Einzelbild herunterladen
 

Abonnements-

Preis (incl. Stempel)

Jährlich 3 Thlr.

Halbj. Thlr. 1. 15.

Vierteljährlich 22 Sgr. 6 Pf. Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffen­

den Postaufschlag.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Die einzelne Num­mer 1 Sgr.

Insertions- Preis:

Die ispaltige Garmondzeile od deren Raum

1 Sgr.

Die 2spalt. Zeile 2 Sgr.

Die3spaltigeZeiLs 3 Sgr.

M 260. Montag den 10. November. 1873.

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

Herr I C. V i e l dahier erhielt Gestattung zur Ue­bernahme einer Unteragentur zur Vermittelung des Transports von Auswanderern nach Australien und Amerika über Hamburg mit Ausnahme von Brasilien und Peru für den Kreis Hanau.

Derselbe wirkt als Unteragent für den Hauptagenten Chr. Emil D e r s ch o w in Frankfurt a. M. und zwar für den Schiffsexpedient F. W. Weselmann, in Firma Weselmann u. Comp. in Hamburg.

Hanau am 6. November 1873.

Tagesschau.

Die Aufhebung des Chausseegeldes gehört seit langer Zeit zu den, man darf sagen berechtigten Wünschen der libera­len Parteien. Es ist nach dieser Richtung hin ja auch ein An­trag vom Abgeordnetenhause angenommen worden, von dem man indessen weitere Folgen nicht erfahren hat. Wie man hörfi fin­den indessen über diesen Gegenstand Verhandlungen im Finanz­ministerium statt, und es ist nur zu wünschen, daß man sich bei der günstigen Finanzlage des Staates endlich entschließe, diese Steuererleichterung herbeizuführen.

Dem Otto Trossin zu Berlin ist unter dem 6. Novem­ber d. J. ein Patent auf ein Schmiermaterial für Maschinen, welche mit stark überhitztem Dampfe arbeiten, auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.

München, 6. Novbr. Die neugebildete Fraktion der freien Vereinigung" hält zwanglose Zusammenkünfte in einem Zimmer des Museumsgebäudes und besteht aus Appellrath Gürster, Magistrathsrath Kastner, Bezirksamtmann Meier, Bürgermeister Prestele, Dr. Schleich und Professor Sepp. Trotzdem sonach diese Fraktion vorerst nur 6 Mitglieder zählt, ist sie bei den obwaltenden Parteiverhältnissen dennoch von großer Bedeutung, weil sie bei vielen Abstimmungen den Ausschlag geben kann. Es dürften deßhalb folgende Notizen nicht ohne Interesse sein. Die freie Vereinigung wünschte von vornherein den allgemein geach­teten Freiherrn v. Ow, sowie den zweiten Sekretär, Landrichter Eder, auf ihren Plätzen zu erhalten. Im Uebrigen hielt sie für unumgänglich nothwendig, die Leistungsfähigkeit des Direktoriums durch neue Kräfte aufzufrischen. Auf alle Fälle glaubte die kleine Fraktion von einer Wiederwahl des Dr. Jörg absehen zu müssen, den sie eben als den Hauptvertreter derjenigen Richtung betrachtet, welche das kleine Häuflein von dem Gros derPa­trioten" längst getrennt hat. Dr. Jörg verkörpert die römische Politik im großen Styl, die mit irgend einem Partikularismus gar nichts zu thun hat, und auch nach Ueberzeugung derfreien Vereinigung" vom wahren bayerischen Patriotismus abgeschüttelt werden muß. Die Linke, vor Allem Freiherr von Stauffenberg selbst, war in nobelster Weise bereit, den eigenthümlichen Par­teiverhältnissen unserer Volksvertretung Rechnung zu tragen, als der auf Einladung bei Dr. Marquardsen erschienene Herr Jörg plötzlich erklärte, seine Freunde hätten beschlossen, sich auf kei­nerleigemischtes Direktorium" einzulassen. Ein nahezu unsin­niger Entschluß. Die Verwaltung eines in zwei gleiche sich widersprechende Hälften getheilten Körpers muß gemischt sein, wenn sie einigermaßen ersprießlich wirken soll. Uebrigens ifv

dadurch erreicht, daß der zweite Sekretär nicht allein vom Schau­platz verschwindet. Auf die besonneneren Mitglieder der Rechten machte das Resultat einen deprimirenden Eindruck, sie sehen ein, daß wieder einmal ein Fehler gemacht wurde, über den man selbst in ultramontanen Gegenden herbe Kritik üben dürfte. Die ex-patriotische Partei hat denn auch erklärt, daß sie bei den Aus­schußwahlen zu Kompromissen geneigt sei und hier ingemisch­ter" Gesellschaft sitzen wolle. (Augsb. Wdztg.)

München, 7. Nov. Welche Bedeutung die neugebil­dete Fraktion, die freie Vereinigung, in der Kammer der Abge­ordneten hat, das wird sich auch morgen wieder zeigen, denn es hängt von den 6 Mitgliedern derselben ab, ob der Antrag der Abgg. Dr. Völk und Herz auf Zustimmung Bayerns zu dem, die gemeinsame Gesetzgebung über das gesammte bürgerliche Recht betreffenden Beschluß des Reichstages, zur Annahme gelangen wird. Die Herren der freien Vereinigung werden über die mor­gige Abstimmung erst heute Abends berathen und Beschluß fassen. Die patriotische Fraktion will in ihrer Gesammtheit gegen den Antrag stimmen. Wie wir heute vernehmen, soll der in den letzten Tagen des Jahres neu zu wählende Reichstag schon in der zweiten Hälfte des Januar zu seiner ersten Saison einbe­rufen werden.

München, 7. Nov. Die Kammer der Reichsräthe hat den Freiherrn von Schrenk zum zweiten Präsidenten, Niethammer und den Grafen Lerchenfeld zu Sekretären gewählt.

Ma inz, 7. Nov. In heutiger Sitzung Großh. Be­zirksgerichts erfolgte der Urtheilsspruch in dem Prozesse des Dom- capitulars Dr. Moufang gegen Pfarrer Dr. Krumm wegen dessen Ausspruchs, daß das Lehrbuch des Jesuiten Gury eineSpitz­bubenmoral" enthalte, indem der Angeklagte freigesprochen wurde unter Verurtheilung des Klägers in sämmtliche Kosten.

(Mannh. Tagbl.)

Mannheim. Der zweite Guß der großen, 500 Centner schweren, für den Kölner Dom bestimmten Kaiserglocke soll am 11. dieses Monats im Gießhause des Herrn Andr. Hamm zu Frankenthal vorgenommen werden. Der erste Guß ist deshalb mißlungen, weil auf die große Kraft der durch eine gewaltige Hitze expanirten eingezwängten Luft nicht die erforder­liche Rücksicht genommen war. Die neue Form ist vollendet u. Alles ist zum Guß bereit. Der Meister lebt der festen Zuver­sicht, daß der Guß jetzt recht gut gelingen wird und daß npch vor Beginn des Winters die Glocke an ihrem Bestimmungsort gebracht werden kann.

Wien, 6. Nov. Die städtische Buchhaltung hat das Budget der Stadt Wien für 1874 dem Magistrat vorgelegt. Nach der buchhalterischen Einstellung beziffern sich die Einnah­men (in runder Summe) mit 10 Millionen, die Ausgaben be­laufen sich auf ca. 13 Millionen Gulden, so zwar, daß ein Ab­gang von 3 Millionen Gulden, der auf den Konto der Welt­ausstellung zu setzen ist, noch zu decken wäre. Die Lustrirungs- kommission des Magistrats hat unter dem Vorsitze des Ma­gistrats-Direktors Grohmann bereits Abstriche an Posten vorge­nommen, wo die Ausführung sich minder nothwendig herausge­stellt hat.

Gleichzeitig mit der französischen Nationalversammlung ist der österreichische Reichsrath durch den Kaiser in Person er-