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wieder zusammentreten werden. Die nächste Einberufung derselben wird erst im kommenden Jahre 1874 erfolgen.
— Bern, 16. Sept. In Folge der von dem Appellationshof verfügten definitiven Absetzung der 69 renitenten Geistlichen herrscht im Jura eingetroffenen Nachrichten zufolge große Aufregung, doch seien ernstliche Ruhestörungen nicht zu befürchten. Daß eine Anzahl auswärtiger Geistlicher, welche indessen nicht genügt, zur Besorgung der erledigten Pfarrämter bereit ist, wird officiös bestätigt. N. Franks. Presse.
— Bei Gelegenheit der Räumung von Verdun erließ der Maire dieser Stadt einen Aufruf, worin es heißt: „Wenn irgend etwas unsere tiefe Befriedigung vermehren könnte, so wären es sicherlich die Beweise von Sympathie, die uns von allen Punkten Frankreichs zugegangen sind und welche ich so eben von den Franzosen aus New-Jork mit den Glückwünschen für unsere Befreiung erhalte. Aber vergessen wir nicht, daß es in unserer Nähe tm Herzen französisch gebliebene Bevölkerungen gibt, welche leiden, weil sie vom Mutterlande getrennt sind. Diese schmerzliche Erinnerung sagt uns, daß wir weder einen Triumph, noch einen Sieg zu feiern haben. Nach dem Abmarsch der Deutschen wird die große Glocke geläutet und die dreifarbige Fahne auf einem der Thürme der Kathedrale aufgehißt werden. Bei diesem Signal wird das Stadthaus beflaggt. Des Abends werden die öffentlichen Gebäude illuminirt. Sie auffordern, dieses Beispiel zu befolgen, wäre eine Beleidigung: Ihr Patriotismus bedarf keiner Aufmunterung. Eine außerordentliche Vertheilung von Lebensmitteln wird an die Armen gemacht werden."
— Der „Köln. Ztg." schreibt man aus Verdun, 13. Sept.: Heute Morgen um 73Ai Uhr hielt General von Manteuffel auf der Place la Roche über die versammelte deutsche Garnison Revue ab. Die Musikbande spielte die deutsche Nationalhymne und die Truppen zogen durch die Porte Chaussee ab. Um 7 Uhr hatten französische Gendarmen die Wachtposten besetzt. Um 8V2 Uhr war Alles beendet; überall herrschte Begeisterung. Die Stadt war beflaggt. Man rief: Es lebe Thiers! Es lebe die Republik! Die französischen Truppen kamen um 12 Uhr an. Der Oberst erhielt einen Blumenstrauß von kleinen Mädchen in dreifarbigem Kostüme. Die Truppen marschirten über das Glacis nach der Citadelle, ohne durch die Stadt zu kommen; sie find konsignirt. Heute Abend findet eine Illumination statt.
— Nancy, 15. Septbr. Das Zuchtpolizeigericht hat die Einwohner Mansuy und Touszaint von Pont-â-Mousson wegen Mißhandlung der Deutschen Schreier und Tumann mit Frau zu 14 resp. 40 Tagen Gefängniß und zum Kostenersatz verurtheilt.
— Paris, 16. Sept. Graf Chambord dürfte der „Agence Havas" zufolge nach nunmehr vollzogener Räumung des Gebietes in nächster Zeit eine Kundgebung über die Stellung zur Fusionsfrage erlassen.
■— Paris, 16. Sept. Von einer großen Anzahl von Protestanten ist eine Adresse an die der protestantischen Konfession angehörigen Mitglieder der Nationalversammlung gerichtet worden, in welcher dieselben aufgefordert werden, sich gegen jede monarchische Regierungsform auszusprechen.
—• Turin, 16. Sept., Morgens. Der König ist heute früh 7^2 Uhr nach Wien abgereist. Prinz Amadeus, der Prinz von Carignan, sowie die Behörden hatten sich zur Verabschiedung auf dem Bahnhöfe eingefunden. Der Minister des Auswärtigen, Visconti-Venosta, und ein sehr zahlreiches Gefolge begleiteten den König. Der Ministerpräsident Minghetti wird sich in Venetien demselben anschließen. Der Königliche Zug, welcher im Ganzen aus 14 Wagen bestand, verließ den Bahnhof unter dem enthusiastischen Zurufen der zahlreich versammelten Bevölkerung.
— Ein Attentat auf den Russischen Kaiser? Wie man der „D. Ztg." aus Petersburg schreibt, ist der Separat-Hofzug, der den Kaiser Alexander dieser Tage auf der Reise nach Livadia von Moskau nach Kiew bringen sollte, mit knapper Noth vor einer ernstlichen Gefahr bewahrt worden. Einer der Bahnwächter, denen in solchen Fällen besondere Aufmerksamkeit einge- schärst wird, bemerkte kurz vor dem Zeitpunkte, wo der Kaiserliche Train die Gegend passiren sollte, mehrere Personen auf
dem Bahnkörper mit etwas beschäftigt. Es schienen ihm Hirten zu sein, die, als er herankam, sich eiligst entfernten. Zu seiner nicht geringen Ueberraschung fand er an der Stelle mehrere Schienen von den Schwellen losgelöst, wodurch bei Passi- ren des Zuges höchst wahrscheinlich ein Entgleisen desselben herbeigeführt worden wäre. Schnell ward der Schaden gut gemacht und wurden alle Maßregeln getroffen, um die vermeintlichen Hirten zu ermitteln. Doch konnte von diesen trotz der eifrigsten Nachforschungen bisher keine Spur entdeckt werden, was den Verdacht wachruft, es wären als Hirten verkleidete Städter gewesen, die sich an der Eisenbahn zu thun gemacht haben.
— Ein Berichterstatter der „Times" schreibt über die car- listische Mannschaft und die Aussichten von Don Carlos: Ein Soldat wird als ausgerüstet angesehen, wenn er mit Waffen, 60 Patronen, Mundvorrath für einen Tag und einem überzähligen Hemde versehen ist. Im Marschiren sind die Carlisten unübertrefflich, indem sie oft 24 englische Meilen in 6 Stunden abmachen, ohne ihre ursprüngliche Frische zu verlieren. Allerdings übersteigen ihre Tagesrationen selbst die eines britischen Soldaten; sie erhalten ein Pfund Fleisch, zwei Pinten Wein, und dazu noch als Löhnung einen Real oder zwei Sgr. Die Offiziere bekommen weniger Gehalt als die republikanischen, bedürfen desselben aber auch nicht so sehr. Der eine Hauptmangel an diesem kriegsfrohen Freiwilligenheer ist seine Abneigung gegen jedes regelrechte Einexerziren: und da die Generale wohl wissen, daß ein zu strenges Heranziehen die Armee bald lichten würde, wird viel Zeit in unnützem Nichtsthun vertrödelt. Augenblicklich zählt die carlistische Streitmacht ungefähr 22,000 wohlbewaffnete Soldaten, ohne die 11,000, welche Don Alfonso in Catalonien befehligt ; und hätte man Gewehre genug, so wäre es bei der Masse von Freiwilligen, die sich täglich zum Eintritt meldet, ein Leichtes, bald 50,000 ins Feld zu stellen. Des Königs Stab, der schon 120 Mitglieder zählt, ist auch in stetigem Wachsen begriffen; so warten in Frankreich nicht weniger als zwanzig Generale aus seine Genehmigung, um sich ihm anzuschließen. Von sremden Offizieren befinden sich nur drei oder vier deutsche und eben so viele französische im Hauptquartier. Daß die Carlisten vor nächstem Frühjahre schon auf Madrid losmarschiren sollten, hält der „Times"-Korrespondent für höchst unwahrscheinlich; denn die Castilianer würden eine nur aus Navarresen und Basken gebildete Armee, bei ihrer stark ausgeprägten provinziellen Selbstständigkeit, als eroberungslustige Eindringlinge betrachten und feindlich bekämpfen. Don Carlos müsse daher erst trackten, sich einige aus Castilianern bestehende Bataillone zu verschaffen, ehe er es wagen könne, den castilianischen Boden zu betreten.
— Washington, 15. Sept. Der officielle Bericht des Ackerbau-Departements für den Monat September veranschlagt den Ertrag der Ernte an Baumwolle auf 4 Millionen Ballen und an Getreide auf 250 Millionen Scheffel.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 17. Septbr. aus Frankfurt a. M.: Herrn Heinrich Keller dahier wurde von der Jury der Wiener Weltausstellung für seinen daselbst ausgestellten Kunst- und Photographischen Verlag die Verdienst-Medaille zuerkannt. Für die ausgestellten Cartons zu Schillers „Lied von der Glocke", welche sich im Besitze des Herrn Keller befinden, erhielt der Künstler Leop. Bode noch besonders die Kunstmedaille. Die Originale sind vom Besitzer in verschiedenen Größen photographisch nachgebildet worden. — Als ein bedeutender Fortschritt in unseren hiesigen Posteinrichtungen ist anzuerkennen, daß die mit den Hauptposten herkommenden Expreßbriefe jetzt sofort nach Ankunft der Züge von den Bahnhöfen aus bestellt werden, wodurch sie beinahe eine Stunde früher als bisher an ihre Adressen gelangen. — Der Nickelchestag, welcher vom Regen tüchtig eingeweiht wurde, übte trotzdem auf die Mesfe seine Anziehungskraft aus. Fröhliche Menschen traf man in allen Straßen und machten die Wirthe das beste Geschäft. Außer einigen Prügelscenen, welche durch Angetrunkene hervorgerufen wurden, ging Alles glatt ab. Was die nun abgelaufene Herbstmesse selbst anlangt, so blieb sie hinter jeglicher Erwartung zurück, selbst bei den billigsten Preisen zeigte das Publikum keine Kauflust.