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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Die 3spaltige Zeile 3 Sgr.

JK 275. Donnerstag den 27. November. 1873.

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

Die Bekanntmachung vom 14. d. M. Nr. 265 des An­zeigers wird dahin geändert, daß für Hanau zu den Reichstags­wahlen nur 6 Wahlbezirke zu bilden sind.

Ferner werden die betreffenden Ortsvorstände darauf auf­merksam gemacht, daß die Gutsbezirke zu den Wahlbezirken ihrer früheren Gemeinden gehören, also Dottenfelder- und Gronauer- Hof zu Gronau, Kinzigheimer-Hof zu Bruchköbel, Philippsruhe zu Kesselstadt, Rüdigheimer-Hof zu Rüdigheim, Wilhelmsbad und Wilhelmsbader-Hof zu Wachenbuchen, Wolfgang zu Nie­derrodenbach, Beiersröder-Hof zu Marköbel.

Hanau am 25. November 1873.

Tagesschau.

— Berlin, 25. Nov. Erst jetzt erfährt man, daß die Regierung außer den Entwürfen, durch welche ein höchster Ver­waltungsgerichtshof zur Entscheidung von Differenzen zwischen den einzelnen Verwaltungsgerichtshöfen eingesetzt und ferner die Ordnung der Provinzialverwaltung geregelt werden soll, noch einen dritten Gesetzentwurf über die Provinzialfonds vorbereitet, welcher Bestimmungen darüber enthält, welche Verwaltungszweige von der Staatsverwaltung ausgeschieden und auf die Provinzen übertragen werden sollen, also mit einem Worte die Befugnisse der Provinzialvertretung regelt. Wie indeß die „Spen. Ztg." hört, wird dieser Gesetzentwurf in der laufenden Session noch nicht vorgelegt werden können.

— Nach einer Entscheidung des Bundesamtes für das Hei- mathwesen ist ein Armenverband zur Zahlung des Schulgeldes für arme Kinder nicht verpflichtet (der Minister des Innern und der Kultusminister hatten früher die entgegengesetzte Ansicht auf­gestellt, die damit hinfällig wird). Ansprüche der Lehrer auf Zahlung des Armenschulgeldes sind bei den zur Unterhaltung der Schulen an und für sich verpflichteten Verbänden nöthigenfalls im Wege Rechtens geltend zu machen. (Berl. Tagbl.)

— Der Königlichen Eisenbahn-Direktion zu Elberfeld ist für die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft die nachgesuchte Genehmigung zur Anfertigung der generellen Vorarbeiten für eine Eisenbahn vom Bahnhöfe Bismarck der Emscherthalbahn resp, von Recklinghausen über Dorsten und Borken bis zur Lan­desgrenze in der Richtung auf Zütphen ertheilt worden.

— Der Vortrag der Frau Lina Morgenstern im Vereine für Volksküchen zu Berlin vom letzten Donnerstag wird nach dem stenographischen Berichte dieser Tage im Druck erscheinen. Die kleine Brochüre wird jedenfalls das wirksamste Mittel zur Agitation für den „Berliner-Hausfrauen-Verein" bieten, zu wel­chem die Meldungen schon recht zahlreich eingegangen sein sollen.

handelt sich darum, durch gemeinsames Zusammenhalten der Hausfrauen die übermäßig emporgeschraubten Preise der Fleischer u. s. w. auf einen normalen Satz zurückzuführen.

. ~ Das Landgericht zu Trier hatte, nach dem „Berl. Tgbl.", den Pfarrer Jox aus Brockscheid, wegen Vergehen gegen den Kanzelparagraphen zu zwei Monaten Gefängniß' verurtheilt. Hiergegen hatte sowohl die Staatsanwaltichaft wie auch der Ver- urtheilte Berufung eingelegt. Das Appellgericht hat nun dieser Dage das Urtheil erster Instanz dahin resormirt, daß der Be­schuldigte statt der Gefängnißstrafe zwei Monate Festungshaft^

bekam. Derselbe ist auch in die Kosten verurtheilt, welche sich in Folge zahlreich produzirter Entlastungszeugen auf eine be­trächtliche Summe berechnen dürften.

— Dortmund. Die Agitation unter der Casseler Frauen­welt zur Bestimmung von Normalen für die in den letzten Jah­ren ganz unerhört heraufgeschraubten Lebensmittelpreise der Wochenmärkte, Butter, Eier, Gemüse rc., hat in Dortmund ei­nen derartigen Anklang gefunden, daß sich sofort mehrere Dort­munder Hausfrauen an den Vorstand der Casseler Frauen ge­wandt haben, um mit ihnen die Einberufung eines Frauen-Con- gresses zur Feststellung der Preise für die westlichen Provinzen zu berathen. Wie wir aus direkter Quelle erfahren, ist dieser Vorschlag in Cassel mit Jubel ausgenommen worden, und mit Rücksicht auf die Bedeutung Dortmunds für das ganze industrielle Wesen Dortmund selbst zum Ort des (Kongresses erwählt wor­den. Als Tag ist der 7. Dezember festgesetzt. Mehrere der be­deutendsten Städte, wie Essen, Elberfeld, Düsseldorf, Crefeld, haben ihre Theilnahme durch Delegirte zugesagt. Alle Orte, welche in Folge der wachsenden Industrie an Theuerung leiden, werden aufgefordert, sich ebenfalls durch Delegirte zu betheiligen, um den Druck auf die Händier so allgemein wie möglich zu machen.

— Darmstadt, 25. Nov. Der Professor an der poly­technischen Schule zu Karlsruhe, Hofrath Dr. Etienne Laspeyres ist zum ordentlichen Professor der Staats- und Cameral-Wissen- schaften in der philosophischen Fakultät der Landes-Universität mit Wirkung vom 15. März 1874 an ernannt worden.

— München, 24. Novbr. Der Vorschlag der Staatsre­gierung, aus dem Antheil Bayerns an der französischen Kriegs­kosten-Entschädigung 9 Millonen Gulden zur Deckung des Be­darfs für die Einziehung der unverzinslichen Kasfen-Anweisungen bereit zu halten und bei der Königlichen Bank zinsbar anzulegen, wird, nach der „Allg. Ztg.", damit motivirt: daß es nach Art. 18 des Reichsmünzgesetzes vom 9. Juli d. J. Bayern obliege, seine unverzinslichen Kassen-Anweisungen von 21 Millionen Gul­den bis spätestens 1. Januar 1876 einzulösen und hiermit im Jahre 1875 zu beginnen. Nach den wiederholten Verhandlungen im Bundesrath und im Reichsrathe stehe zwar in Aussicht, daß ein Theil der hierzu erforderlichen Mittel im Wege der Emission von Reichspapiergeld werde zur Verfügung gestellt werden, und es dürfte auch auf die Hoffnung nicht verzichtet werden, daß den betheiligten Bundesstaaten noch weitere Erleichterungen in Aus­führung der erwähnten Gesetzesbestimmung zugehen; unter allen Umständen müßte jedoch für geboten erachtet werden, für den bezeichneten Zweck aus den paraten Beständen der Kriegsent­schädigung eine Summe zu reserviren, welche es dem Staat er­mögliche, dem Gesetze nachzukommen, ohne noch im Laufe der nächsten Finanzperiode ein neues Anlehen aufnehmen zu müssen.

—■ Die Stadtverordneten von Insterburg haben beschlossen, sämmtliche Gewerbetreibende der Stadt zwangsweise anzuhalten, ihre Lehrlinge zweimal wöchentlich von 6 bis 8 Uhr Abends und einmal Sonntags von IOV2 bis 12V2 Mittags in die neu einzurichtende Fortbildungsschule zu schicken.

— Das „Genfer Journal" theilt die auf die Münzfrage bezügliche Note mit, welche der schweizerische Gesandte, Hr. Dr. Kern, der französischen Regierung übergeben hat. Der Bundes-