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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Die sipaltige Zeile 3 Sgr.
Dienstag den 4. November
1873.
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Für den Handlungskommis Johann Christian Wilhelm Heinrich Boos zu Bockenheim, geboren am 8. Februar 1857, welcher nach Amerika auswandern will, ist um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanenverband nachgesucht worden.
Hanau am 27. Oktober 1873.
Gefundene Gegenstände. Ein Packet Tabak. Ein weißes Taschentuch. Der vordere Theil eines Kochofens. Drei seidene Tüchelchen. Ein Strumpf. Ein leinenes Taschentuch. Ein Portemonnaie mit 3 fl. 4^2 kr. Ein Paar Kinderschuhe. Eine Mütze. Ein Medaillon. Ein Taschentüchelchen. Ein unächter Ring. Ein schwarzes Tuch. Eine Schleife. Ein Portemonnaie mit 6 kr. Eine Brieftasche mit verschiedenen Gegenständen. Ein Handtuch. Ein Taschentuch mit 1 fl. Ein Kinderhandschuh. Ein Portemonnaie mit 21 kr. Zwei Messer. Ein leinenes Taschentuch. Eine Gurte.
Zugelaufen. Ein Pudel.
Verlorene Gegenstände. 10 fl. Ein Portemonnaie mit 32 fl. Eine goldene Broche.
Entlaufen. Ein Schwein.
Hanau am 3. November 1873.
Tagesschau.
— Gegen die Wohnungsnoth der Landtagsmitglieder hat sich im vorigen Jahre die Einrichtung recht wirksam erwiesen, daß Meldungen von Vermiethern in dem Bureau des Abgeordnetenhauses angenommen wurden. Es soll daher in diesem Jahre ebenso verfahren werden, zumal, da aus freien Stücken bereits eine ganze Anzahl von Wohnungsmeldungen bei dem Bureau des Abgeordnetenhauses eingelaufen sind. Hierbei möchten wir auch noch eine andere Angelegenheit in Erinnerung bringen. Es ist nämlich nur sehr wenig bekannt, in welcher Weise die stenographischen Berichte der Landtagsverhandlungen zu beziehen sind. Selbst von Behörden ergehen nach dieser Richtung hin Anfragen. Dem gegenüber ist zu bemerken, daß die stenographischen Berichte wie jede Zeitung auf jedem Postamte bestellt werden können.
— Dem Marquis Enrica Centurioni ist Namens des Deutschen Reichs das Exequatur als Königlich italienischer Ge- neral-Konsul in Frankfurt a. M. ertheilt worden.
— Metz, 27. Okt. Heute ist der Jahrestrag der Kapitulation von Metz. An diesem gewiß denkwürdigen Tage, an welchem die stärkste Festung des Feindes nebst einer großen Armee in die Gewalt der Deutschen kam und von welchem sich die fak- ^siche Besitznahme von Lothringen her datirt, ist gewiß eine kurze Vergleichung der damaligen und der jetzigen Zustände der Stadt und deren Umgebung am Platze. Damals lagen viele der um Metz liegenden Dorfschaften und Gehöfte, um deren Besitz wechselweise gekämpft wurde, ganz oder theilweise in Asche. Die Obstpflan- zungen waren den Befestigungsarbeiten der Belagerten, sowie
Bivouaks der Belagerer zu Tausenden zum Opfer gefallen, die Felder waren zerstampft, die Weinberge ruinirt, die Straßen migangbar, die Bedürfnisse der Truppen, noch mehr aber die Rinderpest hatten den Viehstand dezimirt. In unmittelbarer ->cahe der Stadt waren Tausende von Menschen und Thieren nur oberflächlich begraben und drohten die Luft zu verpesten.
Gewerbe und Handel lagen völlig darnieder. Alle öffentlichen Anstalten waren geschlossen. Wie ganz anders sieht es heute aus! Zwar sind noch nicht alle Wunden geheilt, die der Krieg, der hier übler als irgendwo hauste, schlug, aber was die Regierung in der kurzen Frist von 3 Jahren zur Heilung derselben beitragen konnte, ist geschehen. Die zerstörten Dörfer sind vollständig wieder aufgebaut, und zwar in Folge der reichlichen Kriegsentschädigungen schöner als zuvor. Ueberall hat man die umgehauenen Baumpflanzungen durch neue ersetzt, die Felder und Weinberge, deren Erzeugnisse gegenwärtig einen höhern Werth haben, als unter französischer Herrschaft, sind sorgfältiger angebaut als früher, und auch der Viehstand ist zahlreicher und schöner. Die in ihrer Art einzig dastehende großartige Desinfizirung des Bodens hat auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung den günstigsten Einfluß geübt. Während das Jahr 1870 ein die Durchschnittsziffer um das Dreifache und 1871 um ein Drittel übersteigende Sterblichkeit zeigte, brachte das letzte Jahr schon wieder ganz normale Ziffern. Gewerbe und Handel haben sich zwar noch nicht ganz erholt, beginnen aber doch in Folge neu- gefnndener Absatzquellen sich zu heben. Ferner wurden eine Menge neuer Anstalten gegründet oder bereits bestehende vergrößert. Alle Zweige der Verwaltung gehen ihren ruhigen und geordneten Gang wie nur je in französischen Zeiten. Faßt man dies alles zusammen, so wird der unbefangene Beobachter der Regierung seine Anerkennung nicht versagen können und zugeben müssen, daß sie mit Befriedigung auf ihr nunmehr dreijähriges Wirken zurückblicken kann. (SOw. Merk.)
— Wien, 2. Nov. Die Weltausstellung ist heute 4 Uhr geschlossen worden. Das prachtvolle Wetter hatte eine ungeheure Menschenmenge herbeigezogen; besondere Feierlichkeiten fanden nicht statt. Um 4 Uhr läuteten die Glocken des Jndustriege- bäudes, die Orgeln spielten, das Nebelhorn blies Retraite und vier Musikcorps spielten die Nationalhymne, zum Schluffe erschollen Hochrufe des Publikums. «. Z.
— London, 2. Nov. Es sind große Volksversammlungen gleichzeitig in London, Edinburg und Dublin in Aussicht genommen, um die Sympathie des britischen Volkes mit den deutschen Protestanten im Kampfe mit dem Ultramontanismus auszudrücken; den Anstoß geben Mitglieder der Low Church.
— Madrid, 1. November. Nach aus Karthagena eingetroffenen Nachrichten herrscht daselbst große Aufregung, hervorgerufen durch den Versuch, die Junta zu ändern, — Die Insurgenten haben den griechischen Vize-Konsul und einen deutschen Unterthanen, Namens Girard, welcher der Spionage beschuldigt war, verhaftet. Derselbe hat die Intervention des deutschen Konsuls in Anspruch genommen. — Die Demoralisation und der Mangel der Disziplin find auf ihrem Gipfel. Die Galeerensklaven überwachen sehr aufmerksam die Führer der Bewegung, weil sie fürchten, von ihnen verlassen zu werden.
— St. Petersburg, 1. Nov. Ueber den Mangel an Offizieren in der russischen Armee berichtet die „R. S. P. Z", daß an dem etatmäßigen Bestände gegen 6000 Offiziere fehlen. In den letzten Jahren betrug der jährliche Abgang an Offizieren durchschnittlich 2800, der Zugang dagegen nur 2200.
(Die Tagesschau folgt auf Seite 1162 weiter.)