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^ 244.

Dienstag den 2L Oktober.

1873.

Tagesschau.

B erlin, 20. Oktober. Zur Herbeiführung eines gleichmäßigen Verfahren in den Fällen, wo zu Kulturausführun­gen Holz zu verwenden ist, hat der Finanz-Minister im Ein­verständnisse mit der Ober-Rechnungskammer bestimmt, daß die stattgehabte vorschriftsmäßige Verwendung dieser Hölzer, wenn deren Taxwerth in dem einzelnen Falle unter fünfzig Thaler beträgt, von dem Oberförster und dem betreffenden Förster, wenn der Taxwerth aber fünfzig Thaler und mehr beträgt, von dem Forstmeister auf der Erhebungsliste zu bescheinigen ist.

Das dem Ingenieur Max Bernstein hierselbst unterm 3. August 1872 ertheilte Patent auf eine Vorrichtung zur Kon­trolle der Handhabung der Bremsen an Eisenbahn-Fahrzeugen ist aufgehoben. Das dem Ingenieur Joseph Zinnecker zu Halle a. d. S. unter dem 22. Juli v. J. ertheilte Patent auf einen durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen Appa­rat zum Filtriren von Flüssigkeiten, ohne Jemand in der An­wendung bekannter Theile zu beschränken, ist aufgehoben.

Berlin. Das deutsche Reich hat aus den Zöllen und gemeinschaftlichen Steuern in den ersten acht Monaten dieses Jahres eine Mehr-Einnahme von 7,265,617 Thlrn. erzielt.

Aschaffenburg. Herr Philipp Dessauer hat nach derN. Frstr. Pr." in Folge größtentheils unglücklicher Bör- fenspeculationen seine Zahlungen eingestellt. Von den Instituten, mit denen er in Verbindung stand, ist die Actiengesellschaft für Buntpapier- und Leimfabrikation nicht betheiligt. Die Bethei­ligung des Aschaffenburger Bankvereins wird uns zwar als nicht ganz unerheblich geschildert, aber man erwartet eine glückliche Ueberwindung der Calamität. Die Passiva des Insolventen sind beträchtlich.

Aus Bayern. Das geistliche und weltliche Schwert, von deren Kämpfen das Mittelalter wiederhallte, haben sich auf's Neue, gekreuzt und durch die ganze gebildete Welt geht die Em­pfindung, daß der weltliche Herrscher des neuerstandenen Deutsch­lands den angeblichen Beherrscher aller Getauften aufs Haupt geschlagen hat. Die ganze Armseligkeit des geistigen Vermögens, welche sich in dem päpstlichen Schreiben neben dem hergebrachten Priesterdünkel in jeder Zeile ausspricht, mußte, wie ein Blatt ganz richtig bemerkte, zuerst den Gedanken erwecken, daß man mit einer Mystifikation zu thun habe, und nur die unzweifel­hafte Aechtheit der Antwort verscheuchte den Glauben, daß sich Jemand auf Kosten Pius des Neunten einen Spaß gemacht. Daß die Unfehlbarkeit Sr. Heiligkeit sich nicht aufs Briefschrei­ben erstreckt, ist jetzt unwiderleglich dargethan; die ultramonta­nen Blätter, welche noch dann und wann auf den Verstand ihrer Leser Rücksicht nehmen, fühlen das ihrer Sache durch das Schrei­ben widerfahrene Mißgeschick recht gut, und sind sehr kleinlaut. Die ganze deutsche Nation dagegen, soweit sie diesen Namen wirklich verdient, dankt dem Kaiser die treffliche Antwort, schlicht und markig, welche der konstitutionelle Monarch, der deutsche Mann, der evangelische Christ der welschen, hochmüthigen Un­wissenheit gegeben hat. Bekanntlich spielt unter den erdichteten Hermann von Lehnin'schen Weissagungen, womit der Ultramon- tanismus von Zeit zu Zeit seine Gläubigen amüsirt, auch die Prophezeihung eine große Rolle, daß Deutschland wieder einen König haben und dieser in den Schvoß der katholischen Kirche

zurückkehren werde. Ob dem Papste diese Hoffnung vorgeschwebt und er in Wilhelm I. das künftige Beichtkind gesehen, muß man dahingestellt sein lassen. Aber soviel ist eingetroffen: Deutsch­land hat seinen Kaiser (Germania Regem) und in dem Kampfe für Wahrheit und Recht, Freiheit und Bildung, wird das deut­sche Volk und hoffentlich auch die Fürsten an seiner Spitze Alle fest zu dem Führer stehen, dessen neueste Kundgebung aus dem Herzen der Nation gesprochen war und Widerhall bei allen Völkern der Erde gefunden hat, die auf Freiheit und Ehre hal­ten. (Augsb. Abdztg)

Dresden, 20. Oktober, Morgens.. Das heutige Bulletin über den Gesundheitszustand des Königs lautet:Pill­nitz, 73/4 Uhr. Se. Majestät haben eine sehr unruhige Nacht verbracht. Der Schlaf war durch größere Athemnoth und durch Delirien gestört. Letztere, sowie die Beängstigung dauern auch jetzt noch fort. Fieber ist nicht vorhanden, die Pulsfrequenz aber beträchlich vermehrt.

Dittwar, 16. Oktbr. Eine ganze Familie spurlos verschwunden! ist das neueste von hier zu meldende Ereigniß. Ein hiesiger Landwirth mit seinem Sohne stand in Untersuchung wegen Begünstigung der Desertion eines Soldaten, der Sohn noch besonders wegen Diebstahls. Um sich der in Aussicht ste­henden Strafe zu entziehen, scheint die ganze Familie Reißaus genommen zu haben, denn man fand ihr Haus leer stehend. Um sich mit dem nöthigen Reisegeld zu versehen, haben die Flüchti­gen bei mehreren Geschäftsleuten ansehnliche Summen Geldes I ausgenommen.

Elsaß-Lothringen. Ein französischer Pfarrer, wel­cher in der Umgegend von Hochfelden zum Besuch gewesen war, wurde kürzlich in Avricourt arretirt, weil er junge Burschen zur Auswanderung verleitet hatte.

Bern, 19. Oktober. Die Direktionen der Schwei­zer Centralbahn, der Nordostbahn und vereinigten Schweizer Bahnen haben beschlossen, vom nächsten Jahre an Fahrbillete an Wallfahrer nicht mehr zum halben Preise verkaufen zu lassen.

Wien, 20. Oct. Kaiser Wilhelm wird erst am 23. d. Mts. Abends mit der Nordwestbahn von hier abreisen.

(Neue Frankf. Pr.)

Paris, 15. Oktbr., Abends. Es läuft heute in den diplomatischen Kreisen ein Gerücht um, das wir mit allem Vor­behalt mittheilen, das aber, wenn es sich bestätigte, eine große Tragweite hätte. Fürst Bismarck, heißt es, habe hier sagen lassen, daß die europäischen Kabinete entschlossen seien, im In­teresse der Menschlichkeit und des Friedens für die Beendigung des Bürgerkrieges in Spanien einzutreten und zwar im Sinne einer Anerkennung der jetzigen Regierung, und er habe auch Frankreich aufgefordert, sich diesem Vorgehen anzuschließen. Es wird nicht gesagt, ob die Madrider Regierung selbst den Wunsch nach Einschreiten der europäischen Kabinete ausgesprochen habe. Wie die Dinge augenblicklich jenseits der Pyrenäen stehen, glaubt man, daß eine bloße Anerkennungs erklärung das schnelle Ende des Doppelaufstandes herbeiführen würde. Die hiesigen Mo­narchisten können sich natürlich nicht verhehlen, daß die Bestäti- gnng jener Nachricht ihrem Restaurationsplan einen schweren Schlag versetzen müßte. ' Sie sind doppelt unruhig, weil Mac Mahon, der sich bisher wenig geneigt zeigte, auf eine eventuelle