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Die „Cöln. Ztg." bemerkt hierzu: „Beide Schreiben wer­den im ganzen deutschen Vaterlande mit tiefer Erregung gelesen werden. Zwei und ein halbes Jahrtausend aus einander liegende Weltanschaungen stoßen da vor unserem geistigen Auge in un­mittelbarer Gegenwart auf einander. Das erste Gefühl, das uns bei den eben so grundlosen und dreisten Anklagen des päpst­lichen Schreibens heftiger das Blut erregt, ist das der Entrü­stung ; ein Gefühl das uns an jenes erinnert, welches uns im Juli 1870 bei der ersten Kunde von dem Auftreten Bene­dettis in Ems ergriff. Indem wir aber weiter lesen, überwiegt verwundertes Staunen, und bald dann, nachdem wir die kaiser­liche Antwort gelesen, athmen wir auf in Befriedigung und Zu­versicht. Die Theorie der berufenen Bulle von Bonifaz VIII., die vor mehreren Jahren in einem Schreiben des Bischofs Mar­tin von Paderborn in einigen evangelischen Kreisen eine ent­rüstete, bei den meisten Lesern aber damals nur eine heitere Verwunderung erregte, tritt hier in dem feierlichen Schreiben des Papstes selber gegenüber dem evangelischen Kaiser und Könige eines in der Mehrzahl seiner Glieder evangelischen Volkes. Man müßte erwarten, zum Schlüsse eine Vorladung nach Ca- nossa zu vernehmen; aber es folgt nur eine ganz moderne Ent­schuldigungs-Wendung, die nicht anders klingt, als wie ein un­bewußt entschlüpfter eigener Zweifel an dem vorangegangenen Weltrichter-Anfpruch. Die Antwort unseres Kaisers steht mit festen Füßen auf dem Boden der nüchternen Thatsachen und des lichten Gewissens unserer Tage und unseres Volkes. Wir fühlen uns beim Lesen aus einer phantastischen Traumwelt in die Welt der heutigen Wirklichkeit versetzt, und wir gewinnen die Zuver­sicht, daß an dem Felsen des deutschen Gewissens jene wüsten Träume wie Schäume zerfließen werden. Und es ergreift uns mit dieser Zuversicht zugleich auch ein mächtiges und freudiges Bewußtsein der Pflicht, — dem. Kaiser in der Erfüllung seiner Aufgabe, „den inneren Frieden zu schützen und das Ansehen der Gesetze zu wahren", mannhaft zur Seite zu stehen mit allen Kräften, die uns Gott verliehen!

— Berlin, 15. Oktober. Gegenwärtig verweilt hier der eidgenössische Lieutenant im Generalstabe Naville, um sich mit Erlaubniß der höheren Militairbehörden über das Ponton- Wagenhaus und die Ausrüstungsgegenstände der Feld-Telegra- phen-Abtheilungen des Garde-Pionier-Bataillons zu informiren.

— Berlin, 15. Oktober. Der Oberst und Chef der geographisch-statistischen Abtheilung im Neben-Etat des Großen Generalstabes Emil v. Sydow ist vorgestern, nach dem „R. u. St.-A.", hierselbst gestorben. Der Verstorbene gehörte zu den hervorragendsten deutschen Geographen. Epoche machend waren seine wegen ihrer methodischen Anordnung, ihrer stofflichen Sich­tung und durch originelle Kolorirung effektvollen, von Geogra­phen und Pädagogen beifällig begrüßten Wandkarten, aber auch seine oro- und hydrographischen Atlanten.

— Berlin, 15. Oktbr. Die „Provinzial-Correspondenz" bestätigt den Besuch des Kaisers in Wien zum 17. Oktbr. und fügt hinzu, daß nachdem der bei der vorjährigen Dreikaiser-Zu- sammenkuuft geschlossene Friedensbund durch die Besuche des Kö­nigs von Italien eine weitere Ausdehnung erfahren habe, die jetzige neue Zusammenkunft in Wien als ein bedeutungsvoller Schlußstein der großen politischen Thätigkeit gelten dürfe, durch welche Europa vor neuen Erschütterungen des Friedens bewahrt werde. Neue Franks. Pr.

— München, 14. Oktbr. Nach den nunmehr getroffenen Bestimmungen wird der deutsche Kaiser nicht über München, sondern und zwar in der Nacht vom 16. auf den 17. ds. von Darmstadt über Aschaffenburg, Nürnberg, Regensburg und Passau nach Wien reisen. Die Reise soll in ununterbrochener Fahrt mittelst Extrazugs stattfinden.

— München, 14. Oktbr. In unserer diplomatischen Welt sind einige Veränderungen vor sich gegangen. In der franzö­sischen Gesandtschaft wurden die beiden Sekretäre, Baron v. Bil­ling und Marquis de Clermont-Tonnore, abberufen, dagegen der Graf v. Armelot de Chaillon zum Sekretär ernannt. Auch in der italienischen Gesandtschaft wurde der Legationssekretär Mar­

chese Centurione abberufen und durch den zum ersten Sekretär ernannten Herrn Oskar Possera ersetzt. Augsb. Abmdztg.

— München, 11. Okt. Der Preis des Hofbräuhaus­bieres wurde auf 7V2 kr., bezw. 8 kr. pr. Liter festgesetzt. Im vorigen Jahre betrug derselbe 7 und TU kr. In Folge dieses Aufschlages steht ein Biertrinker-Strike in Aussicht.

— Der Versuch der Erbacher Brauer, den V2 Liter Bier zu 5 kr. zu verzapfen, ist durch den Widerstand des Publikums, welches — nebenbei bemerkt — bereits Spottlieder auf die Brauer absang, total mißlungen. Jetzt trinkt man überall den Vs Liter wieder zu 4 kr. M°nnh. saget

— Die „Mainzer Zeitung" bringt in ihrem Jnseraten-Theil folgende „Anfrage": In Mannheimer Blättern empfiehlt ein Wirth ausgezeichnetes Mainzer Lagerbier. Würde uns jener Herr nicht angeben wollen, von wem er dasselbe bezieht? Meh­rere Biertrinker in Mainz.

— H an nover, 14. Oktober. Der Provinzial-Landtag nahm in seiner gestrigen Sitzung in zweiter Berathung den Ge­setzentwurf über Ablösung der den geistlichen und Schul-Insti­tuten u. s. w. zustehenden Realberechtigungen an.

— Gens , 14. Oktober. Die Beeidigung der drei neu­gewählten katholischen Pfarrer hat heute vor dem Staatsrath in der Kirche St. Germain stattgefunden. Vor derselben hatte sich eine Volksmenge angesammelt; die Ruhe blieb jedoch ungestört. Am Sonntag wird die Einführung der Geistlichen in ihre Pfarrämter geschehen.

— Tri anon, 14. Okt. In der heutigen Sitzung des Kriegsgerichts wurde das Verhör des Marschalls Bazaine fort­gesetzt. Den Gegenstand desselben bildete hauptsächlich die Frage, welche Verbindungen der Marschall nach der Schlacht von St. Privat nach Außen, insbesondere mit dem Kaiser Napoleon unterhalten, und warum er nicht versucht habe, sich durchzu­schlagen. Bazaine bezog sich wiederum auf seine ungenügenden Informationen und erwähnte, daß er selbst von dem Resultat der Schlacht vom 18. August nur eine so oberflächliche Kennt­niß gehabt habe, daß er darüber auch dem Kaiser einen mehr­fach unrichtigen Bericht erstattet habe. Bazaine erklärte ferner, daß er die mehrfach erwähnte Depesche, welche den Marsch Mac Mahons nach der Maas meldete, nicht, wie in der An­klage behauptet sei, am 23., sondern erst am 30. Augu^i von Verdun aus erhallen habe. Der Präsident des Gerichtshofes theilte darauf mit, daß er über diesen Punkt das Zeugenverhör einleiten wolle.

— Paris, Mittwoch, 15. Okt. „Paris Journal" hört gerüchtweise, daß heut vom Grafen Chambord ein Telegramm eingetroffen sei, in welchem derselbe eine Abänderung der Ver­fassung von 1814 definitiv acceptiren soll. Außerdem soll Graf Chambord sich bereit erklärt haben, die dreifarbige Fahne mit einem Lilien-Abzeichen, ferner das Allgemeine Stimmrecht an­zunehmen. Wählbar sollen alle Franzosen über 25 Jahre fein, welche 3 Jahre sich an ihrem zeitigen Wohnort aufgehalten haben.

— Rom, 15. Oktober. Die mit der Liquidation der Kirchengüter betraute Junta hat, wie „Fanfulla" erfährt, be­schlossen, den Jesuiten zu eröffnen, daß sie die von ihnen okku- purten Klöster mit dem 20. Oktober zu verlassen haben.

(R. u. St. A.)

— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 16. Oktober aus Frankfurt a. M.: Von einem Neubau an der Ecke des Baum­weges und Hermesweges stürzten gestern Nachmittag 4 M lurer- gesellen von einem drei Stockwerk hohen Gerüste, wo dieselben mit Heben eines schweren Steines beschäftigt waren und gemein­sam auf einer Bohle standen, die mitten durchbrach. Die Ver­unglückten mußten in Folge schwerer Verwundungen, Arm- und Beinbrüchen, in das Hospital zum heil. Geist geschafft werden. — Einige Wirthe, darunter auch Hoteliers, wurden, weil sie mit ungeaichten Schnaps- und Liqueur-Gläschen betroffen wur­den, in Strafe genoinmen. — Dem Vernehmen nach sind die diesjährigen Herbsttage auf Montag, Dienstag und Mittwoch, den 20. 21. und 22. d. M. festgesetzt worden.