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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Freitag den 24. Oktober.
1873.
Tagesschau.
— Ueber den Briefwechsel zwischen Pio Nono und dem Kaiser Wilhelm sagt die „Italic": Obgleich der telegraphisch mitgetheilte Auszug sehr kurz gehalten ist, läßt sich doch daraus erkennen, daß der Versuch des Papstes, sich in die deutschen Angelegenheiten einzumischen, übel für ihn abgelaufen ist. Der Papst hat in seinem Briefe eine Scheidewand zwischen dem Kaiser und seinen Ministern aufzurichten versucht, weil er das neue Staatsrecht, die Verantwortlichkeit der Minister und die Unverantwortlichkeit des Fürsten, vielleicht nicht anerkennen will, der Kaiser hat ihm aber darauf eine Antwort gegeben, die an Deutlichkeit und Bestimmtheit nichts zu wünschen übrig läßt. Es ließe sich über die preußischen Kirchengesetze, worüber der Papst klagt, auch vom liberalen Standpunkte aus Manches einwenden. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß es Gesetze der Nothwehr sind, daß die Angriffe und Intriguen der katholischen Geistlichkeit gegen das junge deutsche Reich die preußische und deutsche Regierung auf Wege gedrängt hat, die sie sonst nicht eingeschlagen hätte. Man sieht an diesem Beispiele, welchen Gefahren die Kirche sich aussetzt, wenn sie die Geistlichen als politische Werkzeuge mißbraucht; denn wenn die Geistlichen eine Partei, wie die Centrumspartei im preußischen Landtage und im deutschen Reichstage bilden, und in Reihe und Glied gegen den Staat anmarschiren, so darf man sich nicht verwundern, wenn sich der Staat gegen sie bewaffnet. In Italien wie in Frankreich, in Deutschland wie in Oesterreich, in der Schweiz wie in Belgien, ist die Geistlichkeit unter dem Einflüsse des Vatikans und durch die Hetzereien der Jesuiten eine politische Partei geworden, und macht mit allen Fehlern und Leidenschaften des Parteiwesens den kostbarsten Errungenschaften des modernen Geistes den Krieg auf Leben und Tod, beklagt sich aber, wenn sie als kriegführende Partei behandelt wird. Was uns am besten in der Antwort des Kaisers gefällt, sind die Worte: „Aus dem Vatikan muß das Wort des Friedens kommen." Und auch wir sagen: Sobald die katholische Kirche erklärt, daß sie keine Politik mehr treiben will, den Gläubigen vielmehr predigen wird: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers, Gott aber, was Gottes ist, dann werden ihr alle Regierungen die schuldige Ehrfurcht erweisen, und der Papst braucht keine Briefe wie den vom 7. August zu schreiben und keine Antwort wie die vom 3. September zu empfangen. (augss. a&w)
— Fürst Bismarck wird, dies scheint jetzt festzustehen, bald nach der Rückkehr des Kaisers von Wien das Präsidium des preußischen Staatsministeriums an Stelle des in den Ruhestand tretenden Grafen Roon wieder übernehmen. Um ihm die Arbeitslast zu erleichtern, wird ein Vice-Präsidium errichtet, welches der Finanzminister Camphausen erhält. Wir dürfen diese Umgestaltung mit Freuden begrüßen. Mögen es nun Gesundheitsrücksichten gewesen sein, die den Fürsten Bismarck vor ungefähr zehn Monaten nöthigten, auf das Präsidium des Preu- ßffchm Ministeriums zu verzichten, oder mögen damals andere • £ c « 77 Zwistigkeiten im Ministerium — mitgewirkt haben, jedenfalls sind diese Ursachen jetzt gehoben und die Oberleitung der deutschen und preußischen Politik ist wieder einer und der- I leiben starken Hand anvertraut. Daß diese in den jetzigen ernsten Zelten eine Nothwendigkeit ist, falls nicht große Schwierig
keiten in der correcten Durchführung einer harmonischen äußern t und inneren Politik sich erheben sollen, wird von jedem Einsich- ; tigen anerkannt, und deshalb die Zurückführung auf den frühe- ; ren Standpunkt allerseits mit Genugthuung entgegengenommen. , (Trib.)
. — Das Unterrichtsgesetz wird zum nächsten Jahre mit vol-
: ler Bestimmtheit verheißen. Das Material dafür ist durch die . im Cultusministerium abgehaltene vorjährige Conferenz über das : Volksschulwesen und die gegenwärtigen Berathungen über das höhere Schulwesen vollständig beschafft, und es wird ebeü zum Abschlusse nur noch der Sichtung bedürfen.
— Dem Maschinenfabrikanten C. Hoppe zu Berlin ist unter dem 21. Oktober d. J. ein Patent auf eine durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesene Schrämmaschine, soweit dieselbe als neu und eigenthümlich erkannt ist, und ohne Jemanden in Anwendung bekannter Theile zu beschränken; dem Direktor des Baltischen Lloyd zu Stettin, C. H. Schulz, unter dem 21. Oktober d. I. ein solches auf ein Trockendock in der durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen Konstruktion, soweit dasselbe als neu und eigenthümlich erkannt ist; den Herren Edouard Croissant und Louis Marie Franyois Bretonniöre zu Paris un- . ter dem 18. Oktober 1873 ein desgleichen auf ein durch Beschreibung dargelegtes Verfahren der Umwandelung von Humus, Sägespähnen, Weizenkleie und anderen organischen Substanzen in benutzbare Farbstoffe, ohne Jemanden in der Anwendung bekannter Materialen und Hilfsmittel zn beschränken, und dem Ingenieur August Larochaymoud zu Tournai unter dem 20. Oktober 1873 ein Patent auf eine durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesene Presse zum Entsäften von Rübenbrei und anderen Substanzen, insoweit sie als neu und eigenthümlich erkannt ist, und ohne Jemanden in der Benutzung bekannter Theile zu behindern, auf drei Jahre, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden. M. u. st. A.)
— Mit welcher rapiden Schnelligkeit die Werthe des Grund und Bodens in der Umgegend Berlins gefallen sind, darüber gibt ein jetzt mit Grundbesitzern in der Nähe der Colonie Südend seitens der Direktion der Berlin-Dresdener Eisenbahn abgehaltener Termin behufs der Grunderwerbs-Regulirung, Aufschluß. Die Besitzer forderten für die Quadratruthe zwi- schen 40 und 50 Thlr., bekamen aber sämmtlich sehr lange Gesichter, als ihnen 2 Thlr. bis 22/3 Thlr. für die gleiche Fläche geboten wurden.
— Aus München, 20. Oktbr., erhält die „Allg. Ztg." von kompetenter Seite folgende Zuschrift: „Es ist seit kurzer Zeit das drittemal, daß von Rom aus das Gerücht verbreitet wird, als habe Hr. Reichsrath v. Döllinger Schritte 6ei der Kurie eingeleitet, um seine Unterwerfung unter die vatikanischen Dogmen zu erklären. Keiner, der mit Döllingers Gesinnungen vertraut ist, wird einen Augenblick an diese thörichte, völlig grundlose Erfindung glauben; sie ist nichts weiter als ein tendentiöses und läppisches Manöver der vatikanischen Partei, um gegenwärtig, wo ihr die Opposition immer bedrohlicher wird, schwankende Gemüther zu beirren und zu verwirren. Der große Theologe wird in seinen zu erwartenden Publikationen die Wünsche der Kurie gründlich dementiren und ihrem dogmatischen Lügengewebe abermals unheilbare Wunden schlagen. Wie gut man übrigens