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Mittwoch den 8. Oktober.

1873.

Tagesschau.

DieTrib." schreibt in ihrer Tagesschau: In den letzten Tagen sind mehrfach Andeutungen über den Zeitpunkt der bevorstehenden Wahlen zum Landtag ergangen und es er­gibt sich aus ihnen, daß das Ereigniß bereits ziemlich nahe vor­der Thüre steht. Im Allgemeinen, darf man sagen, hat die solchen politischen Krisen vorangehende öffentliche Bewegung bei der diesmaligen Gelegenheit einen auffallend geringen Grad von Intensität gezeigt, wenn auch in einzelnen besonderen Theilen nichts von ihrer früheren Schärfe vermißt wurde. Der gegen früher bemerkte Ausfall an Lebendigkeit und Theilnahme kommt auf das liberale Lager, in welchem in durchaus falscher Siegeszuversicht den doppelt rührigen Ultramontanen gegenüber nicht selten die Hände in den Schooß gelegt werden. Man be­urtheilt die Parteiverhältnisse sehr mit Unrecht nach den zum öffentlichen Ausdrucke gelangenden Meinungen und Ueberzeugungen und vergißt dabei, daß eine große Zahl wahlberechtigter Staats­bürger, wenn nicht die größte, für diesen öffentlichen Meinungs­austausch gar kein Verständniß hat, sich demzufolge auch gar nicht an ihm betheiligt, und in dem Augenblicke, wo sie zur Ausübung ihres politischen Wahlrechts schreitet, sich nicht im Dienste einer freien unabhängigen Ueberzeugung befindet, sondern absolut willenlos mit Demjenigen durch Dick und Dünn geht, der sich die Herrschaft über sie zu verschaffen gewußt hat. Die­ser Zustand kann in katholischen Gegenden der liberalen Sache sehr empfindlich werden, denn diejenige Macht, welcher die Masse dort bedingungslos folgt, ist eben der Clerus, und Diejenigen, die das verschuldet, sind zum nicht geringen Theil die Liberalen. Gerade in katholischen Distrikten tritt der Jndifferentismus der liberalen Parteien am deutlichsten hervor; während man es sich dort angelegen sein lassen sollte, das Volk über materielle Fragen aufzuklären und ihm allmählich den geistigen Zutritt zu politischen Dingen zu verschaffen, zeigt sich beispielsweise in westphälischen Bezirken die umgekehrte Erscheinung, daß die Centrumspartei Grundgedanken des liberalen Princips in ihre Wahlmaniseste aufnimmt, um unter dieser trügerischen Maske auch noch Diejenigen an sich zu locken, welche von den liberalen Parteien zu gewinnen gewesen wären, wenn diese überhaupt den Versuch dazu gemacht hätten. So finden wir in dem west­phälischen clericalen Wahlprogramme für die Reichstagswahlen folgenden Satz in den Vordergrund gestellt:Beschränkung der Ausgaben für die Armee durch angemessene Verkürzung der Dienstzeit und Verminderung der Präsenzstärke des Heeres im Frieden." Dieser Punkt, der mit den heutigen clericalen In­teressen augenscheinlich nicht viel gemein hat, bezeichnet einen nicht unerheblichen Terrainverlust der Liberalen. Wollen die vereinigten liberalen Parteien in jenen katholischen Distrikten bei den Reichstagswahlen dies katholische Programm, bekämpfen, so werden sie sich an den erwähnten Punkt nicht heranwagen dürfen, wenn anders sie nicht das Mißtrauen der Menge wach­rufen wollen; sie werden also nur Fortschrittskandidaten oder Anhänger des äußersten linken Flügels der Nativnalliberalen aufstellen dürfen. Wir lassen hier den Parteistandpunkt gänzlich bei Seite und haben nur constatiren wollen, daß durch gewandtes Manöviriren der Ultramontanen den vereinigten liberalen Par-^

. teien manches werthvolle Stück Terrain entzogen wird, das bei besserem Eifer wohl zu behaupten gewesen wäre.

Berlin. Das Bestreben des Publikums, eine gewisse Wortzahl bei den telegraphischen Depeschen nicht zu überschreiten, verleitet manche Korrespondenten zu Zusammenziehungen von Wörtern, welche nicht allein dem Sprachgebrauche zuwiderlaufen, sondern auch sehr oft jede Zusammengehörigkeit der betreffenden als ein Wort vereinigten Wörter ausschließen. Es werden hier­durch nicht nur dem Telegraphendienste Schwierigkeiten und der Tele­graphenkasse Nachtheile bereitet, sondern es wird auch das eigene Interesse des Korrespondenten geschädigt, da solche ungewöhnliche Wortbildungen erfahrungsmäßig häufig zu Verstümmelungen bei der Beförderung und Aufnahme Veranlassung geben. Es hat deßhalb die Generaltelegraphendirection die Anweisung ertheilt, in allen den Fällen, wo es unzweifelhaft feststeht, daß die ange­wendete Zusammenziehung von Wörtern dem Sprachgebrauche zuwiderläust, die Depeschenaufgeber auf das Unzuverlässige der­selben aufmerksam zu machen, eventuell die betreffenden Depeschen den wirklich zur Verwendung gekommenen Wörtern entsprechend auszutaxiren. In zweifelhaften Fällen ist die Entscheidung des Vorstehers der betr. Telegraphenstation zu erfordern.

Berlin, 7. Okt. DerSpener'schen Zeitung" zufolge wohnten der Vereidigung des Bischofs Reinkens der Unterstaats- secretär und die Räthe des Cultusministeriums, sowie die vom Bischof adhibirten Zeugen, darunter auch Knoodt und Hasenclever bei. Nach einer Ansprache des Cultusministers, in welcher der­selbe hervorhob, es sei eine Pflicht der Gerechtigkeit, daß der Staat den Altkatholiken helfe, umsomehr als dieselben bereit seien, dem Kaiser zu geben was des Kaisers sei, erwiderte Rein­kens in ähnlichem Sinne und leistete dann den Schwur der Treue. Aus der Eidesformel, die sich dem bisherigen Eide der katholi­schen Bischöfe möglichst anschloß, waren diejenigen Stellen ent­fernt, aus welchen katholische Bischöfe bisher zu interpretiren gesucht hatten, daß das Gelöbniß des Gehorsams gegen die Staatsgesetze nur so weit gehe, als der dem Papst geleistete Eid nicht entgegenstehe. Heute Nachmittag findet bei dem Cultus- minister zu Ehren des Bischofs Reinkens ein Diner statt, dem sämmtliche Minister beiwohnen werden. DieSpener'sche Zeitung" bestätigt, die Synodalrepräsentanz werde nunmehr auch bei den Regierungen von Bayern, Baden und Hessen die Aner­kennung beantragen. Der altkatholische Bischof Reinkens hat heute Vormittag in Gegenwart der von ihm adhibirten bekann­ten Zeugen den Eid in die Hand des Cultusministers abge­

leistet. N. Franks. Presse

Dem Maschinen-Direktor C Schönemann zu Breslau ist unter dem 1. Oktober d. I. ein Patent auf eine Vorrichtung an Druckpumpen zur Ausgleichung des Wasserdrucks über und unter dem Druckventil in der durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzung, ohne Jemanden in der Benutzung, bekannter Theile zu beschränken, auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staates er­theilt worden.

Darmstadt, 7. Oktbr. Heute Morgen 3 Uhr 30 Mi­nuten wurde ein heftiger Erdstoß sowohl hier wie im ganzen Odenwald verspürt. r . , _

München, 6. Okt. Zufolge allerh. Entschließung