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^256.

Mittwoch den 5. November.

1873.

Tagesschau.

— Der „R. u. St.-A." Nr. 260 enthält die Verordnung wegen Einberufung der beiden Häuser des Landtages der Mo­narchie auf den 12. d. M.

— Berlin, 3. Nov. Das Reichseisenbahn-Amt gedenkt den ganzen Abschnitt des Handelsgesetzbuchs, das sich aus die Eisenbahngesetzgebung bezieht, umzugestalten. Die österreichische Regierung hat mehrere Beamte hierher geschickt, um von dem im Reichseisenbahn-Amt ausgearbeiteten neuen Beriebsreglement Kenntniß zu nehmen. Diese Beamte haben einige Abänderungen vorgeschlagen und da das Reichseisenbahn-Amt dieselben annehm­bar befunden hat, so wird die neue Eisenbahngesetzgebung ver­muthlich auch in Oesterreich-Ungarn eingeführt werden, sofern die betreffenden Parlamente ihre Zustimmung dazu geben. Bcn. TaM.

— Die berl. „Trib." sagt in ihrer Tagesschau, nachdem sie die französischen Wirren besprochen, weiter: Dieser unbe­stimmten, fast abenteuerlichen Zukunft gegenüber, welcher wir unsere Nachbarn im Westen entgegengehen sehen, macht die ste­tigen Schritts vorschreitende und innerlich erstarkende Einheit des deutschen Reiches einen wohlthuenden Eindruck. Eine wich­tige Etappe stehen wir im Begriff in dem Augenblick zu errei­chen, in welchem die Oberleitung der Preußifchen Angelegenhei­ten in die Hände des deutschen Kanzlers zurückgelangt, der sicher­lich die alte Bürde nicht eher zurückzunehmen bereit gewesen sein wird, als bis ihm bestimmte, den Interessen des Reiches zu Gute kommende Bedingungen gewährt worden sind. Die Zwischen­zeit hat dazu gedient, die widerstrebenden Elemente gefügig zu machen. Man kann diesen Erfolg nicht hoch genug anschlagen — so in Preußen, wie überall im Reich, mit Einschluß Bayerns, dessen König soeben wieder einmal durch eine Ansprache ge­glänzt hat, in der er sich über die zunehmende preußische Ge­sinnung in einzelnen Theilen seines Landes beklagt. Der Mo­narch erinnerte daran, daß die von ihm bezahlten Beamten nur ihm Treue und Gehorsam schulden und daß man in Bayern nur einen Fürsten habe, — aber „einen Fürsten" so setzen wir hinzu, „der dem Könige von Preußen die deutsche Kaiserwürde antrug und dessen Unterthanen, bezahlte oder unbezahlte, man daher milder beurtheilen sollte, wenn sie außer ihrem Landes­fürsten auch dem Reichsoberhaupte Treue und Gehorsam schuldig zu sein glauben.

— Die Adressen, welche dem Kaiser Glückwunsch und Zu­stimmung zu der Beantwortung des Papstbriefes aussprechen, vermehren sich aus allen Theilen der Monarchie mit jedem Tage. Der Mißmuth der „Germania" über diese Erscheinung vermag keinen Einfluß auf die Strömung auszuüben, welche ihr zu Grunde liegt. Inzwischen wird die Nachricht verbreitet, es sei ein zweiter Papstbrief an den Kaiser eingegangen. Wir ha­ben Grund diese Angabe zu bezweifeln und sind überzeugt, daß, wenn sie richtig wäre, die Organe der ultramontanen Presse ge­wiß nicht anstehen würden, den Wortlaut zu veröffentlichen.

— Wie man der „Allg. Z." mittheilt, hat Se. Maj. der König v. Bayern die Kommission, welche von dem k. Kultusministerium zur Berathung der Anerkennungsfrage des Bischofs Reinkens in Vor- Ichlag gebracht wurde, in diesen Tagen bestätigt. Dieselbe besteht aus dem Reichsrath und t Oberappellationsgerichtspräsidenten Ludwig v. Neumayr, dem Rcichsrath und k. Universitätsprofessor

Dr. v. Pözl, dem Appellationsgerichtsdirektor v. Kleinschrod, dem kgl. Hofrath und Universitätsprofessor Dr. Joseph v. Held und dem k. Universitätsprofessor Dr. Karl Edel. Nachdem eine be­zügliche Eingabe der bayerischen Altkatholiken an das Kultus­ministerium bereits erfolgt ist, so werden die genannten Kom­missionsmitglieder, welchen in jeder Beziehung das vollste Ver­trauen entgegen gebracht werden kann, demnächst au ihre Auf­gabe gehen.

— Pforzheim, 3. Nov. In Buchenbronn wurde gestern ein Eisenbahnarbeiter (Italiener) vermuthlich durch seine Kame­raden ermordet. Die flüchtigen Thäter werden verfolgt.

— Murnau, 1. Nov. In wie weit die vom „Bayerischen Kurier" verbreitete Nachricht über den Wortlaut der Garmischer Unterredung auf Wahrheit beruht, können wir nicht wissen. Ei­nes aber, was in der ganzen Gegend bekannt ist, können wir Ihnen mittheilen und wollen es um so weniger verschweigen, als es mit zur Beleuchtung der phrasenseligen und mit der älteren Geschichte von Bayern auf sehr gespanntem Fuße lebenden Fest­rede dient, welche bei der Enthüllung des Denkmales gehalten wurde und den Anlaß zur fraglichen Unterredung gegeben hat. Die Gründer des Garmischer Denkmals hatten sich ursprünglich um eine Unterstützung an den deutschen Kaiser gewendet und erst, als diese nicht gewährt wurde, ist der Beschluß gefaßt wor­den: bei der Enthüllungsfeier des Denkmales weder des Kaisers noch des Reiches zu gedenken. Hienach kann sich Jedermann ein Bild von dieser Art des Patriotismus machen!

— Biel, 3. Nov. Die hiesige katholische Kirchengemeinde hat einstimmig beschlossen, die Lehre des Unfehlbarkeitsdogmas in Kirche und Schule zu verbieten und einen neuen Kirchenge­meinderath gewählt. Die ultramontanen Mitglieder der Ge­meinde enthielten sich der Wahl.

— Paris, 4. Nov., Morgens. Der Marschall-Präsident hat gestern außer der Deputation der Rechten auch Casimir Pa­rier empfangen, der Namens des linken Centrums die Versiche­rung abgab, daß dasselbe dem Anträge auf Verlängerung der Gewalten des Marschalls zwar zustimmen werde, gleichzeitig aber auf definitiver Organisirung der republikanischen Regierung be­stehen müsse. Dem Vernehmen nach hätte der Marschall erwi­dert, er sei gleichfalls der Ansicht, daß die Regierung auf ande­ren, als den bisherigen provisorischen Grundlagen organisirt werden müsse. (R. u. et a.)

— Trianon, 3. Novbr. Prozeß Bazaine. Die heutige Verhandlung war ziemlich erregt und betraf wesentlich die Frage, ob der Marschall Mac Mahon die wichtigen Depeschen Bazaine's vom 20. August erhalten habe, in welchen letzterer meldete, daß er in der Nähe von Metz Stellung genommen habe und beab­sichtige, den Weg nach Norden zu nehmen, wovon er dem Mar­schall weitere Nachricht zukommen lassen werde. Von dem Mar­schall Mac Mahon lag eine schriftliche Deposition vor, nach de­ren Inhalte derselbe die fraglichen Depeschen nicht erhalten ha­ben will. Hiermit stimmten auch die Angaben, welche der Oberst Dabzac vom Generalstabe Mac Mahons machte, überein. Andere über diesen Punkt vernommene Zeugen sagten dagegen aus, daß sie die Depeschen dem Obersten Dabzac und dem Baron Stoffel übergeben hätten, und blieben auch bei einer zwischen ihnen und dem Obersten Dabzac vorgenommenen Konfrontation bei dieser