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Mittwoch den 17. Dezember.
1873.
Tagesschau.
— Berlin, 15. Dezember. Ein königlicher Erlaß an das Staatsministerium vom heutigen Tage ordnet wegen des Ablebens der Königin-Wittwe eine allgemeine Landestrauer auf 6 Wochen von heute ab an und untersagt die öffentlichen Aufführungen von Musik, Theater, Lustbarkeiten und Schauspielvorstellungen für die ersten 8 Tage.
— Das Civilehegesetz soll nun, nachdem der Entwurf bekannt geworden, doch nicht an eine Commission überwiesen, sondern in allen Lesungen durch Plenarberathung erledigt werden, womöglich noch vor Weihnachten. Es hat sich, wie in ähnlichen Fällen, eine freiwillige Commission gebildet, welche vom Abg. Miquèl zu heute (Dienstag) früh 9 Uhr berufen worden, um die erforderlichen Amendements festzustellen, über welche Abends eine Verständigung unter den Fractionen erfolgen soll. Die Ultramontanen bekämpfen das Gesetz und wollen es, um es zu verschleppen, an eine Commission verweisen; sie werden aber damit gründlich abfallen. (Trib).
— Bonn, 15. Dezember. Vom Bischof Reinkens ist heute ein gegen die Encyclica des Papstes vom 21. Nov. gerichteter Hirtenbrief erschienen. (N. Frankf. Pr.)
— Die „N. Frankf. Pr." schreibt aus Offenbach 13. Dez.: „Ein nicht sehr erfreuliches „Zeichen der Zeit" sind die sich auch hier jetzt bedenklich vermehrenden Eingriffe in das Eigenthum Anderer, deren unsere hiesige Zeitung dieser Tage gleich ein Dutzend Fälle auf einmal registriren. Einen Eingriff in unsere Taschen (doch freilich unter dem Vorgcben sie füllen zu wollen) und jedenfalls in unsere Zeit, begehen auch die Hamburger und Bremer Lotterie-Collecteure, die uns, zum Schrecken und Kreuz aller Briefträger, von Zeit zu Zeit mit einer wahren Heuschreckenwolke von Offertbriefen in geradezu widerlich zudringlicher Weise überschütten."
— Tauberbischofsheim, 14. Dez. Heute Mittag erschien bei Banquier Levi Strauß ein dem Anscheine nach den besseren Ständen angehörendes Individuum nnd präsentirte einen Wechsel von einem Mannheimer Baukhause zur Zahlung. Strauß, welcher mit dem betreffenden Bankhause in manigfacher Geschäftsverbindung steht, erkannte die Unterschrift des Wechsels als gefälscht, verweigerte die Zahlung und benachrichtigte alsbald die Gendarmerie, welche den Hochstapler verhaftete und bei einer vorgenommenen Durchsuchung noch 11 gefälschte Wechsel, meist von Frankfurter und Mannheimer Häusern, im Betrage von nahezu 3000 st. bei ihm vorfand. (Mannh. Tagbl.)
— London, 14. Dez. Heute wurde in sämmtlichen katholischen Kirchen der Diöcese Westminister die päpstliche Encyklica von der Kanzel oder den Altarstufen herab verlesen, desgleichen eine officielle Widerlegung der in den Zeitungen aufgetauchten Angabe, daß das Unfehlbarkeits-Dogma für die englischen Katholiken nicht streng bindend sei. Dasselbe sei nicht minder bindend wie die Dogmen der Dreieinigkeit und der Fleischwerdung. Zuwiderhandelnde seien ipso facto excommunicirt.
— Die brennende Kriegsfrage zwischen Spanien und Amerika ist dem Verglimmen nahe. Der „Virginius" soll ausgeliefert und damit die wesentlichste Forderung der amerikanischen Union befriedigt werden. Im Uebrigen waren die Nachrichten in dieser Beziehung in den letzten Tagen nur spärlich. Tritt kein Hinderniß ein, so muß der Telegraph binnen Kurzem über
die vollendete Thatsache der Auslieferung berichten. Diese Lösung käme der Befestigung der Castelar'schen Dictatur nicht minder zu Statten, als die jüngste Wendung des Carlistenkrieges: die Vereinigung der beiden Generale Moriones und Loma, welche es möglich gemacht hat, den Versuch der Carlisten, auf Tolosa zu marschiren, zu vereiteln. Wird der erlangte Vortheil nun endlich einmal von den republikanischen Truppen genügend ausgebeutet, so können seine Folgen für die Aufständischen leicht verhängnißvoll werden. Es war in der That Zeit, daß etwas wie ein Erfolg der Regierung sich zeigte, da die in den letzten Wochen eingetretene Situation, namentlich auch der sich in unabsehbare Länge ziehende Widerstand Carthagena's nur dazu geeignet sein konnte, die Hoffnungen der Restaurationspartei neu zu beleben. Der Entsatz von Tolosa und die Beilegung der Virginius-Affaire rehabilitiren das Ansehen der Regierung und geben dem Lande, soweit es den Umständen nach möglich, erneute Aussicht, durch die redlichen Bemühungen seines gegenwärtigen Leiters mit der Zeit zu einigermaßen geordneten Zuständen zu gelangen. (Trib.)
— Paris, 12. Dez. Die Entrüstung über Bazaines Begnadigung ist stärker und allgemeiner, als es gestern den Anschein hatte. Die Einen finden das Verfahren der Richter überhaupt taktlos, in derselben Minute das Todesurtheil und das Begnadigungsgesuch zu unterzeichnen; die Anderen nennen die Bittschrift „eine wahre Rehabilitation" Bazaine's. Von den Deputirten billigen nur wenige die Begnadigung. Erstaunen darf dies aber nicht erregen, weil der größte Theil derselben gerade wie die Masse denkt, und der Ansicht ist, daß, wenn der Marschall erschossen worden wäre, die ganze Vergangenheit abgethan sein würde. Unter den Deputirten wurden Stimmen laut, welche die Begnadigung eine Feigheit nannten und meinten, wenn Mac Mahon den Marschall Bazaine nicht habe erschießen lassen wollen, so hätte er am 25. Mai auch die Exekutivgewalt nicht übernehmen sollen und so weiter. Die äußerste Linke aber bereitet jetzt einen Feldzug, den sie schon längst im Plane hatte, vor, einen Feldzug für einen Generalpardon; sich auf den Gnadenakt für Bazaine stützend, will sie zunächst eine allgemeine Amnestie verlangen. Dagegen erheben sich wieder Stimmen, die verlangen, daß man sich mit der Verurtheilung Bazaines nicht begnügen dürfe, sondern auch noch verschiedenen Andern den Prozeß machen müsse. Der „Ordre" schreibt: „Die Kapitulation von Metz" ist beurtheilt. Aber es gibt noch andere Kapitulationen in diesem schrecklichen Kriege: nämlich Straßburg, Sedan, Paris. Dann gibt es auch den Loire-Feldzug mit seiner langen Reihe von Niederlagen; ferner die Ost-Armee, die von Jules Favre, dem Repräsentanten jener Bande Meuterer, deren feiges und elendes Auftreten die Ursache aller unserer Demüthigungen und Unglücksfälle war, zu Grunde gerichtet, verrathen und verkauft wurde. Wird der 4. Sept, unbestraft bleiben? Soll eine Hand voll Insurgenten eine Regierung und eine Versanimluug haben stürzen dürfen, ohne der strengen Bestrafung der Gesetze zu verfallen? Werden wir nicht die Urheber und Mitschuldigen des Verbrechens, welches Frankreich dem Ausland überliefert, mit ihrem Führer dem General Trochu, dem anonymen „Capitulard" von Paris, auf der Anklagebank erscheinen sehen? Einmal auf dem Wege der Strenge, darf man nicht mehr stehen bleiben." Das orleanistische „Journal de Paris"