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mittags besuchte der Reichskanzler die Weltausstellung und das Künstlerhaus.
— Paris, 18. Oktbr. Die Ereignisse eilen. Die letzten nach Salzburg gesandten Delegirten sind glücklicher gewesen als ihre Vorgänger. Der Graf Chambord hat nachgegeben und alles gewährt, was man von ihm verlangt hat, es den Leuten von seiner Partei überlassend, den ehrenvollen Anschein zu wahren. Sonderbar: Die Neulegitimisten erheben ein weit lauteres Siegesgeschrei, als die reinen Legitimisten. Das „Journal de Paris" ist außer sich vor Freude. Es sieht schon den König Heinrich V. in den Champs Elysos lustwandeln, umgeben von den Söhnen und Enkeln desjenigen, welcher Karl X. die Krone stahl. In seinem Enthusiasmus der Neubekehrten stellt dasselbe den Präsidenten der Republik dar, als beeifere sich dieser, den neuen König mit seinem loyalen Degen zu salutiren. Dieses vorgegriffene Detail des Einzuges des Wunderkindes in Paris („le Monial") hat einen schlechten Eindruck auf die Pariser Bourgeois und besonders auf die Armee gemacht. Die Kundgebungen der Muni- zipalrüthe und der radikalen Deputirten von Paris haben in den Vorstädten großen Eindruck gemacht. Die Arbeiter sehen in den Unterzeichnern dieser Manifeste die zukünftigen Leiter des aktiven Widerstandes gegen die Versammlung, wenn diese die Monarchie Heinrich's V. votiren sollte. Die nicht zur Versammlung gehörigen Führer der Radikalen sind seit drei Tagen sehr thätig. Die Idee eines bewaffneten Widerstandes scheint immer mehr Anklang zu fiuden. Der Kampf würde zuerst in der Provinz begonnen werden und Paris müßte nachfolgen und die revolutionäre Bewegung nicht beginnen. Die Nachrichten aus verschiedenen Departements lauten sehr bedenklich und es scheint, daß es nur eines Funkens bedarf, um die revolutionären und antiklerikalen Leidenschaften in helle Flammen zu setzen. Wenn ein Volksaufstand von den radikalen Führern von Paris und von den Aktionsleuten in der Provinz ernstlich in's Leben gerufen wird, fo ist nicht abzusehen, wie weit er führen kann. Während die Neunercommission in Freuden schwimmt, die Gamins des Faubourg St. Germain Champagner trinken und die Haussiers der Börse fabelhafte Summen gewinnen, bereitet sich vielleicht im Stillen eines 1789 vor, und dieses Datum ist leider dem von 1793 sehr nahe. Köln. Ztg.
— Trianon, 21. Öktbr. Das Zeugenverhör wurde in der heutigen Sitzung des. Kriegsgerichts über Bazaine fortgesetzt. Vernommen wurden Schneider, Rouher und der Marschall Can- robert. Die beiden Ersteren sagten übereinstimmend aus, daß sich Bazaine durchaus nicht um das Ober-Kommando beworben habe. Canrobert ließ sich hauptsächlich über seine Betheiligung an den militärischen Operationen, namentlich am 18. August 1870, vernehmen. Er wies darauf hin, daß er trotz der Ueber- legenheit der feindlichen Artillerie, der er feinerseits nur 54 Geschütze habe entgegenstellen können, das Schlachtfeld behauptet habe, und erwähnte, nachdem er sich über den persönlichen Muth Bazaine's voller Anerkennung ausgesprochen, er habe zwei Mal sich mit der Meldung an das Hauptquartier gewandt, daß es ihm an Munition mangele, und darauf gegen Mittag die Zusicherung erhalten, daß ihm die Garde zu Hülfe gesandt werden solle. Dies sei jedoch nicht geschehen. Canrobert suchte das Verhalten Bazaine's dadurch zu erklären, daß derselbe über die ganze Bedeutung der Schlacht nicht im Klaren gewesen sei. — Nach be- eendigtem Verhör von Canrobert wurden über den Gang der militärischen Ereignisse bis zum 19. August noch Marschall Leboeuf und die Generale Ladmirault, Bourbaki, Frossard und Jarras vetznommen. Bourbaki (Kommandant des Garde-Corps) erklärte, am 18. keinen Befehl erhalten zu haben, Canrobert zu Hülfe zu kommen; er habe weder gewußt, daß derselbe sich in Bedrängniß befinde, noch ohne eine spezielle Ordre marschiren können.
— (Außer Cours gesetztes Papiergeld.) Die Coburgische Regierung fordert wiederholt zum rechtzeitigen Umtausche der auf Grund des Gesetzes vom 22. Januar 1849 ausgegebenen Coburger Cassen-Anweisungen gegen dergleichen neue auf, welche nach Maßgabe des Gesetzes vom 30. Juni 1870 hergestellt wor
den sind Wir bemerken, daß diese Scheine mit dem 1. Juli 1874 völlig werthlos werden. Neue grants. Pr.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 22. Oktober aus Frankfurt a. M.: Der gestrige zweite Pferdemarkttag zeigte sich weit belebter, als der erste. Das Geschäft ging bei Arbeitspferden, namentlich bis gegen drei Uhr, sehr lebhaft u. waren um diese Zeit ansehnliche Lücken in den vorher festgeschlossenen Reihen der zum Verkauf aufgestellten Pferde bemerkbar. Die Händler waren etwas williger, doch waren die Preise immerhin noch hohe. Reitpferde fanden nur wenig Beachtung, dagegen war in Wagenpferden einiges Geschäft. Französische und englische Händler, welche sonst regelmäßig den Herbstmarkt besuchten, sind diesmal nicht bemerkbar. — Ein Arbeiter aus Bockenheim verunglückte gestern Nachmittag an dem Neubau des preußischen Bankgebäudes in der neuen Mainzerstraße dadurch, daß ihm ein eiserner Träger auf das Kreuz fiel. Der Verunglückte wurde schwer verletzt in das Hospital zum heiligen Geist geschafft.
Rügen und Wünsche.
O Seit wann ist der Bangert oder vielmehr der Plytz vor der kathl. Kirche der Spielplatz für die katholische Schuljugend? Es ist sehr störend für die vielen diesen Weg Passirenden sich zwischen Reihen sich schleudernder Buben durchzuwinden, auf die Gefahr hin jeden Augenblick umgerannt werden zu können.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 23. October.
Einladung an die Betheiligtett an der Collektiv- Ausstellung in Wien.
Die vielgelesene Magdeburger Zeitung brachte kürzlich in ihrem Feuilleton „das Kunsthandwerk auf der Weltausstellung" folgende Stelle:
„Derselbe Naturalismus der gemeinsten Art, verbun- „den mit Schlechtigkeit des Goldes und absolutem Man- „gel an jeglichem Formen- und Farbensinn, charakterisirt „die deutschen Gold- und Juwelenarbeiten, auf die wir noch „einen Blick zu werfen haben. Bekanntlich sind Pforzheim, „Hanan und Schwäbisch-Gemünd die drei Hauptorte der „deutschen Fabrikation von Bijouterien. Wenn beim An- „blick dieser zum größten Theile geradezu abscheulichen „Geschmeide etwas trösten kann, so ist es die Thatsache, „daß diese billige Massenproduction von Schmucksachen „wohl überhaupt den Anspruch auf künstlerischen Werth „nicht erhebt, daß sie vielmehr lediglich fabrikmäßig und „aus geringsten Stoffen in möglichst billiger Weise die „unbemittelten Klassen mit jenen Brochen, Ringen, Ohr- „ringen rc. versehen will, die einmal bei gewissen Gelegen- „heiten als Geschenke üblich sind. Von Styl ist bei allen „diesen Gegenständen gar keine Rede, es sind die gewöhn- „lichsten geometrischen oder plumpe Phantasieformen aus „einem ganz elenden Golde gearbeitet und darauf „allerhand Edelsteine zweifelhaften Werthes regellos „angebracht. Wo etwas sehr Feines geleistet werden soll, „da ahmt man, ganz wie bei oben beschriebenen Silber- „werken, aus dünnem Goldbleche Blätter und Ranken ir- „gend einer Pflanze, auch ganze Blumen genau der Natur „nach. Ja bisweilen thut es eine einzige copirte Blume „ganz allein und bildet ein Schmuckstück für sich. So „habe ich Brochen gesehen, die aus einer aufgeblätterten „Rose bestanden und dem Aehnliches. Nicht bloß der „deutsche Markt wird von diesen Goldschmuckfabrikanten „versorgt, sondern ein großer Theil dieser billigen und „häßlichen Produkte geht ins Ausland, um die unteren „Klassen, welche die bei ihnen einheimischen schönen, aber „natürlich theureren Geschmeide nicht kaufen können, mit „Schmuck zu versorgen. So nach Frankreich, England und „selbst nach Italien. Die Metallmischung, aus der die „Kunstwerke Pforzheims rc. gearbeitet werden, nennt man