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*^294.
Freitag den 19. Dezember.
1873.
der hohen Verstorbenen ausgestellt war. Die Wache von Sanssouci war verstärkt und von der Leibcompagnie des 1. Garde- Regiments zu Fuß besetzt. Trotz des herrschenden Unwetters gab eine große Anzahl von Bewohnern der Stadt dem Con- ducte das Geleite.
— Aus den Mittheilungen des Reichskanzleramts über den Stand der Cholera ist zu ersehen, daß in 9 Provinzen des preußischen Staats, also mit Ausschluß Westfalens und der Rheinprovinz, vom 22. Mai bis 6. Dezember d. I. 44,959 Menschen an der Cholera erkrankt und davon 23,242 gestorben sind. Davon kommen auf die Stadt Berlin (vom 21. Juli bis 6. Dezember d. I.) 1074 Erkrankungen und darunter 741 Todesfälle. Erloschen ist die Epidemie in den Regierungsbezirken Frankfurt an der Oder, Erfurt, Kassel und der Provinz Hannover. Auch aus Baiern, Sachsen, Württemberg, Anhalt, Lübeck und Hamburg liegen Berichte vor, woraus zu entnehmen, daß in den letzterwähnten drei Gebietstheilen und in Dresden die Epidemie erloschen ist. Weiter erfährt man, daß im Königreiche Polen seit Beginn der Epidemie (der Tag ist nicht angegeben) bis Mitte Oktober d. I. an der Cholera erkrankt waren: 56,477, gestorben 26,234, wovon auf die Stadt Warschau 4933 Erkrankungen und 1887 Todesfälle kommen.
— Auf die maßlosen Angriffe, welche der Papst in seiner letzten Encyclika gegen die Altkatholiken gerichtet hat, antwortet ihm jetzt Bischof Reinkens in einem soeben veröffentlichten Hirtenbriefe, in dem er unter Anderm über die Beleidigungen gegen die preußische Regierung und den Kaiser bemerkt: „Was die Encyclika von unserm erhabenen Kaisen, dessen wir nur mit Danksagungen gegen Gott gedenken können, der erstaunten Welt sagt, ist so schnurgerade aller Wirklichkeit, Wahrheit und Gerechtigkeit zuwider, daß Pietät auf der einen und Schonung auf der andern Seite uns Stillschweigen hier auferlegen (Berl. Tagbl.)
— Die „D. Ztg." berichtet: Zuverlässigen Nachrichten aus Rom zufolge hat der Papst ein Schreiben an ein hervorragendes Mitglied der preußischen Centrumspartei richten lassen, worin er die liberalisirende Taktik dieser Partei mißbilligt und diese Taktik eine Waffe nennt, deren Spitze sich gegen den kehre, der von ihr Gebrauch macht. Aus derselben Quelle erfährt man, der Papst sei nicht damit einverstanden, daß deutsche Bischöfe sich um ein Reichstags-Mandat bewerben.
— Darmstadt, 17. Dez. Mit 16 gegen 13 Stimmen sprach sich die erste Kammer für das Princip der Commu- nalschulen aus.
— Darmstadt, 18. Dez. Gegenüber der bei dem Ministerium Seitens des Bischofs von Mainz wegen der Begründung der Ausweisung des Jesuitenpaters Zöller eingereichten Beschwerdeschrist, thut die „Darmstädter Zeitung" durch einen wissenschaftlich begründeten eingehenden Artikel dar, daß der General des Jesuitenordens einem Untergebenen eine Sünde befehlen könne und bemerkt, daß die Regierung ihre Aeußerungen über die Staatsgefährlichkeit des Jesuitenordens nich^ zurücknchmen
— München, 18. Dez. Für die bevorstehenden Reichstagswahlen hat, nach der „N. Frftr. Pr.", der Erzbischof von München einen besonderen Hirtenbrief erlassen, worin auf ote I große Wichtigkeit der Wahlen aufmerksam gemacht und an die
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Fräulein Deibel ist als Sachverständige znr Trichinenschau ausgeschieden.
Der Sachverständige Georg Geh ist der Altstadt zur Trichinenschau zugetheilt.
Für das erste und zweite Quartier der Neustadt verbleiben als Sachverständige resp, sind hierzu bestimmt Herr Kreis- Physikus Dr. von Möller, Bahnhofsbediesteter Dasch, Fräulein Albach.
Hanau am 15. Dezember 1873.
Johann Georg Kalb Henn zu Bergen, geboren am 9. Febr. 1844, hat um Entlassung aus dem Preußischen Unter- thanenverbande, behufs seines Ueberzugs nach Vilbel im Groß- herzogthum Hessen, nachgesucht.
Hanau, am 13. Dezbr. 1873.
Der in Nr. 289 des Hanauer Anzeigers als vermißt angezeigte Taglöhner Konrad Mehrling von Ostheim wurde am 10. d. Mts. in der Nidder, Gemarkung Windecken, ertrunken aufgefunden.
Hanau, am 17. Dezbr. 1873.
Tagesschau.
— ,Das Civilehegesetz soll heute (Donnerstag) im Abgeordnetenhause wo möglich in zweiter Lesung zu Ende berathen werden, damit die dritte Berathung am Sonnabend erfolgen kann. Allseitig — selbstverständlich immer unter Fortlaffung des Centrums — wird die ausgezeichnete Vertheidigung des Gesetzes durch den Cultusminister Dr. Falk anerkannt, dessen legislatorische Thätigkeit ihm überhaupt ein bleibendes glänzendes Gedächtniß in der Preußischen Geschichte sichert. Selten hat ein Cultusminister nach allen Richtungen hin mit größeren oder mit so großen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt als er; keiner seiner Vorgänger hat solche Energie bewiesen.
— Der Kriegsminister hat die Regierungen der Einzelstaaten davon in Kenntniß gesetzt, daß mit dem Dispositionsfonds von 300,000 Thlr. für Gnadenbewilligungen jetzt die Mittel vorhanden seien, um auch in solchen Fällen, wo eine gesetzliche Unterstützung nicht eintreten kann, erkrankten Kriegern oder den Hinterbliebenen verstorbener Krieger, deren Tod erst nach dem 20. Mai 1872, aber nachgewiesenermaßen in Folge von Erkrankungen oder Beschädigungen während des Krieges eingetreten ist, Unterstützungen zu gewähren. Diese können unter Umständen bis zur Höhe der gesetzlichen Beträge bemessen werden.
— Die Leiche der verstorbenen Königin Elisabeth traf am 17. ds. Mts. Mitternachts auf der Wildparkstation zu Potsdam ein, wo die Leibescadron des Gardes-du-Corps-Regi- ments aufgestellt war. Der Kronprinz und die Spitzen sämmtlicher Militär- und Civilbehörden erwarteten die Ankunft. Nachdem der Sarg aus dem Wagen gehoben, wurde derselbe von 6 Unteroffizieren der Gardes-du-Corps durch den Garten nach Schloß Sanssouci getragen und zwar die s. g. grüne Rampe hinauf, über welche s. Z. auch die Leiche Königs Friedrich Wilhelm IV. nach der Friedenskirche getragen wurde. Die Aufstellung des Sarges erfolgte im Schlafzimmer Friedrichs des Großen, an derselben Stelle, wo auch der Sarg des Gemahls