklasfen gelesen, besprochen, und die darin ausgesprochenen Ansichten in Denken und Fühlen ausgenommen. Die ganze politische Fäulniß unserer Tage ist nur die Frucht einer feilen, verdorbenen Presse u. s. w. u. s. w."
— Bekanntlich sollen die Gemeinden aus dem Fünf-Milliar- den-Fouds eine Entschädigung auch für diejenigen Kriegsleistungen erhalten, die sie ursprünglich ohne Anspruch auf Entschädigung haben übernehmen müssen. Doch ist die Staatsregierung über die Einzelheiten dieser Entschädigung noch immer nicht schlüssig geworden. Was die Höhe der Mittel betrifft, deren es zur Ersatzleistung an die Kreise und Gemeinden bedürfen wird, so glaubt man immerhin auf einen Entschädigungs-Betrag von 4 Millionen rechnen zu sollen. (Berl. Tagbl.)
—■ Ausdauernde Kunden. Die Petitions-Commission deß Abgeordnetenhauses hat eine Rubrik für „alte Kunden", die von Session zu Session seit Jahren immer mit denselben Anliegen erscheinen. Die dauerhafteste Kundin ist die verwittwete Registrator Emilie Heibach aus Gleiwitz in Schlesien, welche sich gegen den Chefredacteur der „Breslauer Zeitung", Dr. Stein, verschworen hat und von Jahr zu Jahr die Unschädlichmachung dieses Maunes beantragt, der ihrer Ansicht nach an allem Unglück dieser Welt die Schuld trägt; der Krieg von 1870, der Unglaube, die Cholera seien auf Stein zurückzusühren, u. s. f. Offenbar hat man es mit einer Geisteskranken zu thun.
— Die Großherzoglich hessische Regierung beansprucht für den Universitätsfonds zu Mainz wegen demselben entzogener, zur Festung Mainz gehöriger Grundstücke Entschädigung. Der Bundesrath hat in seiner Sitzung vom 6. d. M. beschlossen, sich damit einverstanden zu erklären, daß dieserhalb der Weg des Vergleichs eröffnet und der Großherzoglich Hessischem Regierung anheimgestellt werde, Vergleichsvorschläge zu machen.
— Die Ultramontanen in Mainz haben ihr Wahlprogramm vom Stapel gelassen. Dasselbe klagt über „bittere Enttäuschungen", redet von der Verwendung ungeheuerer Summen zu „Kriegsrüstungen", beschuldigt die liberalen Parteien „der Un- terwühlung des Friedens und der Kraft des deutschen Volkes", zeiht sie der Bekämpfung „aller christlichen Einrichtungen" und idenfizirt einmal wieder die Ultra-Päpstlichen mit den 14 Millionen deutscher Katholiken des Reichs, auf die der jenen geltende Vorwurf der „Reichsfeindlichkeit" abgewälzt wird.
— Der Erzbischof von Köln ist mit seiner Appellation gegen die acht Verurteilungen, die ihn wegen widerrechtlicher Anstellung von Geistlichen betroffen haben, abgewiesen worden. Die Appellkammer hielt an der Auffassung des ersten Richters fest, daß die in dem Gesetze vom 11. Mai d. I. ausdrücklich nicht enthaltene Strafbestimmung aus der Absicht des Gesetzgebers ergänzt werden könne.
— München, 22. Dez. Wie man der „Südd. Presse" mittheilt, treffen namentlich aus den fränkischen Kreisen bei dem f. Haupt-Münzamte dahier bedeutende Sendungen von Silbermünzen mit dem Ersuchen um Auswechslung in neue Reichsmünze ein. Das Hauptmünzamt ist indeß nicht in der Lage dies zu thun, da die neugeprägten Reichsmüuzeu sämmtlich an die f. Centralstaatskasse abgeliefert werden müssen, (»ugsb. aw.)
— München, 23. Dez. Wie wir eben vernehmen, haben Se. Maj. der König den Maximiliansorden für Wissen
schaft und Kunst verliehen: den Komponisten Richard Wagner in Bayreuth und Johannes Brahms in Altona, dem Direktor der Kunstschule in Nürnberg, Aug. Kreling, dem Architekten Gottfried Neureuther in München und den Professoren der Naturwissenschaften Emil du Bois-Reymont in Berlin und Karl v. Bair in Berlin.
— Aus Mecklenburg kommt die erfreuliche Nachricht, daß man nun endlich auch „höheren Orts" eingesehen, mit dem alten patriarchalischen Staat gehe es nicht mehr und es müsse eine Verfassung eingeführt werden. In Strelitz will man zwar davon immer noch nichts wissen; in Schwerin aber soll man dem Plane günstig sein.
Da hätten wir denn also im nächsten Jahre wieder einen kleinen, recht kleinen Fortschritt im lieben Deutschen Vaterlande zu erwarten. Jst's nicht viel, so ist's doch etwas, und verwöhnt sind die Mecklenburger ja ohnehin nicht. <Trib).
— Paris, 23. Dezbr. Der Minister des Auswärtigen, Herzog von Döcazes, hat mit dem italienischen Gesandten, Ritter von Nigra, eine Zusammenkunft gehabt. — 24. Dez. Die Gerüchte von Zwistigkeiten im Ministerium entbehren der „Agence Havas zufolge jeder Begründung. — Bazaine hat Trianon noch nicht verlassen.
— Rom, 23. Dezember. Die gestrige, vorläufig im Wortlaute noch nicht publizirte, päpstliche Allokution greift die Schweiz und Deutschland mehr noch als Italien an.
(Augèb. Abdztg.)
— London, 24. Dezbr., Vormittags. Eine gestern von dem Erzbischof Manning in der Gesellschaft zur Förderung der katholifchen religiösen Interessen gehaltene Rede gegen den „Cäsarismus", der schließlich der Kirche unterliegen werde, wird von der „Times" in einem längeren Artikel besprochen. Das genannte Blatt hebt hervor, mit welchem Widerwillen in ganz Europa das Unfehlbarkeitsdogma ausgenommen worden sei, weist die von Manning gegebene Definition des Cäsarismus zurück, und fragt, ob der Cäsarismus der Urheber der Bartholomäusnacht, der Albingenserkriege, der spanischen Inquisition und der Protestantenverfolgungen unter Maria Stuart gewesen sei. Der Artikel führt darauf aus, daß die katholische Kirche der einzige große Feind der Gewissensfreiheit sei und das häusliche und soziale Leben seiner Despotie zu unterwerfen suche. Die Geschichte weise eine fortwährende Einschränkung des von der Kirche beherrschten Gebietes durch den Staat nach. Die deutsche Nation habe in der Reformationszeit Rom einen tödtlichen Schlag versetzt und bereite jetzt die Vervollständigung ihres Sieges vor.
— New-Jork. Nach einem der „Times" aus Philadelphia unterm 23. Dezember zugegangenen Telegramm hat Präsident Grant beschlossen, den Unionsgesandten General Sickles von seinem Posten in Madrid abzuberufeu.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 24. Dezbr. aus Frankfurt a. M.: Die von verschiedenen hiesigen Blättern gebrachte Nachricht, daß die Herzog!. Nass. Finanzkammer, das Hausamt rc. nach Frankfurt verlegt würden, ist unbegründet. In der vom Herzog jüngst erworbenen Besitzung gebricht es vollständig an Naum für die Bureaux. Das Gerücht ist wohl dadurch entstanden, daß die im Herzoglichen Schlosse zu Bieberich etablirten Bureaux der Finanzkammer, Schatullkasse rc. vom 1. Jan. an nach Wiesbaden in das Paulinenschloß transferirt werden. — Die Mitgliederzahl des hiesigen Frauenverbandes hat das erste Tausend überschritten. In den ersten drei Tagen verkaufte das Damencomito 4000 Eier â 2 kr. und ein sehr großes QuantumButter. Nach Neujahr sollen noch weitere Artikel beigelegt werden.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 27. Dezember.
R—. Die lieben Weihnachtsfeiertage, die Feiertage, welche schon lange vorher so viel Kopfzerbrechen verursachen und welche» unsere liebe Jugend hauptsächlich, aber auch unsere großen Kinder : Braut und Bräutigam, Eltern und Großeltern, kurz Alle mehr oder weniger mit großer Spannung entgegensetzen, sind