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scheidend und reell genug, um das Einreißen irgend welcher Anarchie zu verhüten. Dagegen aber wird das ganze Heerwesen nicht der Gefahr ausgesetzt sein, daß, wenn eine Nullität, wie der Marschall Le Boeuf z. B-, wieder im Kriegsministerium sein Nest finden sollte, dessen zersetzender Einfluß bis in die untersten Schichten des Militärorganismus Eingang finden würde. In­telligente Kommandanten wären dann im Stande, das Unheil wenigstens theilweise gut zu machen. Man spürt übrigens, daß die Anwesenheit eines hohen Militärs an der Spitze der Regie­rung, dessen eigene Talente zwar angezweifelt werden, welcher aber für wohlgemeinte Rathschläge empfänglich ist, der Beförde­rung der Militärorganisation von Nutzen sein dürfte. Mac Ma­hon ergänzt mit Eifer das Werk, welches Thiers angefangen, aber mit dem Unterschiede jedoch, daß er willigeren Gehorsam bei seinen Untergebenen und bei der Ausführung seiner Befehle findet, als der Civil-Präsident. Frankreich steht heute allerdings noch nicht gerüstet da, und es wird Jahre bedürfen, ehe es im Stande wäre, mit Erfolg auf eine Revanche zu hoffen. Aber es weht ein neuer Geist durch die Offiziere und die Mannschaf­ten, ein Geist der Arbeit für die ersten, und der Disziplin für die letztern. Wenigstens erhielten diesen Eindruck die fremden Offiziere, welche den soeben beendeten Manövern im Lager von Sathonay bei Lyon beiwohnten. Diese Uebungen dauerten 14 volle Tage und wurden vom General Bourbaki geleitet. Der General hat sich von dem Schusse, den er sich vor dem Ueber- gange seiner decimirten Armee auf Schweizergebiet beigebracht hatte, gänzlich erholt, d. h. die physische Wunde war schon längst vernarbt, aber der moralische Zustand des Generals litt noch immerwährend; diese letzten Spuren sind nun verschwunden und Bourbaki nimmt an der Reorganisation den hervorragensten An­theil. Inzwischen bereist Mac Mahon die größten Waffenplätze Frankreichs, er erscheint bald in den Arsenalen, bald in den Werkstätten und Kanonengießereien. Ueberall aber wird er von der Bevölkerung mit einer beinahe feindseligen Gleichgiltigkeit, von den Gemeindebörden bloß mit Höflichkeit empfangen. Ein greller Kontrast zu den Vivat's, welche überall auf ihrer Durch­reise sowohl Thiers als Gambetta begrüßen.

— In ihrer Tagesschau schreibt die „Trib." unter anderm:

„Franyois Achille Bazaine, Marschall von Frankreich, sitzt seit Montag in jenem Schlosse auf der Bank der Angeklag­ten, beschuldigt der strafbaren Uebergabe der Festung Metz und der Feigheit und Ehrverletzung vor dem Feinde. Die Ehre und das Leben des Marschalls stehen bei diesem Processe auf dem Spiele und wenn auch allen Anzeichen zufolge die Gefahr für den Angeklagten keine übergroße ist, so wird er immerhin einen beträchtlichen Theil sehr ernster und zum Theil schwer anfecht­barer Beschuldigungen zu bekämpfen haben, um dem harten Loose der französischen Kriegsartikel zu entgehen. Gegen ihn stehen die Unwissenheit und Leidenschaftlichkeit seiner eigenen Landsleute, die bekanntlich einen Lieblingswahn in der Vorstellung genährt haben, daß die Niederlagen des letzten Krieges ihnen durch Ver­rath beigebracht seien. Wenn eine sorgfältige, mit süchtiger Strenge geführte Untersuchung in dem Prozeß Bazaine zu einem sreisprechenden Erkenntniß führt, so wird dadurch der ganze Ne­bel dieser eitlen Wahnvorstellungen gerissen und die wahre Ur­sache des Nationalunglücks dem allgemeinen Urtheil näher gerückt werden. Vielleicht ergibt sich aus dieser Thatsache denn auch eine Wirkung auf die Stimmung der französischen Bevölkerung bezüglich einer Wiederholung jenes „Spaziergangs an den Rhein," vielleicht entrollt die Verhandlung in ihrem dramatischen Ver­laufe ein überzeugendes Bild von der Überlegenheit der deut­schen Waffen und Heerführung, vor welchem die Eitelkeit für einen Moment verstummt und die Erkenntniß der eigenen Män­gel und Schwächen erwacht. Wir wünschen dem Monstreprocesse diese Wirkung, dann hätten wir es nicht nur mit dem kläglichen Schauspiel zu thun, wie eine große und im Grunde gebildete Nation ohnmächtig nach Außen für die erlittenen Schläge Rache an ihren eigenen Vertheidigern nimmt, sondern wir würden das Drama als ein Läuterungs- und Beruhigungsmittel ansehen kön­nen, das namentlich auch dem Frieden Deutschlands in dankens- werther Weise zu Nutzen kommen würde. —"

— Genf, 9. Oktbr. Gestern Abend 8 Uhr fand im Saal des Instituts eine Versammlung von etwa 800 liberalen Katho­liken statt. Für die drei vacanten Pfarrstellen wurden der Pater Hyacinthe, der Canonicas Huistault und der Abbe Chavard mit großem Beifall erwählt. Zugleich fand die Wahl des Parochial- Rathes Statt. Die Verhandlungen gingen in bester Ordnung vor sich.

— New-I ork, 4. Oktober. Kapitän Jack und drei andere Modoc-Jndianer wurden gestern Morgen hingerichtet. Zwei anderen der Gefangenen ist die Todesstrafe erlassen worden.

— W ashing ton, Mittwoch, 8. Oktober. Der Aus­schuß des Senats ist mit einer Gesetzvorlage beschäftigt, durch welche die direkte Wahl des Präsidenten durch das Volk anstatt der Erwählung durch Wahlmänner eingeführt werden soll.

— Asien. Nach einer der Pforte unter dem 8. Oktober zugegangenen Depesche aus Teheran hat der Schah von Persien den Großvezier wieder an den Hof berufen und mehrere demsel­ben feindlich gesinnte Persönlichkeiten verbannt.

— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 9. Oktober aus Frankfurt a. M.: Der Zoologische Garten war an den abge- Halteuen sieben Sechskreuzertagen von 31,218 Personen und an den Zwölfkreuzertagen von 28,960 Personen besucht. — Gestern Abend nach 6 Uhr verstarb ein Arbeiter auf dem Trottoir der Bornheimerstraße. Derselbe war zuvor in einem Kaffeehause ge­wesen, wo er eine Tasse Kaffee und einen Rum getrunken hatte. Da er sich dort schon unwohl fühlte, verließ er auf Zureden des betreffenden Wirthes tu Begleitung eines anderen Mannes das Kaffeehaus, um seine Wohnung aufzusuchen. Wie erwähnt, ge­langte er aber nicht mehr in dieselbe, sondern wurde auf der Straße durch den Tod ereilt. Auf polizeiliche Anordnung wurde der Verstorbene in das Heilig-Geist-Hospital geschafft. — Es dürften im Hinblick darauf, daß nächstes Jahr das Bankhaus Benj. Metzler sei. Sohn und Consorten sein 200jähriges Stif­tungsfest feiert, noch folgende Daten interessiren: Die Firma D. und I. de Neufville wurde 1600, Johann Mertens 1610, Joh. Goll und Söhne 1660 und P. Metzler Sohn 1674 gegründet. Grunelius und Comp. zählt erst 50 Jahre. — Die Blumenkohl­ernte fällt Heuer außerordentlich reichlich aus, in Folge dessen die Preise höchst billig sind. Selbst die ärmste Familie kann sich den Genuß dieses Gemüses für wenige Kreuzer verschaffen. Der Markt bietet durch die Massenhaftigkeit des daselbst aufge­speicherten Kohls einen malerisch schönen Anblick dar.

Lokales und Provinzielles. Hanau, 10. October.

km. Uebermorgen (Sonntag) Abend wird die Theaterkapelle unter Leitung des Herrn Poppelsdorf in den Säälen zur „großen Krone" ein Concert veranstalten und hat für dasselbe ein interessantes Programm in Aussicht genommen.

— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,31 Meter;

Fremden-Liste vom 10. Oktober 1873.

Ilötel Adler.

1) Die Herren: Muvolo, Bijoutier aus Neapel. 2) Schmidt, Bijou­tier aus Pforzheim. 3) Wiegand, Kaufmann aus Köln. 4) v. Kepel, Guts­besitzer aus Hattenbach. 5) Wich, Holzhändler aus Kronach. 6) Leyendecker, Holzhändler aus Mülheim a. Rh. 7) Rau, Holzhändler aus Mülheim a. Rh. 8) Nöndiger, Rentier aus Berlin. 9) Obsselder, Kaufmann aus Arn­stadt. 10) Hamburger, Kaufmann aus Aschaffenburg. 11) Butten, Fabri­kant aus Pforzheim. 12)Schmell, Kaufmann aus , örrach. 13) Brucowsky, Juwelier aus London. 14) Kramer, Kaufmann aus Alzey. 15) Siepmann, Bauunternehmer aus Alzey. 16) Theißen, Bauunternehmer aus Sontra. 17) Kohler, Techniker aus Brühl. 18) Simon, Gastwirth aus Leipzig.

Auszüge aus dem Oeffentlichen Anzeiger zum Amts­blatt der Königl. Regierung zu Cassel.

Bruchköbel. Ueber das Vermögen des Caspar Wenzel von Bruchköbel ist das Concursverfahren eingeleitet und Ter­min zur summarischen Anmeldung der Forderungen an dasselbe und zum Güteversuch auf den 4. November, Vormittags 9 bis