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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Dienstag den 28. Oktober.

1873.

Tagesschau.

B erlin, 27. Okt. DieNordd. Allgem. Ztg." erörtert den Anspruch des Papstes, daß alle Getauften ihm an­gehören, mit Anführung geschichtlicher Thatsachen, wodurch er seit drei Jahrhunderten unpraktisch geworden sei. Der An­spruch wäre heute noch praktisch, wenn nicht deutsche Gesetzge­bung, wogegen die Päpste pets protestirten, dafür gesorgt hätte, daß aus den Principien des Vaticans nur diejenigen Conse­quenzen gezogen worden seien, welche wir Deutsche vertragen.

Weil die Curie Alles wollen muß, könne ihr niemals Al­les, was sie begehrt, gewährt werden. Die Antwort des Kai­sers sei keine beschränkt confessionelle, sondern stehe auf dem Standpunkt der katholischen und evangelischen Fürsten Deutsch­lands der letzten drei Jahrhunderte und auf der alten Rechts­grundlage deutschen Religionsfriedens. Zu allen Confessionen sprechen aus den Worten des Kaisers an den Papst : Religions­freiheit, Religionsfriede. Bischof Reinkens wurde heute Nach­mittag 2^2 Uhr vom Kaiser in Audienz empfangen.

Neue grants. Pr.

Berlin, 27. Oct. Der Diskont der preußischen Bank ist heute auf 5 Procent und der Lombardzinsfuß für Waaren und Effecten auf 6 Procent erhöht werden.

Berlin, 24. Oktbr. Die Vorbereitungen zur Ausfüh­rung des Reichsmünzgesetzes werden so eifrig betrieben, daß man schon in den ersten Monaten des nächsten Jahres einen beträcht­lichen Vorrath der neuen Reichsmünzen verfügbar zur Hand ha­ben wird. Das Ausprägungsverfahren hat bereits den Nutzen erkennen lassen, den die Konferenzen der deutschen Münzmeister insofern gewähren als man dadurch im Stande war, alle Schwie­rigkeiten und Mängel zu beseitigen, welche sich bei Ausprägung der Reichsgoldmünzen gezeigt hatten. Die Bedenken, welche an­fänglich auch von Sachkennern über die Nickelmünzen gehegt wurden, sind gänzlich geschwunden und der Ansicht gewichen, daß gerade diese Münzen schnell eine große Beliebheit erwerben wer­den. (Augèb. Abdztg.)

Bingen. Es coursiren falsche badische 50-Fl.-Scheine. Das Publikum wird darauf aufmerksam gemacht, um sich vor Schaden bewahren zu können. (Mannh. Tagbl.)

Brauns chweig, 25. Oct. Der von der Regierung zur Vorlage für den am 4. November zusammentretenden Land­tag gefertigte Resormvorschlag zum Wahlgesetze vermindert die Zahl der Abgeordneten von 46 auf 33, führt direktes geheimes Wahlverfahren ein und beseitigt die besondere Vertretung der Geistlichkeit. Derselbe behält dagegen den früheren Wahlmodus insofern bei, als die Abgeordneten zur Hälfte durch sogenannte allgemeine Wahlen und zur anderen Hälfte durch die Höchstbe­steuerten resp, durch die wissenschaftlichen Berufsstände gewählt werden.

Dresden, Montag, 27. Oct., Morgens. Ueber das Befinden des Königs ist heute Morgen nachstehendes Bulletin ausgegeben worden: Pillnitz, den 27. Oktober, früh TU Uhr. Der Zustand Sr. Majestät ist unverändert, jedoch ist die rechte Hälfte des Körpers ist vollständig gelähmt. Der hohe Kranke hat keinerlei Nahrung wieder zu sich genommen und ist nach wie vor vollkommen bewußtlos.

" Gründungen 1871/72. Gelegentlich eines Artikels in

derSchles. Pr." über dieKrisis und den Fall Quistorp in Berlin" gibt Max Wirth nachstehende Liste der Gründungen in den beiden letzten Jahren 1871 und 1872 in Oesterreich und im deutschen Reiche, namentlich in Preußen. Im Jahre 1871 wur­den an der Wiener Börse folgende Gründungen mit einem ein­gezahlten Aktienkapital von 319,185,200 fl. vom Stapel gelassen: 17 Banken, 12 Transportunternehmungen, 16 industrielle An­stalten, Prioritätsobligationen von 24 Eisenbahnen. In Nord­deutschland allgemein wurden im Jahre 1871 58 Banken, 13 Baugesellschaften, 26 Bergwerke, 34 Bierbrauereien, 6 Cement­fabriken, 10 chemische Fabriken, 3 Dampfschifffahrtsgesellschaften, 8 Eisenbahngesellschaften, 9 Eisenbahnmaterialfabriken, 20 Ma­schinenbauanstalten, 13 Papierfabriken, 10 Spinnereien und Ver­sicherungsanstalten, 6 Wasser- und Gasanstalten, 11 Zuckerfabriken, 19 diverse industrielle Gesellschaften, 6 verschiedene kommerzielle Gesellschaften und 8 sonstige Kompagnien mit einem Kapital von 390,680,836 Thalern gegründet, wovon auf Berlin allein 89 mit 194,849,166 Thaler Kapital fallen. Im Jahre 1872 wur­den in Oesterreich folgende Aktiengesellschaften gegründet, bezw. deren Aktien oder Obligationen an der Wiener Börse emittirt: 66 Banken, 33 Eisenbahnen und 73 industrielle Gesellschaften mit einem Aktienkapital von 830,860,107 fl. In Preußen allein wurden im Jahre 1872 nicht weniger als 49 Banken und Kre­ditinstitute/ 61 Baubanken, 65 Berg- und Hüttenwerke, 30 Braue­reien und Malzfabriken, 12 Eisenbahngesellschaften, 13 Gas- und Wafferanlagen, 32 Maschinenfabriken, 20 Zuckerfabriken und viele andere industrielle Gesellschaften, im Ganzen 494 an der Zahl, mit einem Kapital von 507,751,5 09 Thalern, in Berlin allein 167 mit einem Kapital von 211,447,000 Thalern gegründet.

Straßburg, 21. Oktbr. Seit einigen Tagen hat unsere Stadt wieder ein recht kriegerisches Aussehen. Zur Ar- mirung mehrerer nun fertig gestellten Außenforts bewegen sich lange Reihen von Geschützen, Munitionsvorräthen und sonstiger zur Instandsetzung von befestigten Werken nöthigen Utensilien durch die Straßen. Von den Geschützen, die zunächst die Wälle zu krö­nen bestimmt sind, ist es vorzugsweise der 12-ein.-Bronze-Hinter- lader, dem man auf seinem Durchzug durch die Stadt begegnet. Ueberhaupt herrscht in militärischen Bauten hier noch immer der größte Eifer und die Werkstätten der Artillerie wurden und wer­den vergrößert, schon jetzt sind fast 800 Arbeiter in denselben thätig. In der Citadelle werden demnächst vier weitere große Kasernen unter Dach gebracht, so daß dieselbe neben den Räum­lichkeiten des großen Militärgefängnisses und eines ausgedehnten Magazins 6 selbstständige, große Kasernen bergen wird. In letztere soll vorläufig das gesammte würtembergische Infanterie- Regiment Nr. 126 verlegt werden. Neben diesen Gebäuden liegt in der Citadelle auch noch dasTaubenkasernement." Es befin­den sich nämlich circa 500 Brieftauben daselbst untergebracht, deren Zahl nach und nach ans mehr als Tausend erhöht werden soll, und die bestimmt sind, für den Fall einer Belagerung den Postdienst zu versehen. Schon wiederholt wurden dieselben zu Probeflügen verwendet. Anfangs mußten sie von dem etwa P/2 Stunden entfernten Militär-Uebungsplatz Polygon in ihre Schläge zurückkehren, später wiederholte sich dies von Bühl und Rastalt aus. Bei den erstgenanntenUebungsmarschen" kehrten alle los­gelassenen Tauben zurück, bei den letzter» blieben einige aus, aber