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Freitag den 21. November.
1873.
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Dem Conrad Kropp III. in Kilianstädten ist ein grauer Pudel zugelaufen. Der Eigenthümer kann solchen dort abholen.
Hanau am 20. November 1873.
Dem Fabrikanten Johannes Brüning zu Langendiebach ist ein Metzgerhund von weißer Farbe, langhaarig, mit braungeflecktem Kopf zugelaufen.
Hanau am 13. November 1873.
Tagesschau.
— Der Entwurf, betreffend die Einführung der Civilehe, wird demnächst dem Abgeordnetenhause vorgelegt; die Berathungen im Staatsministerium, welche bald abgeschlossen sein werden, lehnen an den Entwurf an, der im Ministerium vor einigen Jahren schon ausgearbeitet war und bei den Commissionsberathungen über den Antrag Völk-Hinschius im Reichstage bereits zur Sprache und zur Verwendung kam. Die Angabe der Kreuzzeitung, wonach Fürst Bismarck mit der Vorlage des Civil- Ehegesetzes anfänglich nicht einverstanden war, ist richtig, doch hat der Fürst später den Verhältnissen Rechnung getragen und sich mit dem Entwürfe vollständig einverstanden erklärt; letzteres hat die Kreuzzeitung wohlweislich verschwiegen.
— Wagen für Eisenbahnen werden jetzt versuchsweise gebaut, welche bestimmt sind, bei Eisenbahn-Unfällen die ersten Hilfsmittel zur Wiederherstellung eines derangirten oder entgleisten Eisenbahnzuges dazubieten und zur Aufnahme und Transportirung der etwa Verunglückten oder Verwundeten zu dienen. Ein solcher Wagen wird mit einem Krahn versehen, um schwere Lasten heben zu können, wenn das Geleise frei zu machen oder Wagen in dasselbe wieder hinein zu schaffe» sein sollten. Alle bei Unglücksfällen nöthigen Handwerkszeuge, sogar eine Feldschmiede, befinden sich in demselben, sowie ein Coupee zur Unterbringung beschädigter Personen. Dieses hat zu beiden Seiten drei Fenster, ist mit langen Bänken versehen und enthält die nothwendigen Kissen und Matratzen, um für eine Anzahl von Personen die erforderlichen Lagerstätten bereiten zu können. (Trib.)
— Aus Norddeuts chland, 16. Nob., schreibt man dem „Schw. Werk.": Zum ersten Male verlautet in sonst wohlunterrichteten Kreisen, daß der Plan der Tabaksteuer-Erhöhung definitiv aufgegeben worden sei. Dagegen spricht man davon, daß man größere Gerechtigkeit in der Besteuerung einführen wolle, indem statt des Flächenraums des bepflanzten Grundstückes ohne Rücksicht auf den Ertrag das Erzeugniß selbst beziehungsweise dessen Gewrchtsmenge zur Besteuerung gezogen werden soll. Eine rechte Freude herrscht darüber freilich auch nicht, weil man jede Aenderung mit Aengstlichkeit betrachtet und in den Kreisen der Interessenten überall das Gespenst des Monopols sieht.
— Wie mitgetheilt wird, liegt es in der Absicht in Berlin im nächsten Jahre eine internationale Ausstellung für alle Arten von menschlichen Bekleidungsgegensläuden in's Leben zu rufen. Ein Comité für diesen Zweck ist augenblicklich in der Bildung begriffen.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." hat — freilich etwas spät — Näheres über die Rolle entdeckt, die der Erzbischof Graf Ledo-
chowski seiner Zeit jenseits des Oceans gespielt hat. Am Ende der fünfziger Jahre war Graf Ledochowski päpstlicher Nuntius in Columbien. Dort hatte der Ultramontanismus in dem damaligen Präsidenten der Republik einen mächtigen Rückhalt. Aber die Seele der ultramontanen Partei war der Nuntius in Bogota. Ihm nicht am wenigsten war zu verdanken, daß in der Republik Kämpfe entbrannten, an denen sie Jahre lang blutete. Ledochowski soll in diesen Kämpfen durch seine Leitung der papisti- schen Partei den Charakter besonderer Verbitterung aufgedrückt haben. Sie endeten mit dem totalen Siege der antipäpstlichen Partei nnd mit--der unfreiwilligen Abreise des Herrn Nuntius. Es waren nicht Segenswünsche, die dem Grafen Ledochowski von jenseit des Meeres das Geleit gaben. Sollte es, fragt die „N.-Z." mit gutem Fug, unmöglich gewesen sein, diese Information schon damals zu erhalten, als die Regierung den Grafen Ledochowski auf den bischöflichen Thron in Posen berief?
— Die neueste Entscheidung des Reichs-Oberhandelsgerichts in Leipzig lautet: Die Zurücknahme des Strafantrags gegen einen Theilnehmer der strafbaren Handlung setzt bezüglich ihrer Wirkung für die sämmtlichen Angeklagten keine Untersuchung darüber voraus, ob der Antragsberechtigte einen Verzicht auf Strafverfolgung beabsichtigt und genügend erklärt hat.
— Hr. Dr. Ehrhard in Nürnberg hat beim mittelfränkischen Landrath nachstehenden Antrag eingebracht: „Der Landrath wolle beschließen an Se. Majestät den König die Bitte zu richten, dem zur Zeit versammelten Landtag eine Gesetzesvorlage zugehen zu lassen, nach welcher die Kreisgemeinden aus dem an Bayern fallenden Antheil aus der französischen Kriegsentschädigung Stammkapitalien behufs entsprechender Verwendung zu den ihnen obliegenden Aufgaben zugewiesen erhalten." Motive sind:
1) die zunehmende Belastung der Kreisgemeiuden mit Ausgaben;
2) die durch die französische Kriegsentschädigung gebotene Gelegenheit der Hingabe solcher Mittel ohne Ueberbürdung des Staats; 3) das Beispiel anderer Staaten, so insbesondere Preußens UNd Sachsens. (Augsb. Abdztg.)
— Passau, 17. Nov. Gestern Nachts V* nach 10 Uhr wurde Generalmarsch geschlagen, und rückte bald darauf weiteres Militär unter Hauptmaun Reiter nach dem bahr. Walde ab. Die Rinderpest scheint sich immer mehr auszudehnen.
— Aus Posen wird gemeldet, daß die im ersten Stockwerk belegenen Zimmer dem Erzbischof Ledochowski versiegelt worden sind und in Folge dessen derselbe die Parterrewohnung in seinem Palais zu beziehen sich genöthigt gesehen hat. Es ist dies ohne Zweifel die Fortsetzung des Exekutionsverfahrens gegen den Erzbischof. — Gegen die Erklärung Ledochowski'c, daß er sich dem Exekutionsbeamten gegenüber nicht auf „höheren Befehl zum Widerstände" berufen habe, erklärt dieser Beamte, Polizei-Sekretär Stephan, jetzt öffentlich, daß er und der ihn begleitende Beamte sich der Worte des Erzbischofs, die er sofort ausgezeichnet, genau erinnert; der Erzbischof habe Folgendes gesagt:
„Ich habe bereits früher den Herren Gerichtsbeamten erklärt, daß ich in Folge Weisung meines Oberhauptes die mir zuerkannten strafen nicht zahlen kann und darf, und stelle Ihnen anheim, sich aus meiner Behausung ein Exekutionsobjekt zu suchen. Nehmen Sie, was Ihnen gefällt, unten und oben.'