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die Zeitung gerathen n. dgl. Darüber, welcher Bewohner des erzbischöflichen Palastes den Artikel fabricirte, und welcher erz- bischöfliche Lakai denselben zum Abdruck überbracht hat, gibt der „Allam" keine Auskunft. Er ist ja dazu auch durchaus nicht verpflichtet. Es zeigte sich jedoch auch hier, wie bedenklich es ist, von gewohnten Bahnen abzuweichen. Der Widerruf wurde dem „Allam" von seinen Feunden verübelt, und um sich nun bei diesen wieder „herauszupauken", hat das erzbischöfliche Blatt es für nöthig erachtet, feinen Bericht über die Ankunft des Königs Victor Emanuel in Wien mit folgenden lieblichen Worten einzuleiten: „Trotz des Standpunktes, welchen wir diesem gekrönten Theilhaber an tausendfachen Verbrechen gegenüber einnehmen» wollen wir doch unsere geehrten Leser auf dem Niveau der Ereignisse halten. Und darum werden wir täglich ganz kalt über die Ereignisse referiren, wie wir über Hagel, Cholera, Akrobaten rc. zu thun pflegen." In Folge dieser Rückkehr zu den bewußten Grundsätzen und dem classischen Geschmacke der Jesuitenpartei herrscht große Befriedigung im clericalen Lager; und wenn Herr Majunke in Berlin derselben noch keinen Ausdruck gegeben hat, so liegt die Vermuthung nicht fern, daß Neid und Verdruß darüber, daß er den Erzbischöflichen in Gran es nicht gleichthun kann, ihm die sonst so beredten Lippen geschlossen. (Trib.)
— Darmstadt, 30. Sept. Die Landessynode beschloß auf Antrag Schwabe's mit 28 gegen 24 Stimmen, daß die nächste ordentliche Synode das positive Mitwirkungsrecht der Gemeinden bei Besetzung der Pfarrstellen gesetzlich regeln soll.
— Aus Bayern schreibt man dem „Nb. Korr.": Ist Ihr Korrespondent recht berichtet, so steht eine Grenz- und Juris- diktions-Purifikation zwischen der Krone Bayern und dem Groß- herzogthum Sachsen-Weimar, wegen der zu letzterem gehörigen Enklave Ostheim in naher Aussicht. Nach unserem Dafürhalten wäre es das Rationellste, auf Mittel und Wege zu sinnen, die Enklaven vollkommen von der bayerischen Landkarte verschwinden zu lassen.
— München, 29. Septbr. Die zur Neubewaffnung der bayerischen Gendarmerie erforderlichen 3000 kurzen Bajonnett- gewehre mit Werder'schem Verschlußmechanismus werden im Auftrage der bayerischen Regierung von Brüsseler Waffenfabriken hergestellt; die Anfertigung hat sofort zu beginnen und ist so viel wie möglich zu beschleunigen; die fertigen Gewehre sind partienweise einzusenden und werden dann nach genauer Untersuchung an die Mannschaft abgegeben.
— München, 30. Sept. Wie wir vernehmen, hat der bayerische Episkopat bei seiner Versammlung in Eichstätt in Betreff der k. Verordnung vom 29. v. Mts., „die Bildung der Volksschulen betr.", auch eine direkte Vorstellung an Se. Maj. den König beschlossen und ist dieselbe von der allerh. Stelle dem k. Kultusministerium bereits zugestellt worden.
— München, 30. Septbr. Die bayer. Hypotheken- und Wechselbank hat heute ihren Diskonto erhöht: für Wechsel von 4^2 auf 5 und für den Lombard von ö1^ auf 6 Procent.
— Posen, 30. Sept. Der Ober-Präsident der Provinz Posen benachrichtigte, dem Vernehmen nach, den Erzbischof Le- dochowski, daß die Regierung die Privatreligionsschulen, deren Besuch den katholischen Schülern der höheren Lehranstalten jetzt verboten ist, schließen und gegen die an denselben vom Erzbischof angestellten Geistlichen zwangsweise vorgehen wird. — Die „Ostdeutsche Zeitung" sagt, daß die gegen den Erzbischof Ledochowski eingeleitete Temporaliensperre sich nur auf dessen Jahrescompetenz (12,000 Thlr.) beziehe. R. grants. Presse.
— Wien, 1. Oktbr. Ein von mehreren Mitgliedern des , Gemeinderathes gestellter Antrag, dem Kaiser aus Anlaß der Feier des sünfundzwauzigsten Jahrestages seines Regierungsantritts eine Glückwunsch-Adresse als Ausdruck treuer Ergebenheit darzubringen, wurde einstimmig angenommen.
— Wien, 27. Sept. Das Amtsblatt veröffentlicht die kaiserliche Verordnung, durch welche die Eiugangszölle für Getreide und Hülsenfrüchte für die Dauer eines Jahres, d. i. vom 1. Oktober 1873 bis Ende September 1874, aufgehoben werden.
— Der Beschluß, welcher den Marschall Bazaine vor das
Kriegsgericht stellt, und der nach der Eröffnung der gerichtlichen Verhandlung vorgetragen werden wird, lautet:
Herr Bazaine (Francois Achille), Marschall von Frankreich, ist angeklagt, am 28. Oktober 1870 1) mit dem Feinde kapitulirt und den Platz Metz, über welchen er das Ober-Kommando hatte, übergeben zu haben, bevor er alle Vertheidigungsmittel, die ihm zur Verfügung standen, erschöpft und Alles gethan hatte, was die Ehre und Pflicht ihm vorschrieb; 2) als Oberbefehlshaber der Armee in offenem Felde eine Kapitulation unterzeichnet zu haben, in Folge deren seine Truppen die Waffen streckten; nicht Alles, was ihm die Pflicht und die Ehre vorschrieb, gethan zu haben, ehe er mündlich und schriftlich unterhandelte; Verbrechen, vorgesehen in den Artikeln 209 und 210 des Militär-Strafgesetzbuches, die auf obige Verbrechen Todesstrafe mit militärischer Degradation setzen. Daraufhin ist er vor das erste Kriegsgericht des ersten Militärbezirks verwiesen.
— Paris, 1. Oktbr., Morgens. Der „Gaulois" weist eine Verbindung der Republikaner und Bonapartisten, wie sie gegenwärtig vorgeschlagen worden, zurück, befürwortet aber eine folche, die auf direktem Appell an das Volk gerichtet sein würde.
— New-Aork, 30. Sept. Die Situation fährt fort sich zu bessern. Morgen wird ein Bericht des Schatzsekretärs erscheinen, welcher eine beträchtliche Reduction der öffenltichen Schuld coustatirt.
— Newyork, 1. Oktbr. Schatzsckretär Richardson weigert sich, den Banken kourshabende Werthe zum Ankauf von Wechselbriefen zu liefern. Das Postdepartement wird unverzüg- Werthe im Betrage von 3 Millionen Dollars in Umlauf fetzen, indem es seine kontraktlichen Verbindlichkeiten saldirt. — Der Getreide- und Baumwollenhandel kommt wieder langsam in Gang. In Chicago hält die Union-Bank ihre Zahlungen noch eingestellt. (Neue grants. Pr.)
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 2. Oktober aus Frankfurt a. M.: Der landwirthschaftliche Verein wird sich in feiner kommenden Samstag stattfindenden Sitzung mit der Bewilligung eines Credits von ca. 10,000 fl. für den projectirten Maschinen-, Fett- und Zuchtviehmarkt, für dessen Hebung namhafte Prämien ins Auge gefaßt sind, beschäftigen. Wie wir hören, soll die Stadt angegangen werden, auch ihrerseits, wie dies von anderen Communen, welche hierin mit gutem Beispiel vorangingen, geschehen, durch Genehmigung von Preisen ihre Interesse an der Hebung des Platzes zu bethätigen. — Gestern gegen Abend fand auf der Zeil vor dem Hause Mozart ein großer Röhrenbruch der Wasserleitung statt. Das Pflaster war auf einige Klafter hin ganz unterhöhlt, während tief unten eine gelbe Masse dem Boden entquoll.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 2. October.
—d. Vor der Dörr'schen Wirthschaft (früher Schnabel's Felsenkeller) stehen zwei Kastanienbäume in Blüthe.
* Das Amtsblatt der Königl. Regierung zu Cassel macht in Nr. 38 bekannt, daß zur Wahl der Abgeordneten der Gewerbesteuerklasse A. I. für die Wahlperiode 1874/1876 bezüglich des Wahlbezirks Hanau Termin auf Sonnabend den 11. k. M., Nachmittags 3 Uhr, nach Hanau in das Rathhaus anberaumt worden ist. — Dasselbe Blatt veröffentlicht die Namen der Hrn. Wahlcommissare für die bevorstehende Abgeordnetenwahl und ist für den 14. Wahlbezirk (Kreis Hanau) Herr Landrath Freiherr v. Schrötter bestimmt.
— Der Taxpreis eines Blutegel ist nach einer Bekanntmach Kgl. Regierung zu Cassel vom 27. Sept, nach dem Amtsblatt vom 1. Octbr. d. J. bis ultimo März k. I. auf 1 Sgr. 6 Heller festgesetzt.
— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,35 Meter;
— Der Oberförstercandidat Heinrich Uth zu Fulda, welcher seither im Regierungsbezirke Marienwerder commiffarisch beschäftigt war, ist zum Revierförster zu Marjoß, Oberförsterei Steinau, ernannt worden.