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M 280.
Mittwoch den 3. Dezember.
1873.
Steckbrief.
Unter dem Namen eines Seilermeisters Hugo Klages hat ein Mann auf Grund gefälschter Atteste von Behörden, die ihm Unglücksfälle bescheinigen, briefliche Gesuche um Unterstützung an verschiedene auch hochgestellte Personen gerichtet, und sich die Beträge poste restante nach vielen Orten Deutschlands erbeten.
In Karlsruhe ist er bei Abnahme solcher Sendung verhaftet, und hat bei seiner gerichtlichen Vernehmung angegeben, daß er Gotthilf Debert heiße, am 22. März 1833 zu Burg bei Magdeburg geboren, Wittwer sei. — Auf dem Transport hierher ist derselbe in Hanau entsprungen. —
Er ist mittlerer Statur, hat dunkelblonde Haare, einen kleinen, hellblonden Schnurrbart, rundes kleines Gesicht, frische Farbe, und war bekleidet mit einem dunklen Oberrock, seidener Mütze, Zugstiefeln. Er ist circa 40 Jahre alt. Es wird gebeten, denselben zu verhaften, hierher zu transportiren und Nachricht zu geben.
Prenzlau den 27. November 1873.
Königliches Kreisgericht.
Der Untersuchungsrichter.
Wird veröffentlicht.
Hanau am 1. Dezember 1873.
Der Landrath: Schrötter.
T a g e s s ch a «.
— Die Synodalordnung wird zu sehr eingehenden Verhandlungen im Abgeordnetenhause führen, da ein Entwurf betreffend die Verwaltung des Kirchenvermögens der evangelischen Gemeinden durch die neu gewählten Kirchenräthe vorbereitet wird, der demnächst an den Landtag gelangen soll. Der Cultnsminister hat eine Anzahl von Vertrauensmännern aus allen Fractionen eingeladen, um mit denselben die Grundsätze des neuen Entwurfs zu besprechen. In parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß diese Besprechungen gleichzeitig zur Verständigung über die noch, namentlich auf der Linken obschwebenden Differenzen über die Synodalordnung führen werden. (Trib.)
— Die Zahl der Petitionen, welche dem Abgeordnetenhause jetzt vorliegen, beläuft sich auf gegen 300. Die Mehrzahl bezieht sich vorläufig auf Klagen und Beschwerden von Beamten über Besoldungsverhältnisse und ist daher der Budgetcommission überwiesen. Die Unterrichts- und Gemeinde-Commission haben indessen auch einen Theil der eingegangenen Petita erhalten. Petitionen von besonders principiellem Interesse liegen bisher noch nicht vor.
— Bischof Conrad von Paderborn hat sich bei Zeiten zu wahren gewußt. An die Nachricht, daß ihm am 20. v. Mts. -ein Wagen abgepfändert worden ist, knüpft das ultramontane „Westf. Volksblatt" die Bemerkung: „Es wird desfalls wohl zu einer Jnterventionsklage kommen, da das sämmtliche Besitz- thum des Herrn Bischofs schon vor längerer Zeit durch einen Vertrag Eigenthum eines Verwandten geworden ist."
— Posen, 2. Dezbr. Das hiesige Kreisgericht hat den Erzbischof Ledochowsky wegen ungesetzlicher Anstellung von Geist
lichen und in Berücksichtigung der beharrlichen Renitenz zu 7000 Thlr. Strafe, eventuell fünfjährigem Gefängniß verurtheilt. — Trier, 2. Dez. Das Zuchtpolizeigericht hat den hiesigen Bischof wegen gesetzwidriger Ernennung von 18 Geistlichen zu 3600 Thlr. Strafe verurtheilt. N. Frkftr. Pr.
— München, 1. Dezember. Der Ausschuß der Kammer der Reichsräthe hat heute den Antrag Völk, betreffs Ausdehnung der Zuständigkeit des Reiches auf die gesammte Civil- gesetzgebung mit einer vom Prinzen Ludwig von Bayern beantragten Modifikation angenommen. Diese Modifikation geht dahin, sich für ein einheitliches deutsches Civilgesetzbuch auszusprechen, gegen eine vorherige Einzelngesetzgebnng Verwahrung einzulegen und zugleich den Wunsch auszudrücken, daß ein bayerischer oberster Gerichtshof möglichst erhalten bleiben möge. Der Ausschuß hat ferner beschlossen, daß der Völk'sche Antrag derselben geschäftlichen Behandlung unterzogen werden soll, welche für die Jnitiativgesetzgebung vorgeschrieben ist.
— Würzburg, 30. November. Heute wurde — in der Stahel'schen Hauskapelle dahier — durch Hrn. Pfarrer Hasler von Erlangen, der erste altkatholische Gottesdienst mit Predigt abgehalten, nachdem Tags zuvor mehrstündiger, nach dem Alter der Kinder gesonderter Religionsunterricht ertheilt worden war. Die viele hundert Jahre alte, in gothischem Style erbaute Kapelle, in welcher noch im Anfang dieses Jahrhunderts bis zur Säkularisationszeit eine große Anzahl von Priestern der Diözese Würzburg geweiht wurden, faßte leider nur einen kleinen Theil der herbeigeströmten reichstreuen Katholiken; es ward daher nur verhältnißmäßig Wenigen zu Theil, vor dem, mit dem Bilde der heiligen Frankenapostel geschmückten Altare wieder einmal nach so langer Zeit das Wort Gottes ohne Beimischung der leider üblich gewordenen Hetzereien zu vernehmen. Die Predigt des Herrn Pfarrer Hasler war von hinreißender Wirkung und in gehobener Stimmung trennte sich die Versammlung der Andächtigen mit dem Wunsche, daß nun regelmäßig Gottesdienst in größeren Räumen stattfinden möge.
— Schweinfurt. Seit vergangenen Dienstag vor acht Tagen ist die 16jährige Tochter, einer sich derzeit in Würzburg aufhaltenden amerikanischen Familie — Namens Jdith Pompelli — spurlos verschwunden, Recherchen zur Entdeckung des Aufenthaltes dieser Dame wütden u. A. auch hier und in Bissingen gepflogen, führten aber bis zur Stunde zu keinem Resultate.
— Tauberbischofsheim, 1. Dez. Gestern Nachmittag brannten in Oberlaude drei Scheunen nieder. Da das Feuer am Sonntag und zu einer Zeit, wo Niemand mit Licht u. dgl. in die Scheuer kam, ausgebrochen ist, liegt jedenfalls Brandstiftung vor und es sind auch bereits zwei dieses Verbrechens verdächtige Persönlichkeiten verhaftet worden. Fünftel und Inhalt der zerstörten Gebäude sind nicht versichert. cs»°M. TaM.)
— Sonderbarer Schwärmer. Der Bürgermeister Reichold von Erlangen hat eine ihm von Magistrate zugedachtè Gehaltserhöhung durch ein Schreiben abgelehnt.
— Metz, 27. Nov. Nach einer hierher gelangten Verfügung des Oberpräsidenten von Elsaß-Lothringen dürfen Soldaten der französischen Armee, sowie Beamte der französischen Republik in Uniform ferner das Reichsland nicht mehr betreten. Auch müssen beurlaubte Soldaten, die einen vorübergehenden oder