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gegen die Regierung nach direkt aus Rom erhalteneu Weisungen handelt. Der Erzbischof wies nämlich die vor der Vollstreckung der Exekution nochmals an ihn gerichtete Zahlungsaufforderung mit der Erklärung zurück, daß er den Befehlen seiner vorgesetzten Kirchenbehörde Folge leisten müsse.
— Metz, 6. Nov. Die Entwickelung des Bazaine'schen Prozesses, namentlich die für den Angeklagten oft nichts weniger als gravirenden Zeugenaussagen, regen die Gemüther unserer eingeborenen Landsleute außerordentlich auf. Leute, welche auf dem fubjektiv-leidenschaftlichen Standtpunkte des Berichterstatters Rivière stehen, und ihrer ist noch die Mehrzahl, sind unglücklich bei dem Gedanken einer möglichen Freisprechung. Vielleicht Niemand in ganz Frankreich und in Elsaß-Lothringen ist mehr überzeugt, daß nur Verrath die Niederlagen Frankreichs herbeigeführt habe, als nufere Metzer. Man darf nur hören, mit welcher innerlichen Lust und Freude Alt und Jung von dem einzigen Baume, der vor dem ehemaligen Hauptquartier Bazaine's in Ban- St.-Martin stehen geblieben ist, sich erzählen: „Dieser Baum ist für Bazaine aufbewahrt." — Von diesem Hasse frei und ruhig den Werth der einzelnen im Prozesse zu Tage tretenden Thatsachen bemessend ist nur eine kleine Anzahl der Bevölkerung. Deßhalb war es Ihrem Korrespondenten sehr erfreulich, auch ein solches Urtheil zu vernehmen, und er steht nicht an, dasselbe zu veröffentlichen. „Der erste Fehler, den man in diesem Prozesse machte", sagt der betreffende Gewährsmann, „war die Ernennung eines dem Angeschuldigten schon seit früher Zeit persönlich verfeindeten Mannes als Berichterstatter, d. h. Untersuchungsrichter. Die Folge dieses Fehlers war der Umstand daß bei der Prüfung der Frage, ob Verweisung vor ein Kriegsgericht oder nicht — abgesehen von etwaigen politischen Motiven — kein objektiv richtiges Bild als Grundlage diente. Wollte man in Frankreich für jede Schlappe noch einen Prügeljungen haben, so hätte man vor Allem auch deu dermaligen Präsidenten der Republik nicht frei laufen laffen, geschweige ihm die Leitung eines großen Staatswesens anvertrauen sollen. Eine oder zwei Schlachten konnte Mac Mahon verlieren; daß aber einem Marschall von Frankreich die Wichtigkeit der Vogesentunnels zwischen Zabern und Saarburg entgehen konnte, die jeder „Maréchal de Jogis“ in der Armee wenigstens beim Durchfahren erkennen muß, das ist ein unverzeihbarer Fehler. Von dem Sprengen des großen Lützelburger Tunnels, über den noch dazu der Rhein- Marne-Kanal fließt, was die Zerstörung sehr erleichtert hätte, hingen die späteren Folgen des Krieges gerade so viel oder vielleicht mehr ab, als von der schließlichen Kapitulation der Rheinarmee." — Eine solche Auffassung aus französischem Mund war uns neu. Wenn unter den Richtern des Kriegsgerichts in Tri a- non auch eine solche Anschauung Platz greifen würde, mit welchen Gefühlen müßten sie dann an einen Urtheilsspruch gehen, dessen eventuelle Bestätigung einem Manne obliegt, der zwar ein „loyaler" Soldat sein kann, dessen Befähigung als Heerführer aber fo großen und berechtigten Zweifeln unterliegt? Karlsr. Ztg.
— Bern, 9. Nov. Nach einer Meldung aus Pruntrut im Berner Jura, wo heute die Jnstallirung des neuen Pfarrers in Gegenwart der Regieruugsräthe Bodenheimer und Frossard stattfindet, ist dort ein neuer Kirchenrath eingesetzt worden und die Verhaftung des bisherigen Kirchenraths, welcher die Herausgabe der Kirchenschlüssel verweigerte, von den Regiernngskvm- mifsarien angeordnet, falls derselbe auf dieser Weigerung beharren sollte. Da einige tumultuarische Auftritte stattgefunden haben, hat der Statthalter durch einen Erlaß im Falle weiterer Unruhen den Tumultuanten sofortige Verhaftung augedroht und ein Halbbataillon aufgeboten, welches größtentheils bei ultramontanen Bürgern einquartiert worden ist. Von einer Anzahl ul- tramontaner Mitglieder der Bundesversammlung ist beim Bun- dcèralhe wegen dieser Verfügungen der Statthalterei des Berner Jura bereits Reklamation erhoben worden.
— Paris, 8. Nov. Heute Morgen hat ein Ministerrath stattgefunden, in welchem fämmtliche Minister ihre Entlassung einreichten. Der Marschall-Präsident weigerte sich indessen das Ministerium, welches sein Vertrauen besäße, schon jetzt aufzulösen. Dennoch gilt es, wie die „Agence Havas" erfährt, als
feststehend, daß die Minister nach der Abstimmung über den Antrag Changarnier ihre Portefeuilles Niederlagen werden. Der Marschall-Präsident wird am Montag der Sitzung der Kommission für diesen Antrag beiwohnen, um seine Ansichten über denselben zu äußern. — 9. Nov. Der „Bien Public" bringt einen Artikel, welcher die allgemeine Volksabstimmung über die Frage der Verlängerung der Amtsdauer des Marschalls Mac Mahon befürwortet. In demselben heißt es, da die gegenwärtige politische Lage eine revolutionäre sei, sei auch eine revolutionäre Lösung derselben erforderlich. Die noch immer fortdauernde Verschwörung gegen die Rechte der Nation unb gegen das allgemeine Stimmrecht habe eine unwiderstehliche Bewegung hervorgerufen, welche eine Berufung an das Volk und eine allgemeine Abstimmung desselben verlange und dieselbe dringend nothwendig erscheinen lasse. — Heute berieth die Linke über den Antrag einer Berufung an das Volk. Der Antrag wurde von der einen Seite heftig angegriffen, von der anderen eben so warm befürwortet; zu einem Fraktionsbeschluß über denselben ist es noch nicht gekommen. (R. u. St. A.)
— Ein furchtbares Unglück ereignete sich am Dienstag in dem Londoner Stadtbezirke Lambeth und acht Menschenleben sind durch dasselbe umgekommen. In einer Feuerwerkerstube explodirte der Pulvervorrath, der Feuerwerker, welcher gerade bei der Arbeit war, wurde todt zum Fenster hinaus auf die Straße geschleudert, unb als man nach der Ueberwältigung der durch die Explosion entstandenen Feuersbrunst Zutritt in das Haus gewann, fand man daselbst die verkohlten Leichen von drei Frauen und vier Kadern.
— Madrid, 9. November. Mittheilungen, welche von der Regierung verbreitet werden, widersprechen den carlistischen Quellen entstammenden Nachrichten über das letzte Treffen zwischen Miranda und Tafala in Navarra, bei welchem Moriones gefangen und Primo die Rivera gefallen fein sollte. Die Ope- ration hätte sich darnach auf eine bis Acros ausgedehnte Re- kognoszirung des Hauptquartiers beschränkt, welche nach einem von letzterem Orte aus heute vom General Moriones selbst an die Regierung gerichteten Telegramm vollständig und ohne daß man auf erheblichen Widerstand gestoßen wäre, gelungen wäre. Der General Primo de Rivera sei nach einer heute von ihm eingetroffenen Meldung nicht einmal verwundet, geschweige denn gefallen. — Das Ausbleiben weiterer Nachrichten vvn carlistischer Seite über den angeblichen Sieg sieht die Regierung als eine Bestätigung dieser Meldnngen an.
— (Falsches Papiergeld.) Es sind fasche Zehnthalerscheine der Bückeburger Bank mit der Jahreszahl 1856 in Umlauf. Dieselben sind sofort kenntlich an dem auffallend schwarzen Druck und an den verwischten Schriftzügen. Die ächten sind in Buchdruck, während die gefälschten auf lithographischem Wege hergestellt sind.
— Falsche Noten der Geraer Bank. Es haben sich vor einigen Tagen Falsifikate von 10 Thaler Noten der Gerauer- Bank" gezeigt, die am leichtesten von den echten auf der Rückseite zu unterscheiden und als falsch zu erkennen find, und zwar an folgenden prägnanten Kennzeichen auf der Rückseite: 1) Der Löwe im Wappen hat auf den echten Noten zwei Haarbüschel am Schweife, „auf den falschen nur einen". 2) Der Löwe im Piedestal links ist überall bei den echten Noten gut schattirt, „auf den falschen fehlt die Schattirung gänzlich am Kopf und Vordertatzen des Löwen". Viele andere Kennzeichen sind weniger auffällig; die oben angegebenen aber sofort mit unbewaffnetem Auge erkennbar.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 10. November aus Frankfurt a. M.: In der Wirthschaft zum Storch geriethen Samstag spä" ‘"'s zwei Malergehülfen in Streit, wobei der eine ]einem Wrder;acher mit einem blank gezogenen Stockdegen zu Leide ging, ihm verschiedene Wunden beibrachte und den klei- nen Finger der einen Hand fast vollständig abschnitt, so daß von dem herbeigerufenen Chirurgen die Abnahme desselben erfolgen mußte. Der Thäter stellte sich selbst der Polizei und wurde verhaftet. Der Verwundete, welcher in das heilige Geisthospital