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Freitag den 3. Oktober.
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1873.
Tagesschau.
— Die Frage, ob Fürst Bismarck den Kaiser nach Wien begleiten wird, oder nicht, wird seit Wochen ventilirt und hat in der Presse zu der verschiedenartigsten Beantwortung Anlaß gegeben. Thatsächlich wünscht der Kaiser dringend die Begleitung seines Kanzlers nach Wien, und andererseits hat Fürst Bismarck schon im Frühjahr für seine Person die feste Absicht ausgesprochen, dem Wunsche des Kaisers zu genügen. Dieser letztere ist ihm bei seiner hiesigen Anwesenheit in der vergangenen Woche erneut in dringendster Weise ausgesprochen worden, und es gilt als selbstverständlich, daß Bismarck die Reise nach Wien unternehmen wird, falls es sein Gesundheitszustand gestattet. Alle Angaben außer diesem Sachverhalt beruhen auf Erfindung. (Trib.)
— Die Ultramontanen können über die Loyalitäts-Adresse, welche den Namen des Herzogs von Ratibor trägt, und deren Unterzeichner sich „Staatskatholiken" nennen, nicht zur Ruhe kommen. Die „Germania" meldet täglich eine Menge von Unterzeichnern dieser Adresse, welche ihre Unterschrift unter jene Kundgebung an den Kaiser irrthümlich gemacht zu haben erklären und dieselbe zurückziehen. Dem gegenüber ist es wirklich interessant zu beobachten, welcher verwerflichen und geradezu abscheulichen Mittel sich die Jesuiten bedienen, um die Zurückziehung solcher Unterschriften zu ermöglichen. So wird der „Trib." vom Rhein her gemeldet, daß mehreren Mitgliedern katholischer Familien von den Geistlichen die Trauung verweigert worden, sofern sie sich nicht entschließen wollten, ihre Unterschrift unter der Staats- katholikenadresse zurückziehen. Und solchem Gebühren gegenüber wagen die Heuchler noch von ihrer Loyalität zu fabeln, und ihre Freunde die Gemeingefährlichkeit dieser Leute zu bestreiten !
— Dem Civu-Jngenieur Hugo Nehrlich zu Frankfurt a. M. ist unter dem 30. Sept. 1873 ein Patent auf eine Maschine zur Kälteerzeugung in der durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzung, ohne Jemanden in der Anwendung bekannter Theile derselben zu beschränken und dem Ingenieur George Leach zu Leeds in der Grafschaft Jork unter dem 1. Oktober d. J. ein Patent auf eine Maschine zur Doublirung des Wollfließes und zur Verwandlung desselben in ein endloses Band, und auf eine Maschine zum Zertheilen dieses endlosen Bandes in gleichlange Stücke, auf beide Maschinen in der durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzung, ohne Jemand in der Benutzung der bekannten Theile beider Maschinen zu beschränken, auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.
— Wie früher die Zinscoupons der Märkisch-Posener Eisenbahn nicht eingelöst wurden, so circuliren gegenwärtig Divl- dendenscheine der nicht vollendeten Breslau-Warschauer Bahn, die einen Nennwerth von 10 Thalern haben sollen. Das Papier ist werthlos, und warnen wir deshalb vor Annahme desselben.
Manuh. Tgbl.
— Worms, 1. Oktbr. Der Gemeinderath hat in seiner gestrigen Sitzung einstimmig eine Adresse an die erste Kammer beschlossen, in welcher er die Annahme des Schulgesetzes in der von der zweiten Kammer beschlossenen Fassung empfiehlt und
zugleich auf die segensreichen Erfolge der seit 50 Jahren hier bestehenden Communalschulen hinweist.
— Vom Oberrhein. In unserer Gegend, so schreibt die „N. Frftr. Pr.", sowie im Schwarzwalde wandern Nachkommen Tetzels umher. Dieselben kommen nicht direct aus Rom, sondern vom Kloster Einsiedeln. Sie bieten Ablaßzettel, das Stück, je nachdem sie den Käufer finden, zu 48 kr. bis 1 fl. an. Diese Krämer wissen genau die Häuser in den Orten zu finden, wo man ihnen beim Verkaufe behülflich ist. Es werden einträgliche Geschäfte gemacht; wohin aber das Geld fließt, wissen wir nicht.
— Metz, 25. Sept. Die „Metzer Ztg." schreibt: In der letzten Zeit kamen fast täglich junge Soldaten, in völliger Ausrüstung über die französische Grenze und meldeten sich bei der hisigen Militärbehörde. Es find dies Reichständer, welche eine kurze Zeit in der französischen Armee gedient haben und aus verschiedenen Gründen fahnenflüchtig wurden. Vor allen Dingen will den Leuten die 5 Jahre dauernde Dienstzeit nicht gefallen, noch viel weniger aber die gemachte mißliche Erfahrung, daß trotz der Opfer, welche sie Frankreich durch ihre Option brachten, ihnen oft ihre germanische Abkunft vorgeworfen und eine sehr stiefmütterliche Behandlung ihnen zu Theil wurde, sowie, daß man den vielen gemachten Versprechungen, als Begünstigungen u. dgl. die That niemals folgen lassen wollte. Offenbar hat man es hier mit irre geführten jungen Leuten zu thun, die weniger durch eigene Schwärmerei für Frankreich als vielmehr durch allerhand Aufhetzereien veranlaßt wurden, in Frankreich Militärdienste zu nehmen. Vor einigen Tagen erst sahen wir einen auf diese Weise aus der Heimath fortgemaßregelten jungen Mann nach Frankreich auswandern; die Thränen in den Augen sprachen deutlich von der Verzweiflung, die sein Herz erfüllte. Wenn nun später ein bitteres Geschick die Reue über ihre That zum Durchbruch kommen läßt, dann sind nur wenige dieser verführten Jünglinge in der Lage, sich durch Flucht dem undankbaren Lande zu entziehen, das nur Spott und Verhöhnungen für sie übrig hat.
— Paris, 1. Oktbr. Gambetta wohnte dem Bankett in Perigneux bei und hielt eine Rede, worin er u. A. sagte: Die Republik würde triumphirt haben, wenn die monarchistischen Parteien nicht kapitulirt hätten. Wenn man aber berücksichtige, daß ganz Frankreich ohne Unterschied der Parteifahne der deutschen Invasion widerstanden, müsse Alles vor der Vaterlandsliebe zurücktreten, und über Republik und Freiheit stehe Frankreich und seine Unabhängigkeit. Augsb. Wmdztg.
— Paris, 2. Oktbr., Morgens. Der mit den Funktionen des Maires von Pèrigueux beauftragte dortige Beigeordnete Bourdeillete ist auf zwei Monate von seinem Amte spuspendirt worden, weil er Gambetta die gemeldete Rede ohne Widerspruch halten ließ.
— Paris. Wer sich davon überzeugen will, daß in den legitimistischen Kreisen an der „Rückkehr" Henri V. in aller Kürze („noch in dieser Saison") nicht gezweifelt wird, der braucht nur in das Faubourg St. Germain zu gehen. Die alten Paläste des legitimistischen Adels in der Rue de Lille, der Rue St. Dominigue, Grenelle Varennes u. f. w., werden m aller Eile hergerichtet; Maler, Tapezirer und sonstige Arbeiter sind