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Jäbrlich 3 Tblr.

Halbj. Tblr.1. 15. Vierteljährlich 22 Sgr. 6 Pf.

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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Die3spaltigeZeile

3 Sgr.

J^ 215. Mittwoch den 17. September. 1873.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts dahier. Königl. Lehranstalt für Obst- und Weinbau zu Geisen­heim im Rheingau.

Das Wintersemester beginnt am 1. Oktober. Neue Zög­linge werden bis dahin angenommen.

Lehrgegenstände: Obstbau, Laudschaftsgärtnerei, Blumen­zucht; doppelte Buchhaltung, kaufmännische Correspondenz wer­den vorgetragen vom Unterzeichneten; Planzeichneu, Früchte- und Blumenmalen vom Obergärtner Teichler; Botanik, Theorie des Seidenbaues und der Bienenzucht vom Dr. David; Chemie vom Professor Dr. Neubauer; Mineralogie und allgemeiner Pflanzen­bau vom Dr. Frhr. v. Canstein; Mathematik (Stereometrie und Trigonometrie) vom Herrn Meyer; Weinbau und Weinberei­tung vom Dr. Umber.

Kursus für Hospitanten.

3. Termin vom 28. September bis 25. Oktober. Hono­rar 2 Thlr. Schullehrer und Baumwärter frei. Nähere Aus­kunft ertheilt und die Unterkunft der Zöglinge in Geisenheim vermittelt für die Direktion der 'Kgl. Lehranstalt O. Hüttig.

Tagesschau.

Inzwischen, so schreibt dieTrib." in ihrer Tagesschau, nachdem sie vorher von den Ruhestörungen in Posen gesprochen hat, findet in dem altehrwürdigen Constanz, dem ehemaligen Sitz des Freiherrn von Wessenbèrg, der Congreß der Altkatho­liken statt, die in ihrer Gesammtheit im Großen und Ganzen keinen andern Kampf kämpfen, als derjenige war, den Wessen- berg einst als Einzelner in unerschütterlicher Glaubenstreue und Hingebung an sein Vaterland bestand. Der Altkatholicismus kann auf die zwei Jahre seiner jungen Vergangenheit mit Ge­nugthuung zurückblicken. Die theologische Wissenschaft und die fortschreitende Cultur der christlichen Völker sind diejenigen Sterne, die trotz der Ungleichheit der Bahnen doch eben so den Altkatholiken leuchten, wie sie den Protestanten einst geleuchtet haben und beide dereinst vielleicht noch in den Hauptgrundsätzen mit einander versöhnen. Noch ist die Heerde klein, die sich so­eben den Hirten erkoren, noch ihre Stellung eine wenig gesicherte inmitten der bürgerlichen Gesellschaft; bei treuem Ausharren in­deß und thatkräftiger Consequenz im Dienste der eigenen Ueber­zeugung wird auch die Stärke errungen werden, deren die junge Gemeinde zu ihrer Fortentwickelung bedarf. Erst die Gemeinde, dann der Staat, der das Umgekehrte verlangt, verkennt das Verhältniß beider zu einander. Es ist nöthig, daß aus der Mitte der altkatholischen Bewegung heraus ein lebenskräftiger Trieb die bis dahin zerstreuten und zum Theil unthätigen Glie­der sammle zu einem lebensfähigen Ganzen, bessert normale Be­dürfnisse zu befriedigen sich dann der Staat nicht weigern darf und wird. Mit dem Bekenntniß oder gar nur mit der Unter­schrift von Adressen ist's nicht gethan: soll die Sache zu einem gedeihlichen Ende gelangen, so muß der Schweizer Gruß sich erfüllen, den der würdige Landammann Keller der Versammlung brachte:Vom Wort zur That."

Graf Ledochowski, der Erzbischof von Posen, hat es zuerst von allen preußischen Bischöfen dahin gebracht, daß es um seines Gebahreus willen zu Ruhestörungen gekommen ist, für

welche vermuthlich leider nicht der hohe Anstifter, sondern wohl nur die von ihm Verführten werden das Martyrium zu tragen haben. Die Veranlassung hiezu war folgende: Der Magistrat der Stadt Posen hatte an die Regierung das Gesuch gerichtet, daß die Oberpräsidialverfügung vom 6. Februar 1867, nach wel­cher die katholischen Schulkinder unter Leitung ihrer Lehrer zu den vom Erzbischof abgehaltenen Kirchenvisitationen zu erscheinen haben, aufgehoben werden möge. Die Regierung entschied auf Grund des Schulaufsichtsgesetzes in diesem Sinne. Trotz des Verbots der Regierung hat die katholische Geistlichkeit es aber doch durchgesetzt, daß Schulkinder in der Kirche vor dem Erz­bischof erschienen sind. Unter Versäumniß der Schule wurden dieselben von ihren Eltern zur Kirche geführt, wo denn Graf Ledochowski sie eine halbe Stunde lang in der Religion geprüft und alsdann eine salbungsvolle Anrede an die Eltern, wie an die Kinder gehalten hat. Am 10. Sept. Vormittags entstand nun vor dem städtischen Schulhause auf der Wallischei ein Tu­mult dadurch, daß der Dirigent diejenigen Schüler und Schüle­rinnen, welche ohne Grund und Entschuldigung während der durch den Erzbischof in der Margarethenkirche abgehaltenen Kir­chenvisitation die Schule versäumt hatten, bestrafte, worauf die Mütter dieser Kinder vor dem Schulhause erschienen und stür­misch die Freilassung derselben verlangten. Einige der Frauen drangen in die Schule und in die Wohnung des Dirigenten der Anstalt, und setzten unter Schimpfen und Lärmen wirklich dies Freilassung ihrer Kinder durch. Mittags 12 Uhr sammelte sich alsdann nochmals ein Hause vor dem Schulhause, wobei einige Fensterscheiben zertrümmert wurden. Einige der Excedenten sind namentlich bekannt und sehen ihrer Bestrafung wegen Tumults und Hausfriedensbruchs entgegen.

Das dem Herrn Theodor Kromer, früher zu Neustadt, jetzt zu Freiburg in Baden unter dem 20. Sept. 1870 auf die Dauer von drei Jahren für den ganzen Umfang des preußischen Staates ertheilte Patent auf ein durch Modell und Beschreibung erläutertes Sicherheitsschloß ist auf fernere zwei Jahre, also bis zum 20. September 1875 verlängert worden..

Darmstadt, 15. Sept. Heute Morgen ist dahier die außerordentliche evangelische Landessyuode im Sitzungssaale der zweiten Kammer zusammengetreten. Auf der Tagesordnung steht die Berathung des Kirchenverfassungsentwurfs.

Stuttgart, 15. Sept. Wie demSchwäb. Merk." aus Karlsruhe berichtet wird, ist Dr. Gerstner, Mitglied der Generaldirektion der großherzoglichen Verkehrsanstalten, zum Mit­glied des Reichs-Eisenbahuamtes mit dem Titel eines Geheimen Regierungsrathes designirt.

München, 15. Sept. Wie wir aus guter Quelle ver­nehmen, hat sich der Kronprinz des deutschen Reiches über das Ergebniß der in voriger Woche in Bayern vorgenommenen Jn- spicirung und zwar bezüglich aller hiezu bestimmt gewesenen Ab­theilungen der Armee in sehr günstiger und höchst befriedigter Weise ausgesprochen. Nach den Versailler Vertrügen hat der Kronprinz über die Jnspection dem Kaiser eingehenden Bericht zu erstatten und ist derselbe dann vom deutschen Kaiser unserm König mitzutheilen.

Straßburg, 15. Sept. DieStraßburger Zeitung" meldet, daß die Kreis- und Bezirkstage in diesem Jahre nicht