Einzelbild herunterladen
 

Abonnements- Preis

(incL Sremvel)

Jährlich 3 Tblr.

Halbj. Tülr.1. 15.

Vierteljährlich 22 Sgr. 6 Pf. j.Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffen­den Postaufschlag.

Die einzelne Num­mer 1 Sgr.

lMmmAn;eM

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan.

Insertions.

Preis:

Tie ifbattige Garmondzeile ob.

Deren Raum

1 Sgr.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Die Sir alt. Zeile 2 Sgr.

Die Sspaltige Zeile

3 Sgr.

â 243. Montag den 20. Oktober. 1873.

Tagesschau.

Berlin. Seit den bekannten Verhandlungen in der preußischen Kammer während der vorigen Session, die durch Herrn Lasker's Vorgehen gegen hochgestellte sogenannte Gründer veranlaßt wurden, sind mancherlei Anklagen gegen Mitglieder des Hauses erhoben worden, die ihrerseits Unternehmungen zwei­felhafter Solidität nicht fern geblieben sein sollten. Ob diese Beschuldigungen überall der Wahrheit entsprechen, könnte nur eine eingehende Untersuchung in jedem einzelnen Falle darlegen. Inzwischen scheinen solche Gerüchte auch die Wahlkreise zu be­unruhigen, und namhafte Abgeordnete erhalten zahlreiche Zuschrif­ten, die Erkundigungen über diesen und jenen Kandidaten in dem bezeichneten Sinne einziehen. Wie es in der Natur der Sache liegt, werden solche Anfragen großentheils an Herrn Lasker ge­richtet, der auf eine derselben mit einem Schreiben geantwortet hat, das in derKöln. Ztg." veröffentlicht wird. Herr Lasker erklärt sich außer Stande, diese Anfragen zu beantworten, da er eine so umfangreiche Korrespondenz in Angelegenheiten,welche die persönliche Ehre betreffen und besonders sorgfältig zu behan­deln sind, beim besten Willen nicht bewältigen könnte." Aus Mangel der erforderlichen Materialkenntniß und Vertrautheit mit dem Börsenverkehr lehnt er es daher ab, auf die Anfragen einzugehen. Dagegen nimmt er keinen Anstand, zu erklären: Ich halte die allgemeinen Wahlen für eine rechtmäßige .Gele­genheit, die Mandatsbewerber um thatsächliche Aufklärung zu ersuchen, wenn ihnen specialisirte Vorwürfe einer unsoliden Theil­nahme an unsoliden Gründungsspekulationen gemacht werden. Wer als Abgeordneter in das öffentliche Leben eintreten oder in demselben verbleiben will, muß vorbereitet sein und soll die Ge­legenheit gern benutzen, sich von jedem Vorwurf der bezeichneten Art zu reinigen, sofern derselbe in Form genauer thatsächlicher Angaben auftritt und nicht in allgemeinen Redensarten sich be­wegt. Auf angeblichnotorische" Anschuldigungen lege ich eben so wenig Werth wie auf eineRechtfertigung", welche auf genau specialisirte Anschuldigungen mit vornehmem Schweigen antwor­tet. Die Wähler werden gewiß jede rechtfertigende Klarlegung mit Freuden annehmen, und, wo es nöthig ist, werden sie mit Unparteilichkeit den legitimen Geschäftsverkehr und Unterneh­mungssinn von der bewußten Theilnahme an dem System der Ausbeutung zu unterscheiden wissen. Dagegen halte ich es im gleichmäßigen Interesse aller Parteien, daß solche Personen, welche thatsächlich bezeichnet und benannten Vorwürfen gegen­über sich nicht reinigen können, von der Vertretung des Volkes im Parlament fern gehalten werden. (aug§6. swg).

Die Conferenzen, welche der Handelsminister behufs Er­forschung der Gründe über die häufigen Unfälle auf den Eisen­bahnen und Feststelluug von Maßnahmen zu deren Abhülfe an­beraumt hat, werden in den letzten Tagen dieses Monats begin­nen. Den Mitgliedern ist ein sehr umfassender Fragebogen zu­gegangen, der ihnen einerseits über Inhalt und Anfang der Be­rathungen Aufschluß gibt, andererseits eine vollständige Informa­tion über die wünschenswerthen Vereinbarungen gestattet.

Einen sehr komischen Eindruck hat es im Publikum ge­macht, daß in derGermania" der Nachweis über die Richtig­keit des päpstlichen Satzes, daß Jeder, der getauft ist, irgendwie dem Papst angehört, angeblich von einem Protestanten ge- I

führt wird. Gewöhnlich hält man den alten Appellationsgerichts­präsidenten v. Gerlach für den üblichen Paradeprotestanten des Jesuitenblattes. In diesem Falle spricht denn doch zu viel ge­gen eine solche Annahme, da der ganze Artikel so sehr zu einer bloßen Verherrlichung der katholischen Kirche sich zuspitzt, daß der Verfasser, wenn er ein Protestant ist, sich unter allen Umständen blamirt: denn entweder mußte er bei gesundem Men­schenverstände mit solchen Anschauungen selbst längst Katholik sein, oder aber er durfte seiner Confession und seiner Person nicht ein so glänzendes Armuthszeugniß ausstellen, welches ihn gleichzeitig dem gerechten Spott der Katholiken und der verdien­ten Verachtung der eignen Glaubensgenossen aussetzt.

Bis zum 27. September d. J. sind in den Münzstätten des Deutschen Reichs in Zwanzigmarkstücken 805,004,680 Mark und in Zehnmarkstücken 130,067,130 Mark ausgeprägt worden. In der Woche vom 28. bis 4. Okt. sind ferner geprägt in Zwanzigmarkstücken: in Frankfurt a. M. 2,278,040 Mark, in Dresden 1,793,000 Mark, und in Darmstadt 375,000 Mark; sowie in Zehnmarkstücken: in Berlin 3,230,720 Mark, in Hannover 1,601,360 Mark, in München 1,093,440 Mark, in Stuttgart 301,320 Mark und in Karlsruhe 250,760 Mark.

Die Gesammt-Ausprägung stellt sich daher bis zum 4. Okt. d. J. auf 945,995,450Mark, wovon 809,450,720 Mark in Zwanzigmarkstücken und 136,544,730 Mark in Zehnmarkstücken bestehen.

Regensburg, 14. Oktbr. Was die hiesigen Altka­tholiken längst ersehnt und erstrebt haben, was in andern Städ­ten Deutschlands lange schon Thatsache ist, ist auch in Regens­burg Wahrheit geworden. Da nämlich durch die edle Gesinnung der Protest. Wohlthätigkeitsstiftung dahier den Altkatholiken Re­gensburgs die Bruderhauskapelle zur Abhaltung gottesdienstlicher Handlungen überlassen worden ist, so findet am Sonntag 19. Oktober der erste altkatholische Gottesdienst hier statt, den Uni­versitätsprofessor Herr Dr. Friedrich celebriren wird.

Wien, 17. Oktober. DieWiener Abendpost" schreibt anläßlich der Ankunft des Deutschen Kaisers:

Die Bevölkerung Wiens begrüßt heute den Deutschen Kaiser und König von Preußen als Gast ihres Monarchen in den Mauern der Reichshauptstadt. Der KaiserWilhelm schließt sich der Reihe jener Souveräne an, welche die Ausstellung in unsere Mitte führte; aber sicherlich bedurfte es feines' äußeren Anlas­ses, um diesen Entschluß des Kaisers hervorzurufen. In dem Besuche Wilhelms I. an unserem Kaiserhofe erhält nur dasjenige einen leuchtenden und gewissermaßen symbolischen Ausdruck, was sich zwischen den beiden Nachbarstaaten und ihrer Völkern selbst vollzogen hat; er bekräftigt jene Beziehungen wechselseitiger Freundschaft und Sympathie, die zum Heile der beiden Reiche an die Stelle alter Gegnerschaften und abgethaner Gegensätze getreten find, und besiegelt ein Verhältniß, das Oesterreich-Un­garn und Preußen-Deutschland ebenbürtig und gleichberechtigt neben einander stellt, aber in der Gemeinsamkeit ihrer Interessen und Bedürfnisse, ihres Strebens und ihrer civilisatorischen Aufgaben ein festes, dauerndes Band ihrer inneren Zusammengehörigkeit zu knüpfen vermochte. Nicht leicht ist eine große Völkerverbindung auf edleren Grundlagen errich­tet worden, nicht leicht hat sie edleren Zwecken gedient; von