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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correipondenz.

Die Zspaltige Zeile 3 Sgr.

Freitag den 14. November

1873

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

In Gemäßheit des §. 26 ffl. des Gewerbesteuergesetzes vom 30. Mai 1820 soll die Wahl der Einschätzungs-Deputirten und die Veranlagung der Gewerbesteuer auf die Gewerbetrei­benden der zur IV. Gewerbesteuerabtheilung gehörigen Stadt Windecken und der Landgemeinden für das Jahr 1874 und zwar:

Mittwoch den 26. November 1873:

1) für die Klasse 0. (Wirthe), Morgens 9 Uhr,

2) D. (Bäcker), Bormittags 11 Uhr,

Donnerstag den 27. November 1873: 1) für die Klasse E. (Metzger), Morgens 9 Uhr, im landräthlichen Büreau Hierselbst vorgenommen werden, zu welchem Zwecke ich die Herren Bürgermeister des Kreises ver­anlasse, die in ihren Gemeinden befindlichen Wirthe und Bäcker auf den 26. d. M. und die Metzger auf den 27. d. M. unter der Verwarnung vorzuladen, daß im Falle ihres Ausbleibens angenommen werden wird, sie verzichten auf das Wahlrecht, und daß demnächst die Deputirten ex officio ernannt werden würden.

Ueber die erfolgte Vorladung obiger Gewerbetreibenden ist bei Vermeidung portopflichtiger Erinnerung bis spätestens den 24. d. M. Anzeige zu erstatten.

Hanau, den 10. November 1873.

Auf dem Wege von Hanau nach Windecken wurde ein Sack mit 50 Wecken gefunden.

Der Eigenthümer kann sich beim Herrn Bürgermeister in Windecken melden.

Hanau am 12. November 1873.

Gefundene Gegenstände. Zwei Paar Strümpfe. Eine griechische Geschichte. Ein Taschentuch. Ein Portemonnaie. Ein seidenes Tüchelchen. Eine schwarze Schürze. Ein seidenes Halstuch. Eine Kinderschürze. Ein Ohrring. Ein Pantoffel. Ein wollener Kinderschuh. Ein Hobel.

Zugelaufen: Ein Wachtelhund und ein kleines schwarz- weißes Hündchen.

Hanau am 13. November 1873. __________

Tagesschau.

Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: Den General-Feldmarschall Grafen von Roon auf sein Ansnchen von der Stellung als Kriegs-Minister zu entbinden, und den General-Lieutenant Staats-Minister von Kameke, zweiten Chef der Armeeverwaltung, zum Kriegs-Miuister zu ernennen.

(R. u. St. A.)

Ueber die Thronrede bei der Eröffnung des Landta­ges lagt dieTrib.":Zur Befriedigung gereicht es, daß die Thronrede die unverweilte Vorlegung des Berichts der Eisen- bahncommissjon anzeigt und zugleich auch die Gewißheit oer- schapr, daß die Verhandlungen dieser Commission nicht blos rnsormatorrsMn Zwecken dienen sollen und im Sande verlaufen werden, sondern zur Erkenntniß von Uebelständen geführt ha- ven, deren Abstellung man mit Entschiedenheit in's Auge ge­faßt hat. Nachdem sodann der Entwürfe einer Vormund­

schaftsordnung, eines Expropriationsgesetzes und einer Reform der höheren Gemeindeverwaltung (Verwaltungsgerichtshof) Er­wähnung geschehen, gelangt die Thronrede zu den brennenden Punkten der Situation, dem Conflict mit der römischen Hie­rarchie. Der Ausgangspunkt über diesen Passus ist dem Wider­stände der Bischöfe gegen die Maigesetze entnommen und ohne über die weiteren Maßregeln im Einzelnen sich auszulassen, be­nutzt die Regierung diese Gelegenheit, um mit Entschiedenheit den Wahn zu zerstreuen, als könne sie durch den Ungehorsam der Priester auf ihrem Wege auch nur einen Augenblick beirrt werden. Ruhig und beharrlich wird sie fortschreiten auf der einmal als richtig erkannten Bahn undalle weiter erforderliche Schritte rechtzeitig folgen lassen, um die ihrer Obhut anver­trauten Interessen vor Schädigung zu wahren." Welch' eine Fülle von Vorlagen kann in diesem einen Satze verborgen sein. Hoffen wir, daß ihm zuerst der Civilehegesetzentwurf entsteige/ dessen ausdrückliche Ankündigung man eigentlich schon in der Thronrede erwartet hatte und der die Bestimmung hat, einem wirklichen Nothstände abzuhelfen.

Die Staatsregierung macht sich am Schluffe ihrer Kund­gebung durchaus keine Illusionen über die Temperatur, in wel­cher die Verhandlungen der begonnenen Session werden geführt werden; sie siehtneue lebhafte Kämpfe" klar voraus, schöpft aber ihre Hoffnung aus der Vorgeschichte Preußens und der parlamentarischen Geschichte der letzten Jahre, in denen ihr die Gemeinschaft der Landesvertretung in Fällen dringender Noth niemals gefehlt habe. Die hierin ausgesprochene Erwartung wird sicher nicht trügen, um so weniger aber darf die Regie­rung vergessen, daß die Hauptbedingungen für die siegreiche Durchführung des Kampfes sich in ihren Händen befinden, daß es vor Allem des rechtzeitigen Eintretens mit den richtigen ge­setzgeberischen Maßregeln bedarf, um gemeinsam mit der über­wiegenden Mehrheit des Volkes des fruchtbringenden Sieges über die Feinde der Wahrheit und des Lichtes sicher zu sein.

Die Berliner juristische Gesellschaft wird, nach dem Berl. Tagl.", den Tag, an welchem der Bundesrath die Her­stellung der Rechtsgleichheit in Deutschland beschließen wird was in etwa 14 Tagen der Fall sein kann dadurch feiern, daß sie einen Vortrag des Abgeordneten Lasker über die nächsten Zielpunkte, die sich aus diesem Bundesrathsbeschluß ergeben, entgegennehmen wird. Dr. Lasker hat sich dazu bereit erklärt, und die juristische Gesellschaft wird die juristischen Mitglieder des Abgeordnetenhauses dazu einladen.

Berlin, 13. Nov. Das Haus der Abgeordneten hat im weiteren Verlauf seiner gestrigen ersten Sitzung keinen andern Akt vollziehen können, als die Verloosung seiner Mitglieder in die Abtheilungen. Dieselbe stellt heraus, daß sich während der Sitzung die Zahl der Anwesenden von 300 auf 306 vermehrt hatte. Die Atheilungen werden zunächst die Wahlakten zu prü­fen haben, deren bis zum Beginn der gestrigen Sitzung aller­dings erst 66 eingegangen waren. Eine sehr rasche Vermehrung des die Wahlprüfungen betreffenden Materials ist aber im Laufe der nächsten zwei Tage zu erwarten, so daß die Abtheilungen heute und morgen hinlänglich beschäftigt sein werden, und in der zweiten Plenarsitzung, Freitag 1 Uhr, die Berichterstattung über die Wahlprüfungen ihren Anfang nehmen kann.