Einzelbild herunterladen
 

1303

und die Erinnerung des eben gefeierten Gedenktages im Herzen der Bevölkerung lebendig erhalten. Die Liebe Meiner Völker, die sich in diesen Kundgebungen ausspricht und die Ich bei Mei­ner Thronbesteigung mit den glorreichen Erinnerungen Meiner Ahnen als kostbares Kleinod überkommen, Ich habe sie in den ereignißreichen fünfundzwanzig Jahren Meiner Regierung in Glück und Unglück gleich bewährt gefunden und bin gewiß, daß sie Mir und Meinem Hause auch in kommenden Tagen zur Seite stehen wird. Ich preise Mich glücklich, in dieser Liebe und Treue den schönsten Lohn Meiner Regentensorge, Meine stets auf die Wohlfahrt aller Meiner Völker gerichteten Bestrebungen zu finden, und Ich spreche hiefür mit bewegtem Herzen Allen insgesammt und Jedem insbesondere Meinen Dank und Meine vollste Anerkennung aus. Ich beauftrage Sie, dies öffentlich be­kanntzugeben. Wien, 3. Dez. 1873. Franz Ioseph in. p."

— R u ß land. Der „Regierungs-Anzeiger" veröffentlicht das Rekrutirungsmanifest für 1874. Nach demselben wird im europäischen und^ im asiatischen Rußland, sowie im Königreich Polen die Aushebung nach dem gewöhnlichen Maßstab von 6 von 1000 vorgenommen werden.

— (Dièkontvherabsetznng.) Die Reichsbank in Petersburg hat vom 8. ds. ab den Diskonto für Wechsel von 7 auf ßOs den Lombardzinsfuß von 8 auf 7^3 Prozent herabgesetzt.

— Aus Petersburg schreibt man der „D. Ztg.", daß die Voruntersuchung in der neu entdeckten Socialistenverschwö- rung bereits zum Abschlusse gediehen ist. Zu der Verhandlung wird ein eigener Gerichtshof aus Mitgliedern des „regierenden Senates" eingesetzt. Der Angeklagten sind dreißig, zumeist Stu­denten. Gegen den Hauptbeschuldigten, den der Theilnahme an der Pariser Kommune verdächtigen russischen Emigranten Sche- Weleff, wird ein Spezialprozeß durchgeführt.

— - Paris, 7. Dez. Einer Nachricht des „Ordre" zufolge ist der Papst sehr schwach und ernstlich die Rede von dem Zn- fammentritt eines Conclaves.

— Trianou, 7. Dezbr. Die Schlußanträge des Regie­rungskommissars in dem Prozesse Bazaine schließen sich den in der Anklage gestellten Anträgen durchgehends an und fordern die Anwendung derjenigen Artikel des Militürstrafgefetzbuchs, in denen Degradation und Todesstrafe angedroht ist. — Heute be­gann das Plaidoyer des Advokat Lachaud, das darauf hinaus­läuft, daß Marschall Bazaine in allen Stücken feine Schuldig­keit gethan habe. Das Plaidoyer wird morgen fortgesetzt. Die heutige Sitzung verlief ohne bemerkenswerthen Zwischenfall. Der Spruch des Kriegsgerichts erfolgt wahrscheinlich Mittwochs.

— London. Der britisch-österreichische Auslieferungsver­trag ist am 3. d. M. in Wien unterzeichnet worden.

— London, 8. Dez., Morgens. „Die „Daily News" melden telegraphisch, der amerikanische Gesandte in Madrid, Ge­neral Sickles, habe um feine (Entlassung gebeten.

— New-Jork, 7. Dez., Abends. Der Regierung ist, dem Vernehmen nach, die bestimmte Nachricht zugegangen, daß der „Virginius" binnen 8 Tagen die noch übrige Bemannung desselben binnen 10 Tagen an sie ausliefern werde.

(R. u. St. A.)

— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 8. Dezbr. aus Frankfurt a. M.: Dem Vernehmen nach steht Fräulein Laura Schubert mit dem Besitzer der „Harmonie" in der Großen Bocken- Heimer Gasse in Unterhandlungen, um dieses Gebäude käuflich zu erwerben und das zweite Theater dahin zu verlegen. — Aus dem gestern Vormittag um 11 Uhr 50 Min. in Mainz abgehenden Zug sprang in der Nähe der Gustavsburg ein Reisender, um nach seiner eigenen Aussage verschiedene im Wartesaal zu Mainz zurückgelassene Gegenstände zu holen, heraus. Der Passagier brach hierbei den Arm und ist auch am Kopfe, wenn auch mcht gefährlich, verletzt. — Auf dem Oberräder Fußwege fand gestern Abend eine große Schlägerei statt. Einer der Betheiligten wurde so schwer durch Messerstiche verwundet, daß er heute Morgen im Hospital zum hl. Geist, wohin er gestern Abend noch ge­bracht worden war, den erhaltenen Verletzungen bereits erlegen

ist. (Derselbe heißt Hirschmann und ist aus Rothenburg an der Tauber gebürtig.)

Lokales und Provinzielles.

Hanau, 9. Dezember.

K. Im Laufe des gestrigen Nachmittags verendeten ganz schnell zwei Pferde: das eine, Herrn Riegel mann auf der Fechenmühle bei Bruchköbel gehörig, nahe beim Bahnhöfe in Folge eines Blutsturzes; das andere, ein sehr schönes Thier und Ei­genthum des Herrn Fritz Körner hier, wurde in der Nahe der Post von der Deichsel eines anderen Fuhrwerks in der Weise an der Brust verletzt, daß es, obgleich es sich mit der Wunde noch bis in die Nähe des Gasthauses zur großen Krone schleppte, dortselbst todt niederfiel.

—d. Freunden des Schlittschuhlaufens zur Notiz, daß sich (so viel uns aus guter Quelle mitgetheilt wurde) auf dem Teiche eine hübsche Eisbahn befindet, welche gestern, bei 5 cm. Stärke, von einigen Herren benützt wurde. Weil nun in diesem Winter auf dem Teiche keine Wirthschaft befindlich, so dürfte bei länger anhaltendem kalten Wetter, besonders an den Sonn- und bevorstehenden Feiertagen, ein Spekulant, welcher insbesondere warme Getränke verabreichen würde, mit einer ambulanten Er­frischungsstation kein schlechtes Geschäft machen.

G. Gestern verstarb im hiesigen Landkrankenhause der Eisen­bahnschaffner Ludwig Degendorf, welchem kürzlich beim Ran­gieren beide Beine entzwei gefahren wurden; derselbe hinterläßt eine Wittwe mit 4 unmündigen Kindern.

— Daß im Augenblicke die Verhältnisse in Amerika schlecht sind, dürfte Jedermann bekannt sein, daß sie aber schlechter als jemals sind und vor der Einwanderung nach dorten gewarnt, mit allem Ernste gewarnt werden muß, ergibt sich aus der Stelle eines uns vorliegenden, gestern hier angekommenen Briefes:

„Die Verhältnisse sind eben hier (Newyork) derart schlecht, wie ich sie in den 25 Jahren als ich hier bin, noch nicht erlebt habe, die Einwanderer gehen meistens dem größten Elend entgegen, draußen (ist Deutschland ge­meint) gehen sie wegen dem Militair fort, hier gehen sie aus Noth freiwillig dazu, die Noth ist so groß, daß sich alle Tage 5 auch noch mehr Menschen in den Fluß werfen und sich erschießen, Einbruch, Diebstahl und Mord sind an der Tagesordnung. Was dies den kommenden Winter ge­ben soll ist nicht abzusehen rc."

Und so schreibt ein Hanauer, welcher im Jahre 1848 selbst dem Militair auswich und in Amerika ein Eldorado zu finden hoffte.

— Wasferstand des Main-Pegels heute früh 9 Uhr 0,61 Meter.

— Wegen der Fortsetzung der Odenwaldbahn nach Eber­bach einerseits und nach Hanau andererseits, sowie die Umwand­lung der Riedbahn in eine Bahn Frankfurt-Mannheim sind nach der „N. Franks. Pr." neuerdings Verhandlungen zwischen der hessischen Regierung und dem Verwaltungsrathe der hessischen Ludwigsbahn eiugeleitet. Letztere will die Strecke Erbach-Eber­bach nicht ohne Staatssubvention bauen, die Regierung aber, dem Verlangen der Stände nachgebend, besteht auf einer Be­schränkung der bestehenden Zinsgarantie, wenn sie die Concession Frankfurt-Mannheim ertheilen soll. Die Verhandlungen bieten hierdurch große Schwierigkeiten. Eine Trennung der beiden Pro­jekte ist nicht möglich, weil die badische Regierung die Erbauung der Strecke Eberbach-Jaxtfeld von der Fortsetzung der Riedbahn abhängig macht, und auch die Ludwigsbahn auf eine gesonderte Behandlung beider Projekte sich nicht einlassen will.

— Nach der „N. Frkftr. Pr." wird zu Aschaffenburg Herr- Staatsanwalt Nöthig für den Wahlkreis Aschaffenburg als Candidat für den Reichstag von den Liberalen aufgestellt werden. Herr Nöthig, Sohn eines Oekonomen aus dem benachbarten Großostheim, ist ein sehr gebildeter Jurist von acht liberaler Ge­sinnung, der sich auch seit vielen Jahren an allen politischen Kämpfen als Führer betheiligte. (Vor einigen Wochen, als die Aschaffenburger Vereine „Frohsinn" und „Melomania" den hie­sigen vereinigten Gesangvereinen einen Besuch abstatten, hatten sehr viele Hanauer Gelegenheit Herrn Staatsanwalt Nöthig sprechen zu hören und schätzen zu lernen.)