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— Leipzig, 26. Sept. Der Schriftsteller Roderich Bene­dix ist heute Mittag nach langem Krankenlager verschieden.

— Basel, 26. Sept. Die mit Revision des Bundesver­fassung beauftragte Commission des Nationalraths hat das fakul­tative Referendum mit der Modifikation angenommen, daß statt 5, künftig 8 Kantone den Antrag auf dasselbe stellen müssen, wogegen das Initiativrecht gestrichen werden soll.

— S u n e ü i i [ e, 25. Sept. Das Tribunal verhandelte heute die Anklage wegen der bekannten Mißhandlung Deutscher. Zwei der Angeklagten, darunter der Elsässer Schwarz, wurden thätlicher Beleidigung überführt und zu vier Monaten, ein dritter wegen nachgewiesener Bedrohung zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt. Das zahlreich versammelte Auditorium zeigte bei der Urtheilspublikation lebhafte Erregung; es fand jedoch keine Ruhestörung statt.

— Der Herzog von Broglie hielt jüngst in Beinah einè Rede, die eine ganz offene Schildrede für den König und voll dick aufgetragener Schmeicheleien für die Bauern ist, denen der Redner die Restauration mundrecht zu machen sucht. Die be- merkenswerthen Stellen dieser Rede lauten: „Danken wir unse­rem theuren Vaterlande, beglückwünschen wir es zu allem, was es Gutes gethan hat; danken wir dem so heimgesuchten, aber so tapferen Vaterlande, das in zwei Jahren, indem es sein schreck­liches Lösegeld bezahlte und zwischen den Händen seines Siegers ein abgerissenes Stück seines Fleisches ließ, doch die Kraft fand, seine Wunde zu schließen, sein edelmüthiges Blut wieder zu ge­winnen und heute sein edles Antlitz zu erheben, dessen Schönheit weder durch die Spur seiner Thränen, noch durch die Narben seiner Wunden entstellt wurde! . . . Bei dieser wieder beginnen­den Auferstehung Frankreichs haben alle Klaffen ihren Antheil. Die Industrie und der Handel trugen durch ihren Reichthum dazu bei. Aber der Ackerbau hat auch seinen bescheidenen An­theil.....Ich sagte letztes Jahr, daß für die gute Vertheidi­

gung der Gesellschaft gegen die sie in ganz Europa bedrohenden Gefahren ich diese Armee von ackerbautreibenden Ordnungssolda­ten selbst den großen Grundbesitzern vorziehe, die, wie man in den benachbarten Ländern sieht, fast den ganzen Grundbesitz zu­rückhalten und inmitten einer gleichgiltigen Menge isolirt bleiben. Was ich gesagt, wiederhole ich; aber lassen Sie mich hinzufügen, daß dieses Alles nur unter einer Bedingung wahr ist, nämlich unter der, daß Sie den treulosen Rathschlägen der Fraktionen widerstehen, die Sie Betreffs der zukünftig wohl erworbenen Rechte zu erschrecken suchen; man bemüht sich. Ihnen im Ge­heimen zu sagen, daß es Jemand in Frankreich gibt, der un­sinnig genug ist, um Sie des freien Gebrauchs dieser Rechte zu berauben; dieses ist nicht, dieses wird nie sein. Diese lächerlichen Befürchtungen sind nicht würdig, den gesunden Menschenverstand der Ackerbauer der Normandie einen Augenblick lang zu beunruhigen. Sie wissen, daß man den sozialen Zustand des modernen Frank reichs ebenso wenig zerstören kann, wie die Grundlagen des Bodens, derSieträgt. Kein Mensch, keine Partei kann daran denken. Inden Grenzen dieses sozialen Zustandes, aus denen Niemand heraus­treten kann, werden alle politischen Fragen besprochen werden, die wir zu lösen haben. Unsere^Bevölkerungen wissen es, und sie erwarten mit Vertrauen unter der Aegide des uns regieren­den loyalen Soldaten den souveränen Beschluß der Nationlver- sammlung." AugSb. Abendztg.

— Madrid, 25. Sept. Der Finanzminister hat von Lon­don Nachrichten erhalten, denen zufolge die dort gepflogenen Unterhandlungen wegen Aufnahme einer Anleihe nahe zum Ab­schluffe gelangt sind; die neue Operation soll dem Sckatz meh­rere 100 Millionen bringen. Außerdem soll die Regierung Aus­sicht haben, Seitens der Madrider Finanzwelt eine bedeutende Summe aufzunehmen, wodurch sie in den Stand gesetzt sein würde, allen Verbindlichkeiten des Staatsschatzes nachzukommen. General Moriones ist in Tolosa eingetroffen.

— Madrid, 26. Sept. Die „Correspondencia" versichert, das Gerücht von dem bevorstehenden oder schon erfolgten Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien sei unbe­gründet.

— Nach telegraphischen Mittheilungen von carlistischer Seite

wäre die Belagerung von Tolosa auf ausdrücklichen Befehl des Don Carlos aufgehoben, weil die Belagerungstruppen zur Zer­störung der Waffenfabriken in Eibar und Placencia verwendet werden sollen.

— Die Fregatten „Victoria" und „Almansa" find, nach der Regierung zugegangenen Meldungen, von dem englischen Admiral den spanischen Behörden übergeben worden.

— Die carlistlsche Abtheilung unter Merondon ist, wie die Regierung ferner mittheilt, geschlagen und zersprengt worden. Der Anführer Merondon ist gefallen.

— Die „Neue Frkftr. Pr." bringt folgende zwei Depeschen: K o n st a n t i n o p e l, 27. Sept. In Folge der Nachrichten aus Amerika war die hiesige Börse bewegt. Türkische Consols schlos­sen 5526, alle übrigen Werthe niedriger. — New-Aork, 27. Sept. Gold notirte Mitags IlöVa, dann 1145/s. In Louis- ville wurden die Sparbanken German Masons und Central Savings geschlossen. Die Präsidenten der Banken in Boston ;aben beschlossen, nur kleine Summen in Papier zu zahlen und 2 Millionen Anleihecertifikate auszugeben.

— Tanger, 26. Sept. Muley Abbas, der Bruder des verstorbenen Sultans von Marokko, wäre, dem Vernehmen nach, zu dessen Nachfolger proklamirt. (R. u. gt. ar.)

— New-Aork, 26. Sept. Mehrere nicht bedeutende Häuser stellten ihre Zahlungen ein. Die finanziellen Schwierig­eiten waren heute Abend noch nicht gehoben.

— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 27. Septbr. aus Frankfurt a. M.: Der lutherische Gemeinde-Vorstand ist einer zroßen Gefahr entronnen. In der Kathrinenkirche nämlich, zu )eren Renovirung man Jahr und Tag brauchte, stürzte gerade auf die Sitze des Vorstandes, welche derselbe beim Gattesdienst inne hat, der ganze obere Theil eines Epitaphiums herab und chlug den Kirchenstuhl ein. Wäre dies zur Zeit des Gottes- nenstes geschehen, so hätte der Unfall Menschenleben gekostet. — In Folge des glücklichen Ereignisses des Einlaufens Vogelsber­ger Wassers in das Hochreservoir fand unter den Höchstbethei­ligten eine kleine Festlichkeit statt, bei welcher in Champagner- Gläsern „Vogelsberger 1873" credenzt wurde. Bis gestern Abend waren im Hochreservoir ca. 2 Meter Wasser. — Fried­rich Hecker kam gestern Nachmittag in die hiesige Stadt und stieg im „Brüsseler Hof" ab. Er besuchte weder den Palmen- noch den Zoologischen Garten, sondern nur eine ihm verwandte und befreundete Familie und reiste heute Vormittag wieder fort.

— Folgende Notiz in einem uns vorliegenden Wiesbade- ner Blatt ist für uns Hanauer jedenfalls von großem Interesse:

Wiesbaden, 24. Sept. Vorgestern Abend nach Beendi­gung des Feuerwerks wurde den anwesenden Gästen im Kurhause noch ein ganz besonderer unerwarteter Genuß geboten. Das durch seine ausgezeichneten Leistungen auch über die Grenzen seiner Vaterstadt Hanau bekannte Weins'sche Gesangsquartett trug an jenem Abende einige Gesangspiecen mit vorzüglichster Meister­schaft im Kursaale vor, begleitet von ungetheiltem Beifalle der Anwesenden. — Die größte Anerkennung müssen wir diesen Sän­gern zollen, welche aus eigenem Antriebe, auf eigene Kosten von Hanau herüberkamen, um so wesentlich zur Verschönerung der Festlichkeiten beizutragen. — Es freut uns noch vernommen zu haben, daß es in der Absicht der Kurdirektion liegt, ein Concert im Kursaale im Laufe des Winters unter freundlicher Mitwjr- kung des Weins'schen Quartetts zu arrangiren.________________

Lokales und Provinzielles.

Hanan, 29. September.

—d. Der in voriger Nummer des „Hanauer Anzeigers" in Aussicht gestellte Besuch der Vereine „Frohsinn" und „Melomft- nia" von Aschaffenburg wurde gestern an dem herrlichen Herbst­sonntage ausgeführt. Gegen Vk Uhr traf der Zug ein, der uns die Gäste zusührte, zu deren Empfang sich im Bahnhöfe eine große Zahl Freunde eingefunden hatte, und nach kurzer Be­grüßung und Händedruck wurde sofort in das Hauptquartier für den Abend — „Centralhalle" — eingerückt, ein erstes Glas mit­genommen und hierauf der projektirte Spaziergang in den Phi-