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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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JE 235.Freitag den 10. Oktober.1873.
Bekanntmachungen Kövigl. Landrathsamts dahier.
Der zum Bürgermeister der Gemeinde Oberissigheim gewählte Einwohner Caspar Schäfer ist in seinem Amt bestätigt worden.
Hanau am 6 Oktober 1873.
Der Philipp Breitenstein aus Bruchköbel ist von mir als Todtenbeschauer für die dortige Gemeinde eidlich verpflichtet.
Hanau am 7. Oktober 1873.___________________________
Tagesschau.
— Mit der vor wenigen Tagen neu erfolgten Vereidigung des altkatholischen Bischofs Reinkens und der demselben alsdann zugestellten Königlichen Anerkennungsurkunde ist für Preußen jetzt die altkatholische Frage in der Form gelöst worden. Der Staat hat gezeigt, daß er keinen Unterschied macht zwischen fehlbaren und unfehlbaren Katholiken, daß er den Einen so gut wie den Anderen seinen Schutz gewährt und nur verlangt, daß beide, wenn sie unter diesem Schutze leben wollen, auch seinen Gesetzen Achtung und Gehorsam zeigen. Herr Reinkens hat diese selbstverständliche Verpflichtung übernommen und wird deshalb voraussichtlich in keinerlei Conflict mit der Staatsgewalt gerathen. Sehr mit Unrecht aber findet sich noch hie und da die Meinung verbreitet, als habe der Staat durch diese Bestätigung sich ausdrücklich auf den Boden des Altkatholicismns gestellt. Nichts ist unbegründeter. Der Staat wird auch fernerhin den römischen Bischöfen seine Unterstützung nicht versagen, sobald dieselbe nicht den Schein einer Unterwerfung unter römische Anmaßungen trägt. Die religiöse Frage steht ziemlich außer Spiel, was auch von ultramontaner Seite dagegen vorgebracht wird; der preußische Staat hat Bischof Reinkens anerkannt, weil er einen großen Theil seiner katholischen Angehörigen nicht ohne geistliche Wartung lassen wollte, und es ist sehr zu wünschen, daß die andern deutschen Staaten diesem Beispiel baldigst folgen. (Trib.)
— Dem Festmahl, welches der Cultusminister gestern zu Ehren des altkatholischen Bischofs, Prof. Reinkens, veranstaltet hatte, wohnten außer sämmtlichen Ministern und den bei der Vereidigung des Bischofs hinzugezogenen Personen, auch der Un- terstaatssecretär Friedberg, der Baron von Balan und viele andere hervorragende Staatsbeamte bei. Man gibt sich allgemein der bestimmten Erwartung hin, daß die Regierungen von Bayern, Baden und Hessen sich den Anträgen der altkatholischen Generalsynode auf gleiche Anerkennung des Bischofs Reinkens, wie sie Preußen ausgesprochen hat, willfahren werden.
— Berlin, 9. Oktober. Im Königlichen Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten haben am letzten Freitag unter persönlicher Theilnahme des Handels-Ministers Konferenzen begonnen, welche sich auf die Vorlage über das Eisenbahn-Konzessionswesen beziehen. Die vom Handels-Minister inteudirten Berathungen zur Abhülfe der Eisenbahnunfälle werden in einigen Wochen beginnen.
— München, 8. Oktbr. Der diesmalige Eintritt von jungen Leuten als Einjährig-Freiwillige in die bayerische Armee ist einer der zahlreichsten seit dem Bestehen der neuen Wehrverfassung, was einerseits seinen Grund darin hat, daß nunmehr der Nachweis der wissenschaftlichen Qualifikation durch ein Jah?^
resschlußzeugniß über den regelmäßigen Besuch der II. Klasse eines humanistischen oder Realgymnasiums erbracht werden konnte, während bisher der Besuch der I. Klaffe erforderlich war und anderseits darin, daß in Folge der militärischen Freizügigkeit viele Nichtbayèrn, und zwar besonders Hannoveraner und Schleswig-Holsteiner in die bayerische Armee eintraten. Bei dem Zugänge im März traten besonders solche junge Leute ein, welche ihre Befähigung zum einjährigen Freiwilligendienste durch die eigens hiefür angesetzten Prüfungen dargethan hatten, jetzt traten vorwiegend solche ein, welche durch Schulzeugnisse ihre wissenschaftliche Qualifikation nachweisen konnten; namentlich stark war, der Zugang bei der Artillerie und Kavalerie, was um so be- merkenswerther ist, als bei der Kavalerie und den reitenden Batterien die Freiwilligen außer ihrer eigenen Verpflegung, Bekleidung und Ausrüstung auch noch das Pferd zu stellen haben.
—■ München, 8. Oktbr. Nachdem, einer an das Staatsministerium des Innern ergangenen Mittheilung zufolge, die Rinderpest in Obertrumm bei Salzburg ausgebrochen ist, so wurden vorbehaltlich weitere Maßregeln Einfuhrverbote von Vieh, Dünger, Wolle re. aus und durch Salzburg und Oberösterreich, nach und durch Bayern unterm 6. d. Mts. erlassen.
— Bremen, 2. Oktober. Gestern traten der General- Steuer-Direktor Hasselbach aus Berlin, der Provinzial-Steuer- direktor Sabarth aus Hannover und andere hohe Steuerbeamte aus Oldenburg, Schwerin und Braunschweig hier zusammen, um mit den Vertretern des Senats das Nähere über die Einverleibung des oberhalb der Stadt belegenen Theils des Gebiets am linken Weser-Ufer in das Zollgebiet, namentlich den Zeitpunkt der Einverleibung und die zu erhebende Nachsteuer festzustellen.
— Stuttgart, 8. Oktober. Dem „Schwäbischen Merkur" zufolge tritt der Landtag am 21. Oktober wieder zusammen.
— In der Nähe von Basel ist eine Falschmnnzerbande entdeckt worden, welche sich mit der Fabrikation von französischen Banknoten â 20 Francs befaßte. Die Falsifikate, welche sehr kunstvoll und täuschend nachgemacht sind, tragen die Nummer 823 und 1458.
— Ueber die Fortschritte im französischen Heerwesen schreibt der Pariser Korrespondent der „N. Z. Z.": Die neue Einthei- lung der französischen Armee wurde in den betreffenden Kreisen mit Genugthuung ausgenommen. Sie stellt einigermaßen den ersten Sckritt dar auf der Bahn der Heeresreform, welche bis auf den heutigen Tag im engen Kreise der Theorie gebannt blieb. Was man schon lange vergebens gefordert hatte, ist beinahe verwirklicht. Die ungeheuer stramme Centralisation des Kriegsministers ist gebrochen, und den kommandirenden Generalen, welche bis auf den heutigen Tag sich in einem durchaus abhängigen Znstand befanden, wird ein größerer Spielraum für ihre ersprießliche Thätigkeit geschaffen. Die Decentralisation, die politisch schiffbrüchig geworden ist, findet auf die militärischen Fragen Anwendung. Der Kommandant eines Regionalkorps braucht sich nicht zuerst an die Bureaux der St. Dominique Straße zu wenden, wenn er ein Dutzend Gamaschenknöpfe brauchen sollte, und die Bureaux des Kriegsministeriums, von der unnützen Schreiberei befreit, werden sich ernsteren Dingen zuwenden können. Dabei bleibt die Controle der obersten Militärbehörde ent-