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HanllUttAnzeiaer
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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Die Lipalt. Zeile
2 Sgr. J
^222.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
DieSspaltigeZeile 3 Sgr.
Donnerstag den 25. September.
1873.
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Auf das mit dem 1. Oktober cr. beginnende neue Abonnement für den außer Sonn- und Feiertags täglich erscheinenden
Hanauer Anzeiger
und dessen Unterhaltungs-Blatt erlauben wir uns ergebenst einzuladen.
Bei seinem billigen Preise von 22^2 Sgr. pro Quartal bietet der Anzeiger neben der Reichhaltigkeit seines Inhaltes in seiner Tagesschau durch rasche Mittheilung der wichtigsten Ereignisse die Annehmlichkeiten einer Zeitung, so daß seine Leser dem Laufe der Tages-Ereignisse stets folgen können und werden wir auch fernerhin besorgt sein, in das Unterhaltungs- blatt nur gute und spannende Erzählungen rc. aufzunehmen.
Abonnements nehmen alle Postanstalten, hier die Expedition (Hammergasse Nr. 9, im Waisenhause) entgegen.
Die Expedition.
Tagesschau.
— Das Generalpostamt macht unterm 18. September bekannt: Vom 1. Oktober ab wird das Porto für frankirte Briefe und für Postkarten nach Portugal, Schweden und Spanien auf 2V2 Groschen im einfachen Satze ermäßigt. Für Drucksachen und Waarenproben nach Schweden beträgt das Porto von demselben Termin ab 3/a Groschen für je 50 Grammen oder einen Theil von 50 Grammen.
— Mannheim, 24. Sept. Nach einer gestern Nachmittag 3 Uhr in Heidelberg von Dr. Emll Bessels an seine Mutter gesandte telegraphische Depesche von Liverpool ist derselbe als Chef der zoologischen Section der Palarisexpedition, zur Berichterstattung an die amerikanische Regierung auf dem Dampfer „Antwerpen" nach Washington abgereist. Mannh. Tagbl.
— In Witten hat das Gemeindekollegium auf Grund eines eingeholten juristischen Gutachtens beschlossen, wegen eines Kassendefizits, das im Jahre 1866 der inzwischen im Zuchthause verstorbene Sparkasserendant Witte im Betrage von 72,000 Thlr. machte, die damaligen Administratoren der Sparkasse wegen unterlassener Revision verantwortlich zu machen.
— Bern, 23. Sept. Nach den vorliegenden amtlichen Berichten ist nach der Abberufung der renitenten Geistlichen im Berner Jura die Ruhe bisher in keiner Weise gestört worden.
— Bern, 24. Sept. Der Nationalrath hat den Staatsvertrag mit Deutschland über Errichtung einer deutschen Zollstation auf dem Centralbahnhofe in Basel ratificirt. N. Franks. Presse.
— Genf, 23. Sept. Die Nachricht, daß aus Veranlassung von gegen französische Pilger in Genf vorgekommenen Excessen die französische Regierung eine Beschwerdenote an den Bundesrath gerichtet habe, entbehrt dem „Genfer Journal" zufolge durchaus der Begründung.
— Der Fremdenbesuch der Wiener Weltausstellung hat sich seit den letzten Tagen so gehäuft, daß in keinem Hotel ein Unterkommen zu finden ist. Die Ausstellungs-Gebäude werden be-s
kanntlich nach dem Schluß der Ausstellung abgetragen, nur die Rotunde bleibt stehen. In derselben soll im nächsten Mai ein Monstre-Turnier abgehalten werden, an welchem sich 1200 Reiter in Costümen betheiligen werden.
— Die Londoner Polizei hat der Berliner ein großes gedrucktes Placat übersandt, in welchem das ermordete und stückweise in der Themse gefundene Frauenzimmer genau beschrieben ist. Dem Entdecker des Thäters ist eine Belohnung von 200 Pfd. Sterling zugesichert und wird dabei hinzugefügt, daß, wenn etwa ein Mitwisser des Mordes, der nicht direct an der That betheiligt ist, den Mörder anzeigt, demselben die volle Gnade Ihrer Majestät der Königin von England zugesichert wird.
— Paris, 20. Sept. Die „Köln. Ztg." schreibt: Das Wallfahrtsfieber und die Betheiligung einer* großen Menge von Offizieren der französischen Armee an dieser ultramontanen Parade tragen bereits ihre Früchte. Ein aufmerksamer Beobachter wird kaum verkennen können, daß durch die ackerbauenden Klassen des platten Landes und die Arbeiterbevölkerung der Städte eine dumpfe Gährung geht, die einen nahen und furchtbaren Sturm ahnen läßt. Die Aufregung äußert sich bereits thatsächlich an den verschiedensten Punkten des Landes. Was in Savoyen, in Auvergne, im Poitou, in Nivernais und sogar zn Saint-Denis ' vor den Thoren von Paris geschehen ist, zeigt, daß der Unwille des Volkes sich Luft zu machen sucht, trotz der Präfekten mit der eisernen Faust und den Gendarmen der Regierung de Brog- lie's. Zu Thonon in Savoyen wurden die Pilger von Allengy mit dem Rufe ausgenommen: „In den See mit den Pilgern! Nieder mit den Pfarrern! Nieder mit den Jesuiten!" Aehn- liche Rufe haben die Republikaner von Chablais ausgestoßen, als sie sich nach Ouchy begaben, um Thiers zu begrüßen. Das geschah auf dem Dampfer „Winkelried". Bei der Rückreise sangen sie die Parodie des berüchtigten Pilgergesanges und verhöhnten die auf dem Dampfer befindlichen Priester. Schlimmere Dinge haben sich zu Vice-le-Comte in der Auvergne zugetragen, wo der katholische Klerus noch bis in der letzten Zeit sehr einflußreich war. Dort mußten sich ungefähr 4000 Pilger einen ganzen Tag lang den Hohn der Bevölkerung gefallen lassen. Während Abb5 Chardon die Predigt hielt, tanzten die Bewohner der Stadt die Farandole vor der Kirche und machten höllischen Lärm dazu. Die Predigt mußte abgebrochen werden. Als die Pilger ihre Prozession antreten wollten, brüllte die Menge: „Nieder mit Heinrich V. 1 Es lebe Thiers! Es lebe Gambetta!" Die Pompiers, die den Zug beschützen sollten, begaben sich unter die Menge und brüllten mit. Die Männer schrieen und pfiffen, die Frauen tanzten und erst mit Einbruch der Nacht, als die Pilger sich aus dem Staube gemacht, hörte der Spektakel auf. In Poitiers war ebenfalls ein Auflauf, bei dem den Jesuiten Pereats ausgebracht wurden. Darauf wurde die Marseillaise gesungen. Im Nivernais fanden unruhige Scenen in einigen kleinen Ortschaften statt, deren Pfarrer von den Pilgerfahrten zurückkamen. In Saint-Denis gerieth ein Fuhrmann in Konflikt mit berittenen Chasseurs. Derselbe brach durch den Zug, indem er die Pferde peitschte und „Nieder mit den Versaillern! Nieder mit den Mördern!" rief. Der Oberst packte den Mann und ließ ihn abführen, aber die Zuschauer ergriffen sofort Partei gegen die Soldaten. Solche Beispiele einer ver-