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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Donnerstag den 9. Oktober.

1873.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts dahier.

Dem Vernehmen nach sind mehrere Burschen, welche muth- willigerweise am 2. September d. J. in den Straßen geschossen hatten und deßhalb zur Anzeige gebracht waren, durch richterliches Erkenntniß mit 5 Thlr. Geldstrafe event. 3 Tagen Haft be­straft worden.

Dies möge für künftig zur Warnung dienen.

Hanau am 3. Oktober 1873.

Tagesschau.

Der Homagialeid, den der altkatholische Bischof Reinkens leistete, lautet demR. u. St.-A." zufolge folgendermaßen:

Ich, Joseph Hubert Reinkens, schwöre einen Eid zu Gott dem Allmächtigen und Allwissenden und auf das heilige Evange­lium, daß, nachdem ich zu der Würde eines katholischen Bischofs erhoben worden bin, ich Seiner Königlichen Majestät von Preußen Wilhelm und Allerhöchstdessen rechtmäßigem Nachfolger in der Regierung, als meinem Allergnädigsten Könige und Landesherrn, unterthänig, treu, gehorsam und ergeben sein, Allerhöchstdero Bestes nach meinem Vermögen befördern, Schaden und Nachtheil aber verhüten, die Gesetze des Landes gewissenhaft beobachten und besonders dahin streben will, daß in den Gemüthern der meiner bischöflichen Leitung anvertrauten Geistlichen und Gemein­den die Gesinnungen der Ehrfurcht und Treue gegen den König, die Liebe zum Vaterlande, der Gehorsam gegen die Gesetze und alle jene Tugenden, die in dem Christen den guten Unterthanen bezeichnen, mit Sorgfalt gepflegt werden, und daß ich nicht dul­den will, daß von der mir untergebenen Geistlichkeit im entge­gengesetzten Sinne gelehrt und gehandelt werde.

Insbesondere gelobe ich, daß ich keine Gemeinschaft oder Verbindung, sei es innerhalb oder außerhalb des Landes, unter­halten will, welche der öffentlichen Sicherheit gefährlich sein könnten; und will ich, wenn ich erfahren sollte, daß irgendwo Anschläge gemacht werden, die zum Nachtheile des Staates ge­reichen könnten, hiervon Seiner Königlichen Majestät Anzeige machen.

Ich verspreche, dieses Alles um so unverbrüchlicher zu halten, als ich gewiß bin, daß rnich mein bischöfliches Amt zu nichts verpflichtet, was dem Eide der Treue und Unterthänigkeit gegen Seine Königliche Mäjestät, sowie dem des Gehorsams gegen die Gesetze des Landes entgegen sein kann.

Alles dieses schwöre ich, so wahr mir Gott helfe und fein heiliges Evangelium. Amen!"

Dem Ober-Ingenieur Kaiser zu Berlin ist unter dem 4. Oktober 1873 ein Patent auf eine durch Zeichnung und Be­schreibung erläuterte Vorrichtung zur Bewegung des Expansions- fchiebers bei Dampfmaschinen-Steuerungen auf drei Jahre von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.

Der deutsche Reichstag verliert eine Zierde; der Advo- cat Schulz aus Heidelberg, welcher bisher, als Nachfolger des streitbaren und schreibsüchtigen Bischofs Ketteler in Mainz, den Wahlbezirk Tauberbischofsheim und Walldüren (letzteres ein be­rühmter Wallfahrtsort) in dem Reichstag vertrat und dort dem Centrum", vormalsVerfassungs-Partei", angehört hat, will nachdem er den höchsten Gipfel seiner Größe erklommen,nicht!

mehr mitthun." Die große Mehrzahl der deutschen Reichsbürger wird zwar von diesem parlamentarischen Sterne erster Größe gar nichts wissen. Jedenfalls aber hielten ihn dieSchwarzen" für ein bedeutendes Kirchenlicht, sonst hätten sie ihn nicht an die Stelle des Bischofs geschoben;

Denn schwer ist es, mit Würde sich zu fassen

Auf einem Platz, den Kett'ler leer gelassen."

Schulz selbst schätzte sich offenbar noch weit höher, wie sich aus Folgendem ergibt:

Er war im Ganzen nur in 17 Sitzungen anwesend, hat nur zweimal und zwar in groben Worten ohne Sinn gesprochen und niemals das Geringste in einer Commission oder sonstwie gearbeitet. Gleichwohl aber hält er sich für den hervorragend­sten Parlamentarier. Denn er kanzelte die Andern in einem clericalen Wurstblättchen, das er zu Haus inspirirt, ab, wie die dummen Jungen, namentlich aber die Abgeordneten Völk und Braun, welche ihn einmal, ohne daß er darauf ein Wort zu er­widern wußte, im Reichstag abgefertigt hatten. Schulz' Haupt­rede enthielt die Versicherung, die Franzosen seien diegebildetste" Nation der Erde. Allein um ohne Rückhalt zu zeigen, was er, Schulz, unterBildung" verstehe, verfiel er sofort in derselben Rede in den Ton seines heimischen Wurstblattes. Er ist jedoch sonst ein recht vielseitiger und gewürfelter Mann. Schulz ist nämlich zugleich dunkelrother Demokrat von 1848 und jesuitischer Reactionair von 1858. Auch hat er, obgleich Protestant, feine Tochter in ein katholisches Kloster geschickt und sich in Berlin dem schwarzen Centrum angeschlossen. Ob sein Rücktritt ein ganz freiwilliger ist, weiß man nicht. Die Jesuiten empfehlen zwar sein Wurstblättchen den Bauern, aber für Berlin war doch selbst ihnen sein Auftreten vielleicht etwas zu plump und roh. Statt seiner wird ein katholischer Geistlicher kommen. Es ist übrigens doch merkwürdig, daß auch diese Herren Prediger in der Regel der Rede nicht mächtig sind, sondern sich die profanen Herren Windthorst, Mallinkrodt und Gebrüder Reichensperger, als Advokaten oderorateurs annehmen müssen. Letzteres bessert sich aber vielleicht, wenigstens für Preußen, da ja nunmehr, nach den neuen Kirchengesetzen, auch die katholischen Geistlichen etwas lernen müssen. Freilich wird es damit noch eine Weile dau­ern. (Trib.)

Die Reihen des hiesigen diplomatischen Corps haben sich nach der Abreise des Kaisers und des Reichskanzlers erheblich gelichtet. Die meisten Gesandten haben sich wieder auf Reisen begeben. Erst im November werden sich die Diplomaten wieder hier zusammenfinden, und bis dahin auch die vier Botschafter zurückgekehrt fein. Die Angabe, daß die Errichtung von gegen­seitigen Botschaften Seitens Preußens und Italiens nicht beab­sichtigt wird, bestätigt sich vollkommen.

Mainz, 6. Oct. Gestern Morgen sank in der Nähe von Aßmannshaufen das niederländische Passagierboot Nr. 24. Dasselbe kam zu Berg und hatte viel Gut an Bord.

München, 7. Okt. Das k. Kriegsmimstermm hat verfügt, die im Lanfe dieses Sommers auf die Dauer der Ernte­zeit entlassenen Dispositionsurlauber der Garnison München nunmehr auf den 15. Oktober Abends wieder zum Waffendienste einzuberufen.

Posen, 8. Octbr. Die von derOstsee-Zeitung ge-