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Volk gegen diesen Staatsakt, der ihm Priester nimmt, zur offe­nen Empörung aufzustacheln, oder aber, ob die Mehrzahl der Schweizer Bürger stark genug ist, den selbstgewühlten staatlichen Autoritäten zu folgen und ihre geistlichen Hirten zu verlassen, weil diese sich fremde Autoritäten gewählt und den Gesetzen des eigenen Landes Trotz zu bieten wagen. Wir vermögen nicht vorherzusehen, nach welcher von beiden Seiten der Sieg sich nei­gen wird; fällt er aber, wie wir erwarten, auf die Seite der staatlichen Gewalt, so wird die Wucht des Schlages, den der Ultramoutauismus dadurch erleidet, in Deutschland mächtig wie- derhallen. Wo bleibt dann noch die „muthwillige Verfolgung" der Kirche in Deutschland, wenn selbst das freieste Staatswesen in Europa die hierarchischen Fesseln gewaltsam von sich wirft? Mit welcher Wirkung wird man noch von dem „Abgrund" re­den können, dem der Staat auf dem jetzigen Wege entgegengehe, wenn die Schweiz trotz aller weggejagten Priester sich wohl be­findet und von „Abgründen" nichts weiter sieht, als höchstens einige wohlgefüllte Weinkeller? Den deutschen Ultrawontanen wird es doch bedenklich zu Muthe werden beim Anblick aller dieser Dinge. Die bisherigen stolzen Worte werden vermuth­lich gar bald einer ernüchternden Resignation weichen, wenn sie sehen müssen, daß es nur des richtigen Mittels bedarf, um zu verhindern, daß der Hydra des Papismns immer neue Köpfe er­wachsen, mag auch der Herkules so kleiu und äußerlich nnbedeu- tcnd sein, wie die Schweiz.

— Wien, 20. Sept., Vormittags. Nach dem gestrigen Diner wohnten der Kaiser und der König von Italien der Vor­stellung des Ballets Fantasca bei und begaben sich sodann zu einer Soiräe bei dem italienischen Gesandten Grafen Robillant, auf welcher auch sämmtliche hier anwesende Erzherzoge und die Mitglieder des diplomatischen Corps erschienen waren. Soeben, Vormittags 9 Uhr, findet zu Ehreu des Königs Victor Emanuel bei sehr schönem Wetter die große Truppenparade auf der Schmelz statt.

■— Paris, 20. Sept., Vormittags. Der bereits von an­derer Seite widersprochenen Nachricht, daß der Graf von Cham­bord an den Erzbischof Guibert ein Glückwunschschreiben wegen seines letzten Hirtenbriefes gerichtet habe, ist die „Agence Havas" ermächtigt, ein formelles Dementi entgegenzusetzen.

—■ In Paris gab die Nachricht von der Räumung des französischen Gebietes bis jetzt zu keinen Kundgebungen Anlaß. Nur in der Rue Beaubourg (Quartier Saint Martin) hatte man am Morgen zur Feier der Befreiung einige Fahnen ausge­hängt, die aber auf Befehl der Polizei hinweggenommen werden mußten. Die Blätter machen Vorbehalte zu Gunsten ihrer „noch von Frankreich getrennten unglücklichen Landsleute." Zu den­selben gehört auch die legitimistische „Union". „Die Lage", so meint dieselbe, „ist nicht wie 1815. Die Räumung erfolgt nach der Bezahlung eines Lösegeldes von fünf Milliarden; aber alle Franzosen sind nicht befreit von der Gegenwart des Feindes; mehr als eine Million unserer Brüder wurde uns durch das Recht des Stärkeren, auf gewaltsame Weise entrissen; die preußi­sche Fahne weht über Straßburg und Metz. Wie kann man da von Befreiung sprechen! Welcher Franzose könnte glücklich sein, wenn er an die anderen Franzosen denkt, über die der Deutsche Herr bleibt. Der Patriotismus wäre ein leeres Wort, wenn solches unsere Seelen nicht in tiefe Trauer versetzte. Alle haben zum Werke der Freimachung beigetragen, aber wer würde nicht fchamroth werden, sich den Befreier nennen zu lassen, wenn zwei unserer Provinzen Waisen geworden sind und sich in ihrer Trauer nicht trösten können. Die Bezahlung eines Lösegeldes nimmt keine Demüthigung hinweg. Es gehört mehr dazu, um den Kopf zu erheben und um die Zukunft zu ergreifen; es gehören feste Entschlüsse dazu. Wir lieben Frankreich nicht genug; lieben wir es, um nur das zu wollen, was es retten kann: sein Heil wird seine vollständige Befreiung sein." Augsb. Ab-ndztg.

— Rom, 18. Sept. Die „Opinione" meldet aus Ma­rokko: In Folge des Todes des Sultans von Marokko brach in Marokko der Bürgerkrieg zwischen dem Sohn und dem Bru­der des verstorbenen Sultans aus.

— Im Befinden des Papstes ist wohl eine Wendung zur

Besserung eingetreten, doch bleibt die allgemeine Schwäche. Aber trvtz aller Schwäche und Hinfälligkeit kündigen sich noch oft die munteren Lebensgeister in der einen und andern nugewöhulicheu oder scherzhaften Aeußerung an. Als ein noch von Gregor XVI. ernannter Kardinal ihn neulich besuchte, und die kurze Unterhal­tung auf das heilige Kollegium kam, da bemerkte Pius: „Ich habe hundert Kardinäle begraben, die meine Vorgänger oder ich ernannt haben, es fehlt nur noch Einer, die Salve bei meinem Tode (101 Kanonenschüsse) voll zu macheu." Vom Erzbischof von Aix, Kardinal I. Bernet, (f 5. Juli 1846) au bis zu dem jüngst verstorbenen Neffen Seiner Heiligkeit, Kardinal Milesi- Ferretti, herab zählt in der That die Tvdtenliste dieses Ponti­fikats 100 Eminenzen.

— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 21. Septbr. aus Frankfurt a. M.: Wie wir vernehmen, soll der in Berlin mit seiner Zuhalterin verhaftete renoinmirte Taschendieb Weber, als derjenige ermitttelt sein, welcher dem Billeteur der Rheinischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft auf dem hiesigen Taunusbahnhof über 300 Thaler aus der Geldtasche gestohlen hat. — In der Nähe der Fähre am Sandhof erschoß sich vorgestern Abends 7 Uhr ein bis jetzt unbekannter, etwa 30 bis 36 Jahre alter Mann. Der Schuß war von einem in der Nähe befindlichen Schiffer gehört, aber nicht weiter beachtet worden, da dort auf dem Felde zur Abendzeit häufig Schüsse von heimkehrenden Jägern abge­feuert werden. Auch andern Tages, gestern, erregte es dem Schiffer nicht Verdacht, als er aus der Ferne an dem Ufer einen Menschen im Grase liegend wahrnahm. Erst als derselbe auch Nachmittags noch an derselben Stelle lag, ging er näher und entdeckte, daß der betreffende Mann sich durch einen Schuß in die Brust getödtet hatte. Die Wäsche des Aufgefundenen ist H. S. gezeichnet.

Lokales und Provinzielles.

Hanau, 22. September.

+ Herr Gymnasiallehrer Dr. Dunker dahier ist zum De- putirten des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde zu Cassel sowie des Hanauer Geschichtsvereins auf der General­versammlung der Geschichtsvereine Deutschlands erwählt worden, welche vom 22.—26. Septbr. in Trier stattfinden wird.

—d. Gestern Morgen reiften die Mitglieder des Weins'- schen Gesangkränzchen nach Wiesbaden ab, woselbst bekanntlich im Augenblick die deutsche Naturforscher-Versammlung tagt, um der an sie von Seiten des Festausschusses für die Feierlichkeiten der besagten Versammlung ehrenden Einladung Folge zu leisten.

—d. An der krummen Kinzig steht ein Acker mit Korn, welches wahrscheinlich seiner Zeit abgemäht wurde, in Blüthe.

—d. Mit dem heutigen Tage eröffnete Herr Schuhmacher­meister August Zwicker ein Arbeitsnachweise-Bureau, wie der­artige Institute in anderen Städten bereits schon längere Zeit bestehen. Wenn man bedenkt wie schwierig es oft ist, gute Ar­beitskräfte zu beschaffen, so wird diese Neueinrichtung sowohl von den Herren Arbeitgebern als Arbeitnehmern freudig begrüßt werden.

— Wafserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,55 Meter ;

— Kassel, 19. Sept. Die diesjährige Prüfung der Aspi­ranten für den einjährig freiwilligen Militärdienst wurde dahier vom 16.—18. d. M. abgehalten. Von 51 Theilnehmern erhiel­ten 29 den Berechtigungsschein. W Mgztg.

— Kassel, 20. Sept. Die „Hessischen Blätter" melden: Die Agnaten des Kurfürsten von Hessen find von Preußen defi­nitiv abgefunden worden. Prinz Friedrich Wilhelm hat die An­nexionen anerkannt und auf alle bisher angesprochenen Rechte und das Hausvermögen Verzicht geleistet. Preußen zahlt dage­gen nach dem Tode des Kurfürsten jährlich 202,000 Thaler. Der Linie Philippsthal ist der Beitritt gegen eine Jahresrente von 36,000 Thlr. offen gelassen. — Gegen die renitenten Pfar­rer, welche sämmtlich die vom Consistorium verhängten Geld­strafen nicht bezahlt haben, ist deren Beitreibung auf dem Wege der Exekution verfügt. (Neue Franks. Pr.)

* Einem Erlaß des Herrn Ministers der geistlichen Unter­richts- und Medicinal-Angelegenheiten vom 29. August er. ist