953
eventuell zur Aufnahme von Cholera-Kranken benutzt werden zu können.
Bei etwaigem Ausbruch der Cholera ist dafür zu sorgen, daß die zur Aufnahme der Kranken bestimmten Räume alsbald mit den, nöthigen Utensilien zur Krankenpflege Seitens der Gemeindebehörde ausgerüstet, sowie Aerzte und Wärterpersonal bestellt werden.
Bei Säumigkeit der Gemeinden ist die Herrichtung zwangsweise auf deren Kosten zu bewirken.
§. 7. Damit eine Verschleppung der Krankheit durch Aerzte und Krankenwärter nicht stattfindet, so ist Seitens der Ortspolizeibehörden Veranstaltung zu treffen, daß sich dieselben öfter die Hände mit Lösung des übermangansauren Kali (1 Theil auf 100 Theile Wasser) reinigen.
Cassel am 5. September 1873.
Königl. Regierung, Abth. des Innern.
Obige Polizei-Verordnungen werden hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht.
Hanau am 13. September 1873.
Der Landrath: Schrötter.
Tagesschau.
— Das dem Herrn Theodor Kromer, früher zu Neustadt, jetzt zu Freiburg in Baden, unter dem 20. September 1870 auf die Dauer von drei Jahren für den ganzen Umfang des preußischen Staates ertheilte Patent auf ein durch Modell und Beschreibung erläutertes Kombinationsschloß ist auf fernere zwei Jahre, also bis zum 20. Septbr. 1875 verlängert worden.
— Constanz, 14. Septbr. Eine zweite, heute von den Delegirten des Altkatholiken-Kongresses in dem Konziliumssaal einberufene Volksversammlung war durch mindestens 3000 Personen von nah und fern besucht. Als Redner traten auf: Weber (Breslau), Völk (Augsburg), Friedrich (München), Schulte (Bonn) und Bischof Reinkens. Einzelnen Rednern wurde wiederholt lauter Beifall zu Theil und zu dem von dem Bischof Reinkens heute abgehaltenen Gottesdienste fand ein großer Zudrang von Zuhörern statt. — Am Sonnabend Abend waren etwa 360 Personen, theils Delegirte, theils Gäste, zu einem gemeinsamen Abendessen versammelt.
— München, 13. Sept. Eine auf den 22. d. Mts. in Berlin anberaumte Generalversammlung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen wird sich über Einführung des für die österreichisch-ungarische Eisenbahnverwaltungen publicirten, für das Publikum und namentlich für die Handeltreibenden vielfach günstigeren Reglements in dem ganzen Bereiche des Vereins deutscher Eisenbahn-Verwaltungen schlüssig machen. Am 10. d. haben bereits Vorbesprechungen von Delegirten des deutschen Handelstages und des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen begonnen.
— Ein Doktor der Theologie, der früher in Straßburg war, hat im „Genfer Journal" eine Unterredung veröffentlicht, welche einige „Franzosen aus Wahl" in Rigi-Kaltbad mit Hrn. Thiers gehabt haben. Da wir gegenwärtig in der Zeit der „Enthüllungen" leben, so ist vielleicht eine kurze Erwähnung dieses Gesprächs nicht unerwünscht. Dasselbe enthält eine Stelle, welche als geschichtlicher Rückblick beachtenswerth ist. Herr Thiers erzählt von seinen Unterhandlungen mit Bismarck. Als letzterer gewisse Garantien gegen erneute Kriegsgelüste Frankreichs be- begehrte, da — berichtet Herr Thiers — habe ich zu ihm gesagt: „Ich will keinen Krieg mit Euch. Das wäre eine Narrheit. Wir haben weder das Geld, noch dm Menschen, noch das Wissen, das Ihr habt. Aber nichtsdestoweniger will ich eine Armee besitzen, wie sie dem Lande zusagt." — Und meine Herren, ich war aufrichtig. Ich bin wirklich überzeugt, daß der Krieg unmöglich ist. Nur daß wir uns freilich bereit halten müssen. Denn immer kann ja unversehens eine Konstellation eintreten, welche, ohne von Frankreich herbeigeführt zu sein, uns (ich spreche von unseren Enkeln) die Wiedererlangung unserer verlorenen Provinzen ermöglichte, wenn anders dieselben alsdann noch moralisch unser sind. In diesem Sinn sprach ich mit Hrn.
von Bismarck und nach einem Augenblick des Stillschweigens ergriff er meine Hand und sagte: „Thun Sie, was Sie für Recht halten."
— Bern 15. Sept. Der Appellations- und Cassationshof hat die Abberufung sämmtlicher 69 renitenten jurassischen Geistlichen beschlossen.
— Genf, 13. Sept. Der hier tagende Kongreß der Internationalen hat beschlossen, der Arbeiterklasse die Betheiligung an jeder Politik, welche ihre Emanzipation zum Ziele hat, anzuempfehlen. Den Bundesgenossen in den verschiedenen Ländern soll es überlassen bleiben, hierbei nach den jeweilig gegebenen Umständen zu handeln. Eine Vorlage des Generalraths, betreffend die Gründung einer internationalen Gewerksunion, wurde angenommen. Voraussetzung für die Mitgliedschaft bei dieser Union ist, daß die Mitglieder derfelben das Programm der Internationalen anerkennen. Die Gründung einer Kasse für politische Flüchtlinge soll damit verbunden werden.
14. Septbr. Gestern Abend ist der Kongreß der Internationale geschlossen worden, nachdem derselbe noch den Antrag angenommen hatte, daß alle zwei Jahre ein Kongreß stattfinden soll. Derselbe hat den jedesmaligen Sitz des Generalraths, welcher von den betreffenden Föderations-Mitgliedern gewählt wird, zu bestimmen. Zum nächsten Kongreßorte wurde Zürich, als Sitz des Generalraths New-Jork gewählt. Eine Einigung der Fraktionen der Internationale kam nicht zu Stande.
— London, 10. Sept. Dienstag fand eine Vorversammlung zu einem zukünftigen großen Meeting in der Agrikultur- Halle zu Islington statt, um Maßregeln gegen die im nächsten Winter viele Menschenleben bedrohende Kohlenpanik ins Auge zu sassen. Es wurde gesagt, daß glaublichen Mittheilungen zufolge die Kohlenausbeute in diesem Jahre um 2 Mill. Tonnen hinter der vorigen zurückbleiben dürste, und zwar nicht etwa durch Mangel an Material, da England noch für viele taufend Jahre Kohlen in feinen Minen berge, fondern in Folge einer Verschwörung des Kapitals und der Arbeit. Augrb. Mendztg.
—■ Madrid, 15. Sept., Morgens. Nach aus Regierungskreisen stammenden Nachrichten hatten Santa Pau und Loma ihre Abtheilungen vereinigt und in einer Stärke von 10,000 Mann und 14 Kanonen die aus 14,000 Mann und 9 Kanonen bestehenden Streitkräfte von Don Carlos in der Nähe von Tolosa angegriffen. Die Carlisten sollen große Verluste erlitten, auch eine Fahne eingebüßt haben. Weitere Details sind noch nicht bekannt. — Das englische Geschwader hat sich von Almeria nach Escombreras vor Karthagena begeben. — Die Regierung hat bereits 25,000 Mann Reserven in der Umgegend von Madrid zusammengezogen, welche jeden Augenblick auf den Kriegsschauplatz abgehen können- Der Effektivstand der Armee soll, soweit es die gegenwärtige Lage erheischt, erhöht, alle Waffengattungen, sowohl die Infanterie, Artillerie und Kavallerie, als auch die Specialwaffen einer Reorganisation unterzogen und die Disciplin mit der äußersten Strenge aufrecht erhalten werden. Ueberhaupt ist die Regierung entschlossen, ihre bisherige innere Politik sortzusetzen und besonders in Bezug auf die Reorganisation und Disziplinirung der Armee die energischsten Maßregeln zu treffen.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 16. September aus Frankfurt. Am Samstag ereignete sich in einer hiesigen großen Druckerei ein bedauernswerthes Unglück. Ein an der Satinirmaschine beschäftigtes Mädchen kam mit der rechten Hand unter die Walze; im Begriff dieselbe zurückzuziehen kam auch die linke darunter, so daß beide zerquetscht wurden. Im hl. Geistspital, wo das Mädchen hingebracht wurde, mußten ihm beide Hände amputirt werden. — An der Friedberger Landstraße und am Mainufer fanden am Samstag Brüche der Wasserleitungsröhren statt, während in anderen Stadttheilen sich Gasröhrenbrüche bemerkbar machten. — Wegen der israelitischen Feiertage wird der Viehmarkt statt am Montag den 22. d. M. und 6. und 13. k. M. am Mittwoch den 24. Sept. c. und am 8. und 15. Oct. d. J. abgehalten werden. — Eine sehr zahlreiche Versammlung fand gestern Abend im Gasthaus zum