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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Montag den 29. September.
1873.
Zk l" ' -Einladung. 9
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Hanauer Anzeiger
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Die Expedition.
Tagesschau.
— Die „Trib." sagt in ihrer Tagesschau Nr. 112 folgendes über die Conferenzen der italienischen Minister mit dem Deutschen Kanzler: „Die Conferenzen der leitenden italienischen Minister mit dem Deutschen Kanzler sind beendet; die durch Unwohlsein verzögerte Hierherkuufr des Letzteren hatte zu Combinationen Veranlassung gegeben, die an die Lamarmora'schen Enthüllungen anknüpften, deren politische Unreife indeß von Jedem sofort erkannt werden mußte, der die Persönlichkeit des Fürsten Bismarck kennt. In einem Augenblicke, wo das politische Interesse ganz Europa's, sei es sympathisch, sei es mit Widerwillen, sich auf die Besuchsreise des Königs von Italien vereinigt, wo die Bahnen der italienischen sowohl wie der deutschen Politik auf lange Zeit hinaus eine neue und bedeutungsvolle Richtung empfangen, in einem solchen Augenblicke sollte der Kanzler des deutschen Reiches in einem Pommerschen Winkel schmollend verharren und dadurch öffentlich bekunden, daß er der von der öffentlichen Meinung längst verurtheilten Ten- denzarbeit Lamarmora's irgend einen nachhaltigeren Eindruck auf sich verstattet habe, — das haben wohl nur sehr wenig Leute überhaupt für möglich halten können. Nein, es ist den Ultramontanen und ihren antinationalen Genossen nicht zu ersparen : die Verhandlungen der beiderseitigen Staatsmänner haben stattgefunden, und es war vollauf Zeit genug vorhanden, um in mündlicher Absprache keinen der Punkte unberührt zu lassen, über welche ein Meinungsaustausch und eine.Verständigung der deutschen und italienischen Politik überhaupt wünschens- werth ist. Daß Alles, was über den Inhalt dieser Unternehmungen in den nächsten Tagen auf den öffentlichen Markt gebracht werden wird, in das Reich der Conjectur gehört, ist selbstverständlich, doch ist damit nicht gesagt, daß eine unbefangene und klare Würdigung der gegebenen Verhältnisse nicht im Stande sein sollte, der Wahrheit nahe zu kommen. Den meisten Staub wird vermuthlich auch bei diesem Anlaß wiederum die Frage von der künftigen Papstwahl aufwirbeln, ein Ereigniß,
welches, je näher sein unvermeidlicher Eintritt gerückt wird, desto mehr in den Vordergrund tritt. Wir lassen dahin gestellt, ob, wie verschiedentlich behauptet wird, diese Angelegenheit den „Kern" der Absprache unter den Ministern bildet, nur sind wir dessen gewiß, daß sie bei den vertraulichen Besprechungen schwerlich unberührt bleiben wird. Mit Pius IX. ist jede Aussöhnung unmöglich geworden; im Interesse des europäischen Friedens aber ist es darum dringend erwünscht, daß ihm ein Nachfolger gegeben werde, welcher den Verlust der weltlichen Herrschaft als vollzogene Thatsache betrachtet. Einen versöhnlich gesinnten Papst auf dem Stuhl Petri zu sehen, ist eben so sehr das Interesse Deutschlands wie das Italiens, und ohne die nicht sehr erquickliche Materie von dem Recht der Exclusion zu berühren, läßt sich Angesichts der heutigen Verhältnisse doch mit Sicherheit behaupten, daß eine Thatsache von der Tragweite und Bedeutung der römischen Papstwahl ohne jegliche Entschlußnahme der Staaten nicht vollzogen wird und werden kann. Die Ultramontanen mögen sich hinter mehr oder minder stichhaltige canonische Sätze verschanzen: sind die Staaten von der Nothwendigkeit überzeugt, sich gegen gewisse Eventualitäten schützen zn müssen, so wird es ihnen an den legalen Mitteln dazu nicht fehlen. Ob zwischen Italien und Oesterreich eine volle Uebereinstimmung in dieser Frage möglich ist, muß allerdings bezweifelt werden; während Italien dem Grundsatz der Trennung des Staats von der Kirche in allen seinen Konsequenzen anhängt, stellt Oesterreich das Prinzip der Nichteinmischung an die Spitze. Die beiderseitigen Ansichten werden deshalb immer eine gewisse Schattirung zeigen, die aber sofort wieder verschwindet, wenn gemeinsame Interessen bedroht werden, wie dies z. B. durch einen französischen Papst der Fall sein würde. In ziemlich gleichem Falle ist Deutschland, für welches ein französischer Papst ein dauernder politischer Agitator der schlimmsten Sorte wäre. Man ersieht daraus, daß die drei Mächte bei aller Verschiedenheit der Auffassung im Einzelnen doch leicht in eine Lage kommen können, für welche sich eine gemeinsame Haltung auch ohne geschriebene Verträge von selbst ergibt." —
— Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: Den Geheimen Ober-Regierungs-Rath Dr. Jacobi zum Wirklichen Geheimen Ober-Regierungs- und ersten vortragenden Rath im Staats-Ministerium mit dem Range eines Rathes erster Klasse zu ernennen.
— Bis zum 6. Septbr. d. Js. waren in den Münzstätten des Deutschen Reichs in Zwanzigmarkstücken 764,592,780 Mark und in Zehnmarkstücken 126,690,480 Mark ausgeprägt worden. In der Woche vom 7. bis 13. Sept. d. I. sind ferner geprägt in Zwanzigmarkstücken: in Berlin 6,159,400 Mark, in Hannover 2,394,480 Mark, in München 1,876,440 Mark, in Stuttgart 1,393,820 Mark, und in Darmstadt 377,460 Mark. Ueber die in dieser Woche in der Münze in Frankfurt a. M. ausgeprägten Reichsgoldmünzen liegt ein Nachweis noch nicht vor.
Die bis jetzt nachgewiese Gesammt-Ausprügung stellt sich demnach auf 903,484,860 Mark, wovon 776,794,380 Mark in Zwanzigmarkstücken und 126,690,480 Mark in Zehnmarkstücken bestehen.
— Berlin, 27. Sept. Schriftstellerin Louise Mühlbach ist gestern Mittags verstorben.