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1873.
Tagesschau.
— Der „R. u. St." enthält eine Bekanntmachung des Hrn. Justizministers : Allgemeine Verfügung vom 5. Dezbr. 1873, — betreffend die in Untersuchungssachen gegen Geistliche und Kandidaten des geistlichen Amts zu machenden Mittheilungen.
— Die „Trib." sagt in ihrer Tagesschau: Die Mittwochsdebatte im Abgeordnetenhause nimmt in den Kämpfen der Gegenwart unzweifelhaft einen hervorragenden Platz ein. Der Spieß, den die Ultramontanen gegen die preußische Gesetzgebung einlegten, kehrte sich in wirksamster Weise gegen sie selbst und anstatt den Gang unserer staatlichen Entwickelung zu hemmen oder zurückzudrängen, ward ihnen die Gewißheit verschafft, daß eine gleichmäßige stetige Fortbewegung in der Gesetzgebung zu erwarten stehe, als deren erstes Zeichen der lange erwartete Entwurf über die obligatorische Civilehe dem Hause übergeben wurde. Die Rede des Cultusministers Falk, die reich an neuen und interessanten Momenten war, wirkte aufmunternd und beruhigend zugleich auf alle Kreise, in welche sich Zweifel über die Entschlossenheit und Thatkraft der Regierung eingeschlichen hatten. Sie zeichnete in festen Zügen den Weg, den der Staat innezuhalten hat, und wies jeden Gedanken an ein Zurückweichen als mit der Ehre Preußens unverträglich zurück. Der „Preis der Souverainetät" sei es, den man vom Staate fordere und diese Forderung werde nicht nur die gegenwärtige, sondern überhaupt jede preußische Regierung von sich weisen. Der Fall Ledochowèki gab dem Minister Anlaß, auf die ganz besonderen Eigenthümlichkeiten des „katholischen Gewissens" hinzuweisen, das hier entwas verurtheilt, was es anderorts als selbstverständlich ansieht. Dieser Punkt, so oft er auch von staatlicher Seite hervorgehoben wird, bleibt in der ultramontanen Polemik stets unberührt; hier erweisen sich alle Künste der Dialektik als wirkungslos, denn es handelt sich um Thatsachen. Niemand vermag zu leugneu, daß die Zustände, welche die neue Kirchengesetzgebung in Preußen einführen will, in andern Staaten längst und ohne Widerspruch bestehen, Niemand vermag einen Grund dafür beizubringen, weshalb das „katholische Gewissen", hier erlaubt, was es dort verbietet; man umgeht deshalb diese Klippe, wo man nur immer kann. Gerade deshalb aber muß der Blick der irregeleiteten Massen von anderer Seite her immer wieder darauf hingeführt werden, denn aus solchen concreten Erscheinungen wird es dem gemeinen Mann leichter, sich ein Urtheil zu bilden, als aus canonischen und dogmatischen Sätzen. Mit dem „katholischen Gewissen" verhält sich's gerade so, wie mit der Lehre der Jesuiten: es hat Doppelwährung. Je nach den Umständen interpretirt es sich die Begriffe von gut und schlecht heraus, die Zweckmäßigkeit ist sein oberster sittlicher Grundsatz, der Zweck heiligt Alles, auch das Gewissen. Wenn Graf Ledochowski den Staatsgesetzten nicht gehorchen will, weil es gegen sein „katholisches Gewissen" ist, während andere Bischöfe den gleichen Gesetzen unbeschadet ihres Gewissens gehorsamen, so wird man entweder an den Elementen der katholischen Lehre irre und fragt verwundert, wo bleibt da die eine, allgemeine ungeteilte Kirche? oder man schließt mit Grnnd: das „katholische Gewissen" dient hier dem widerspänstigen Priester zum Deckmantel feines Ungehorsams, dessen wahres Motiv kein anderes als Hochmuth und Anmaßung ist.' Diese Art katholischer Gewissen mag da Geltung haben, wo die Kirche die unumschränkte Despotin über alle bürgerlichen Verhältnisse ist; eine kräftige und ihrer
Aufgabe sich bewußte Staatsgewalt aber läßt sich durch solches Maskenspiel nicht täuschen."
— Der Strike der Rangirer im Main-Neckar-Bahnhof, welche der Verwaltung schweren Schaden und einige Prozesse eintrug, kann nunmehr als beseitigt angesehen werden. Jeder Rangirer erhält jetzt, wie wir vernehmen, einen Tagelohn von 1 sl. 45 kr., dagegen ist ihnen der Transport von Koffern und sonstigen Effekten der Reisenden nicht mehr gestattet, dafür sollen besondere Personen bestellt werden.
— München, 12. Dezember. Nach einer Verfügung des Ministeriums des Innern sind die sämmtlichen Verhandlungen über die Reichstagswahlen von den Kreisregierungen, Kammern des Innern, seinerzeit mit thunlichster Beschleunigung direkt an das Bureau des Reichstages in Berlin einzusenden. Für jeden Regierungsbezirk ist über die vorgenommenen Wahlen eine Uebersicht zu fertigen und in duplo an das Ministerium des Innern zu schicken. Die Wahlkommissäre haben das Wahlergebniß sofort nach dessen Feststellung an den Staatsminister v. Pfeufer telegraphisch zu berichten.
— München, 13. Dez. Auf die Vorstellung, welche die bayerischen Bischöfe aus Veranlassung der Königlichen Verordnung, betreffend die Errichtung von konfessionell gemischten Schulen an den König gerichtet haben, ist Seitens des Kultus-Ministeriums eine abschlägliche Bescheidung ergangen.
— Bern, 12. Dez. Der Bundesrath, zur Aufhebung der permanenten Vertretung des päpstlichen Stuhles bei dem Schweizer Bunde durch die letzte Encyclica des Papstes veranlaßt, hat beschlossen, den päpstlichen Nuntius Agrozzi um Mittheilung des Tages seiner Abreise zu ersuchen.
— Paris, 12. Dez. Zur Einschließung Bazaine's ist, wie man unterrichteter Seits wissen will, die Insel St. Marguerite, unweit Cannes im Departement Var, bestimmt.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 14. Dezbr. aus Frankfurt a. M.: Wie alljährlich um diese Zeit, hat der Personenverkehr auf der Hessischen Ludwigsbahn erheblich nachgelassen; dagegen erhält sich der Güterverkehr andauernd und ungeschwächt auf der Höhe der letzten Monate. Insbesondere ist ein beträchtliches Anwachsen desselben auf der Riedbahn (Verkehr zwischen der Pfalz und Altbayern) und auf der Linie Mainz- Frankfurt bemerklich ; auf der Odenwaldbahn sollen für den Winter bedeutende Holztransporte in Aussicht stehen. — In Folge der erfolgten vorläufigen Genehmigung des Frankfurter Centralbahnhofprojekts durch das kgl. Handelsministerium, hat in diesen Tagen eine Conferenz zwischen den mit der Ausführung betrauten Verwaltungen (Frankfurt-Bebraer Staatsbahn und Hessifche Ludwigsbahn) stattgefunden, in welcher noch einige von der oberen Behörde bezeichnete Ergänzungen des Projektes berathen worden sind, um dasselbe zur technisch-polizeilichen Prüfung vorzubereiten. — Wie man uns mittheilt, haben sich bei dem Damencvmit^ des Frauenverbandes einige hiesige Metzger gemeldet, welche bereit sind, unter Aufsicht des Vereins, falls dessen Mitglieder das Ochsenfleisch von ihnen beziehen, zu schlachten und das Pfund 3 kr. billiger, als bei den anderen Metzgern zu geben. Wie wir hören, wird der Franeuverband um eine bessere Marktordnung bei den Behörden einkommen. — Gestern riß an einem der Krahnen, mit welchen an der neuen Brücke die schweren Steine emporgehoben werden, die Kette, in Folge