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es entstand die Frage, welche Schritte die Regierung thun werde, um zugleich ihre Autorität und die Seelsorge der ihrer bisheri­gen Pfarrer beraubten Einwohnern zu wahren. Die Regierung hat nun Folgendes gethan : Sie legte die einzelnen Pfarrstellen zusammen und reducirte sie auf 28. Dadurch erreichte sie den doppelten Zweck: die einzelnen Pfarrstellen besser besolden zu können und außerdem leichter die geeigneten Kräfte zum Ersatz zu finden, da sich diese von 76 auf 28 reducirten. Ja, sie ging noch weiter: sie hob die lästigen Gebühren auf, die früher einen Theil des Einkommens der Pfarrer ausgemacht hatten. Auf diese Weise ist der Conflict zur Zufriedenheit der Bevölkerung beseitigt worden, noch ehe er irgend welche bedenkliche Dimensio­nen angenommen. Da es nicht unmöglich ist, daß sich derartige Zustände auch bei uns entwickeln, so läßt sich hoffen, daß auch unsere Regierung im ähnlichen Falle ähnliche Mittel anwenden wird. Man versichert, daß eine große Anzahl katholischer Pfar­rer auf die Seite der Regierung treten werde, sobald ihnen keine andere Wahl mehr bleibt, als sich den Gesetzen des Staates zu fügen, oder Rom zu folgen und ihre Pfarrkinder zu verlassen.

Mainz, 20. Okt. In Folge der so häufig vorge- kommencu Fälschung von Lebensmitteln ist eine Anzahl Männer zusammengetreten und beabsichtigt im wohlverstandenen Interesse der Bewohner unserer Stadt einen Verein zu gründen, der das Interesse hat, für unverfälschte Lebensmittel zu sorgen und solche zweifelhaften Aussehens chemischer Analyse zu unterziehen. Die Resultate dieses Verfahrens nebst den Namen der Verkäufer der gefälschten Waaren sollen allwöchentlich in den öffentlichen Blät­tern bekannt gemacht werden. Mannh. Tagm.

München, Dienstag, 21. Oktober, Morgens. In einer gestern Abend stattgehabten, sehr zahlreich besuchten Ver­sammlung der liberalen Mitglieder des vierten Bezirksvereins wurde folgende Resolution beschlossen:Die Versammlung er­kennt in dem am 7. August cr. vom Papste an den Deutschen Kaiser gerichteten Briefe eine Verhöhnung der jedem Deutschen zustehenden Religionsfreiheit und eine Beleidigung der Würde und des Ansehens des Deutschen Kaisers. Dieselbe protestirt mit aller Entschiedenheit gegen die Anmaßung, die sich ht dem Briefe des Papstes ausgesprochen findet, und erkennt es mit Dank und Befriedigung an, daß der Deutsche Kaiser dieselbe, seiner Pflicht eingedenk, in seinem Namen und in jenem des Deutschen Reichs mit Würde und Mannhaftigkeit zurückgewie- fen hat." Die Annahme der Resolution erfolgte einstimmig und wurde darauf ein dreimaliges begeistertes Hoch auf den Deut­schen Kaiser ausgebracht. (R. u. ®t A.)

Aus Posen kommt die wichtige Nachricht, daß daselbst auf Veranlassung des Kultusministers eine aus höheren Verwal­tungsbeamten des Regierungsbezirks bestehenden Commission un­ter Vorsitz des Regierungspräsidenten Steinmann zusammen­getreten sei, um sich über die Frage der Regulirung der Civil- standsverhältnisse in Bezirken, in welchen ungesetzlich angestellte Priester fungiren, gutachtlich zu äußern. Obwohl zahlreiche kon­servative Elemente an den Sitzungen theilnahmen, hat sich gleich­wohl die Kommission, nach derOstd. Ztg.", einstimmig für die Einführung der obligatorischen Civilehe und die sofortige Errich­tung von Civilstandsregistern ausgesprochen. Nur so glaubt sie den in der Provinz herrschenden dringenden Nothstand abschaffen zu können, und man darf nun wohl erwarten, daß das preußi­sche Staatsministerium auf das Schleunigste die Lösung dieser augenblicklich brennendsten Frage in die Hand nehmen wird. Die Frage kann unmöglich auf den Reichstag verschoben und den zweifelhaften Entschließungen des Bundesraths anvertraut wer­den. Man muß sie da in Angriff nehmen, wo das unmittelbare Bedürfniß drängt, also in Preußen. Uebrigens wächst die Zahl der Pfarrbezirke mit gesetzwidrig angestellten Geistlichen von Tag zu Tag. Es ist nicht mehr möglich, die aus Schlesien, Posen, Westphalen, Hessen rc. einlaufenden Fällen einzeln zu re- gistriren. Der Hergang ist auch immer der gleiche. Die be­treffenden Priester kümmern sich nicht um die Landesgesetze, führen ihr Amt fort und bestreiten die Kompetenz der Gerichte, von denen sie vorgeladen und verurtheilt werden. Der Staat wird aus diesem Zustand schließlich nur durch Entfernung der

renitenten Priester aus ihren Pfarrbezirken siegreich herauskom­men können. (5Iitg86. Abdztg.

Wien, 21. Oktober. Nach den bis jetzt vor­liegenden Nachrichten über den Ausfall der Reichs­rathswahlen haben die Städtebezirke Böhmens 16 versas- sungstreue Abgeordnete und 4 Deklaranten gewählt. Aus den 12 czechischen Bezirken fehlen die Wahlresultate noch. Die Städte Ober-Oesterreichs wählten 4 Verfassungstreue, Wien (Stadt) 4 Verfassungstreue, Vorstädte 2 Verfassungstreue, 5 Demokraten. In einem Vorstadtbezirk blieb die Wahl unent­schieden. In Nieder-Oesterreich wurden bisher 3 Verfassungs­treue, 1 Demokrat gewählt. In den Landgemeinden Steiermarks gingen aus der Wahl meist klerikale Abgeordnete hervor.

Versailles, 21. Oktober. DerAgence Havas" zufolge sind die über bevorstehende Modifikationen des Ministeriums umgehenden Nachrichten ohne jede that- fächliche Begründung, das Ministerium werde vielmehr durchaus in feiner gegenwärtigen Zusammensetzung vor die Nationalver­sammlung treten.

Kopenhagen, 19. Oktbr. Die gegen die Einschlep­pung der Cholera angeordneten Maßregeln sind den aus Lübeck kommenden Schiffen gegenüber außer Kraft gesetzt.

Ein aus London eingetroffener Brief berichtet, daß eines der größten engl. Bänkhäuser dem Grafen Chambord alle nur nöthigen Kapitalien zur Verfügung gestellt habe.

Washington, 18. Oktbr. Nach dem offiziellen Be­richte des Departements für Landwirthschaft pro Oktober ist der Stand der Baumwollenernte in Folge der üblen Witterung, der von Insekten angerichteten Verheerungen und der tyeilweisen Räumung der bestanden gewesenen Felder vor der Ernte von dem Durchschnitts-Prozentsatz von 89, den derselbe im Monat September einnahm auf 78^2 Prozent heruntergegangen. Es ist bis zur Aberutung fortdauernd günstige Witterung nothwen­dig, wenn der heurige Ertrag demjenigen von 1872 gleichkom­men soll.

Amerikanischen Zeitungen zufolge berichtet das statistische Bureau in Washington, daß diesen Sommer 18,000 Amerikaner nach Europa reisten.

In Aegypten ist nunmehr auf Befehl des Khedive i zum ersten Male ein Budget veröffentlicht worden. Es enthält Angaben über die veranschlagten Einkünfte und Ausgaben wäh­rend der 12 Monate vom 10. September 1873 bis 10. Sep­tember 1874. Die Einkünfte betragen darnach 10,166,000 Lstr., die Ausgaben 9,046,000 Lstr., was sonach einen Ueberschuß von 1,120,000 Lstr. ergibt. Dieses Dokument wurde, wie dieTi­mes" erfahren, von dem Finanzdepartement der Regierung aus­gearbeitet, von dem Ministerrath geprüft und genehmigt und, wie versichert wird, vielen unabhängigen Finanzautoritäten im Lande zur Begutachtung unterbreitet.

Oesterreichische Sechskreuzerstücke. Der Münchener Han­delsverein weist in einer Bekanntmachung darauf hin, daß die österr. Sechskreuzerstücke bereits vor mehreren Jahren von der österr. Regierung zum Einzug berufen worden, und seit dieser Zeit als Zahlungsmittel nicht mehr bestehen. Es empfehle sich fonach dringend, die Annahme dieser heimathlosen Münze an Zahlungsstatt fortwährend zu verweigern. Der dermalige Sil­berwerth ist etwa 8 fl. für 100 Stück, resp. 4^2 kr. für 1 Stück. In Nürnberg werden die österr. Sechser im Kleinverkehr nur noch zu 3 kr. per Stück angenommen.

DieNeue Frftr. Pr." schreibt unterm 21. Oktober aus Frankfurt a. M.: Einem Lehrer in Heppenheim wurde ein 13 Jahre alter Knabe aus Frankfurt a. M., den er in der Pflege hatte, am 7. d. Mts. von einer feinen, sehr reich geklei­deten Dame, unter Vorspiegelung durchaus glaubhafter Umstände, entführt. Die Angaben der betreffenden Dame, welche eine vor­gegebene nahe Verwandschaft derselben zu dem Knaben zu bestä­tigen schienen, haben sich sämmtlich als falsch erwiesen und we­der über den Verbleib des Knaben, noch den seiner Entführerin ist bis jetzt etwas zu ermitteln gewesen. Der Knabe ist für sein Alter nicht sehr groß, hat dunkelröthliche Haare und im Gesicht