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^216.
Donnerstag den 18. September.
1873.
Königlich Preußisches Landwirthschaftl. Institut zu Hof Geisberg bei Wiesbaden.
(Gegründet im Jahre 1818.)
Der theoretische Unterrichtscursus dauert nur zwei Winterhalbjahre ; in dem Sommer zwischen Beiden werden die Schüler zum Zwecke der praktischen Fortbildung auf vielen Gütern vertheilt. Das Lehrpersonal besteht aus folgenden Herren: Dir. Dr. Medicus, Geh. Hofrath Dr. Fresenius, Prof. Dr. Neubauer, Depart.-Thierarzt Groll, Docent Dr. Freih. v. Canstein, Docent Dr. Koch und Bez.-Wies.-Baumeister Dr. Klaas. Der Unterricht umfaßt alle Haupt- und Nebenfächer der Landwirth- schastslehre nebst den vorbereitenden Wissenschaften. Wiesbaden bietet auch sonstige Bildungsmittel aller ' Art. Die Eröffnung des Unterrichts findet am 15. Oktober statt. Weitere Auskunft gewähren Prospektus, Vorlesungen-Verzeichniß und Statuten, welche durch den Unterzeichneten oder die hiesigen Buchhandlungen bezogen werden können.
Wiesbaden den 1. September 1873.
Direktor Dr. Medicus.
Tagesschau.
— Als einen der hervorragendsten Beschlüsse der in den letzten Tagen stattgehabten Conferenz der Delegirten der Handelstage und Eisenbahnverwaltungen wird uns mitgetheilt, daß in Zukunft keine eigenmächtigen Tarifveränderungen wie auch keine Veränderungen der Fahrpläne Seitens der Eisenbahndirec- tionen erfolgen können, sondern daß in Zukunft sowohl die Tarifs- wie auch die Fahrpläne in Form eines einheitlichen Ganzen durch das Reichseisenbahnamt festgestellt werden sollen. Für den Verkehr ist eine derartige Einrichtung von ganz besonderer Wichtigkeit, da sie sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr nach allen Seiten hin Zeitersparnisse und damit auch Ersparnisse an Geld Hervorrufen dürfte. Wie wir übrigens hören, dürfte schon in den nächsten Monaten ein neues Eisenbahnreglement erlassen werden. Dasselbe wird bereits Seitens des Reichseisenbahnamtes vorbereitet und binnen Kurzem dem Bundesrathe zugehen. <Neue grants. Pr.)
— Durch Verfügung des Chefs der Admiralität vom 16. August er. haben die drei bei der Stettiner Maschinenbau-Aktien- Gesellschaft „Vulcan" im Bau befindlichen Torpedoboote folgende Namen erhalten: 1) „Notus" der große Torpedoschleppdampfer, 2) „Zephyr" der kleine Raddampfer, 3) „Rival" das kleine Turbinenschiff.
— Frankfurt, a. M., 16. Sept. Die Berathungendes hier seit zwei Tagen versammelten Kongresses für öffentliche Ge- fundheitspflege haben zu der Gründung eines Vereins für öffentliche Gesundheitspflege geführt, der über ganz Deutschland ausgedehnt werden soll. Die hier anwesenden Ober-Bürgermeister, Bürgermeister und Magistratsmitglieder aus den namhaftesten deutschen Städten haben bereits ihren Beitritt erklärt. Zum Vorsitzenden wurde Ober-Bürgermeister Hobrecht in Berlin, zu Mitgliedern des Ausschusses Ober-Bürgermeister Ehrhardt in München, Dr. Lent in Köln, Geh. Sanitäts-Rath Varrentrapp in Frankfurt a. M., Geh. Ober-Baurath Wiebe in Berlin und Oberbürgermeister Winter in Danzig gewählt.
— Frankfurt, 17. Sept. Auf dem Congresse zur öffent
lichen Gesundheitspflege waren 250 Personen anwesend und 78 deutsche Städte vertreten. Außerdeutsche Städte beteiligten sich 7, nämlich: Dorpat, Petersburg, Basel, Helsingfors, Zürich, Pest und London.
X. In Nieder-Ramstadt bei Darmstadt schlug letzten Sonntage, an welchem gerade die Kirchweihe stattfand, der Blitz ein und brannten in Folge dessen 2 mit Frucht gefüllte Scheunen und 1 Wohnhaus ab.
— Erfurt, 16. September. Durch Beschluß des hiesigen Kreisgerichts vom heutigen Tage ist der Konkurs über das Vermögen des Thüringer Bankvereins erkannt. Als Tag der Zahlungseinstellung wurde der 11. Sept. d. J. festgesetzt, zum Massenverwalter der Kaufmann Wilhelm Müller hier ernannt.
— Basel, 16. Sept. Den Basler Nachrichten zufolge hat die Regierung von St. Gallen den Kapuzinermönch Suter von Appenzell, der zu Berneck gegen Protestanten und Mischehen predigte, wegen Verletzung des Friedens der Konfessionen vor den Strafrichter verwiesen und demselben die Ausübung geistlicher Funktionen verboten.
— Gratz, 17. Sept., Mittags. Der König von Italien ist heute Vormittag um 10 Uhr hier eingetroffen und hat nach kurzem Aufenthalte die Reise nach Wien fortgesetzt.
— Wien, 15. Sept. Das ultramontane Wiener „Vaterland" veröffentlicht folgende Einladung an der Spitze seines Blattes: „Am 20. September L I. findet um 8 Uhr Früh in der Dominikanerkirche der inneren Stadt Wien ein Seelenamt statt für die vor drei Jahren bei der völkerrechtswidrigen und gewaltsamen Einnahme Roms gefallenen päpstlichen Soldaten. Die Katholiken Wiens werden hiermit eingeladen, sich an diesem kirchlichen Akte recht zahlreich zu betheiligen. Von der Erzbruderschaft des heil. Erzengels Michael. Der Vorstand." — Die „Deutsche Ztg." bemerkt hierzu: „Das mit so vielem Aplomb in Scene gesetzte Seelenamt kann erst nach Gebühr gebühr gewürdigt werden, wenn man weiß, daß der König Victor Emanuel vom 17. bis 21. d. M. als Gast unseres Kaisers in Wien weilen wird und daß es unsern Klerikalen weder im vorigen noch vor zwei Jahren eingefallen ist, ein derartiges Seelenamt abzuhalten. Es ist also klar, daß reine Demonstrationssucht ihnen diesmal die Idee eingegeben, und daß sie einzig und allein zur Befriedigung dieser ihrer Passion — einen andern Namen verdient die Sache nicht — selbst vor einer Jnsultirung des kaiserl. Gastes nicht zurückschrecken. Nun, wir haben keinen Grund, dieserhalb mit den Klerikalen zu hadern, wenn sie auf solche Weise mit eigener Hand das allerdings zähe Band zu zerreißen streben, welches sie vielleicht — in Oesterreich wäre ja Alles möglich — noch einmal zum Unheile der Völker ans Ruder bringen könnte." — Die Enthüllungen Lamarmora's — schreibt man dem „Schw. M." — sind in Wien spurlos vor- übergegangen, nnd die Gegner der guten Beziehungen zwischen den mitteleuropäischen Staaten haben vergeblich sich angestrengt, Kapital daraus zu schlagen. Heut zu Tage kann man nicht mehr zur Gefühls- und Tendenzpolitik zurückkommen — in Oesterreich so wenig wie in anderen Staaten. Das einzig bestimmende Motiv ist und bleibt das Interesse. Und das stärkste Interesse der österreichischen Monarchie weist sie unter den jetzi-