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hält. Möge es verstehen, geduldig und schlau gegen seine Feinde zu sein, möge es ihren frechen Herausforderungen mit den Be­weisen feines Fortschritts in Sitte und Wehrkraft antworten. Dann kann es sicher sein, daß es in nicht langer Zeit in Europa wieder erneuern wird die gesta Dei per Francos.

— Versailles, 12. Sept., Morgens. Ueber die Erklä­rungen, welche der Minister des Auswärtigen heute in der Sitzung der Permanenzkommission der Nationalversammlung über den Hirtenbrief des Erzbischofs von Paris und die Erlasse der Bi­schöfe überhaupt, sowie über die auswärtige Politik der Regie­rung abgegeben hat, liegen jetzt ausführlichere Meldungen vor. Der Minister sprach sich nach denselben dahin aus, daß die frag- lichen Erlasse, so achtungswerth auch immer die Stelle sei, von der sie ausgegangen, durchaus in keiner Beziehung zur Regierung stünden, daß ihre Verfasser keineswegs irgend einen Anspruch darauf machen könnten, im Namen der Regierung zu sprechen, daß sie weder die Verantwortlichkeit der letzteren herbeiführen, noch überhaupt auf die Entschlüsse derselben einen Einfluß ha­ben könnten. Was die auswärtige Politik angehe, so habe die Regierung zu wiederholten Malen in ihren Botschaften und sonsti­gen Erlassen die Gesichtspunkte, von denen sie ausgehe und ihre leitenden Grundsätze dargelegt. Das Ziel derselben sei die Auf­rechterhaltung des Friedens, der Eintracht und der guten Be­ziehungen mit allen auswärtigen Mächten ohne Unterschied. Die französische Politik acceptire die gegenwärtige Lage und die je­weiligen Verhältnisse in Europa und wolle darin keine Verän­derung herbeiführen. Diese Grundsätze hätten bei mehrfachen Veranlassungen die Billigung der Nationalversammlung gefun­den ; auch die gegenwärtige Regierung werde von ihnen nicht abweichen. —• Wenn in dem in Rede stehenden Hirtenbriefe Aeu­ßerungen enthalten sein sollten, welche mit dieser Politik nicht im Einklang ständen, müsse die Regierung jegliche Verantwor­tung dafür ablehnen. — An die Rede des Herzogs von Broglie schloß sich eine Erklärung des Kultus-Ministers Batbie. Derselbe hob hervor, daß die Bischöfe keine Staatsdiener seien, die Re­gierung könne deswegen in dieser Angelegenheit überhaupt keine Verantwortlichkeit übernehmen. (R. u. st. A.)

— Aus Paris, berichtet der Korrespondent der „Nat.- Ztg" : Der empörende Vorfall in Luneville mußte hier in der bekanntlich wieder sehr zahlreichen deutschen Kolonie ein pein­liches Aufsehen erregen; wir sind hier eben täglich der Gefahr einer ähnlichen Behandlung ausgesetzt und müssen uns darauf gefaßt machen, daß nach erfolgter Räumung das Hetzen der Journale wieder zunimmt und dadurch im Publikum eine ge­fährliche Stimmung gegen die Deutschen hervorgerufen wird. Osten gestanden, glaube ich kaum, daß die in Frankreich lebenden Deutschen sehr darauf rechnen dürfen, von der deutschen Regie­rung geschützt zu werden. Ein präventiver Schutz, d. h. irgend eine Garantie gegen Mißhandlungen ist thatsächlich nicht mög­lich, aber ich glaube sogar, daß die Regierung wenig geneigt sein dürfte, wegen jedes Deutschen, der von französischen Chau­vinisten mißhandelt wird, eine diplomatische Intervention eintre­ten zu lassen. Ich stütze mich dabei auf die Auslassungen des Fürsten Bismarck im deutschen Reichstage bei Gelegenheit der Verhandlungen über die Entschädigung der bei Beginn des Krie­ges aus Frankreich ausgewiesenen Deutschen. Der Reichskanzler betonte damals ganz besonders, daß jeder Deutsche auf eigene Gefahr im Auslande lebe und von der Regierung nicht verlan­gen könne, daß sie ihm wie im Jnlande die ungestörte Ausübung seines Gewerbes garantire und seiner Person und seinem Eigen­thum vollen Schutz gewähre. Freilich müssen bei solchen Atten­taten an einem Grenzorte wie Luneville es ist, noch andere Ge­sichtspunkte berücksichtigt werden, daher ist auch wohl anzuneh­men, daß energische Schritte geschehen, um eine eklatante Genug­thuung und vor Allem die Bestrafung der Luneviller Polizeibe­hörden zu erlangen. Schließlich sei noch bemerkt, daß ein in Nancy erscheinendes Blatt „L'Echo de l'Est" die empörende Scene in einer Korrespondenz aus Luneville mit großem Behagen er­zählt und hinzugefügt, „daß diesen Deutschen nun wohl die Lust vergangen sein werde, wieder nach Luneville zu kommen."

Augèb. Abdztg.

— Konstantinopel, 12. Sept. Aus Rescht in Persien wird gemeldet, daß der persische Großvezier seine Entlassung gegeben hat; der Schah würde dem Vernehmen nach das Groß- vezierat aufheben^und mit den Ministern künftig in direkte Be­ziehungen treten.]

— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 12. Septbr. aus Frankfurt a. M.: Die Einführung von Blitzableitern, ähnlich demjenigen, wie auf dem Pfarrthurme, wird immer allgemeiner und selbst bei den hohen Baugerüsten bringt man sie, wie man an der Ecke der Friedensstraße sehen kann, in Anwendung. — Sn einem hiesigen Gasthofe erschoß sich gestern ein Fremder. Derselbe, ein noch junger Mann, war, wie seine Papiere erga­ben, ein Lehrer aus Erfurt. Was den Unglücklichen zu diesem Schritte getrieben, hat sich bis jetzt nicht ermitteln lassen. Die Leiche wurde, auf polizeiliche Anordnung, nach dem Friedhofe gebracht.

Lokales und Provinzielles.

Hanau, 13. September.

Eingesandt.

W. Mit dem ersten kommenden Monats sollen die Vor­stellungen in unserm städtischen Schauspielhause wieder beginnen.

Wird das Personal seine Schuldigkeit thun, die Rollen gut lernen und das Spiel mit Pünktlichkeit ohne nonchalence aus­führen, so ist für die heurige Theatersaison das Beste zu er­warten !

Herr Director Frey hat, wie uns versichert wird, mit größ­ter Anstrengung gearbeitet um tüchtige Kräfte für unsere dies­jährige Theatersaison zu engagiren.

Möge es ihm besser gelungen sein, als im letzten Winter, Neue gute Künstler zu finden. Hoffentlich haben auch die wie­der eugagirten Alten etwas gelernt: „Rollen und Be- scheidenheit", und etwas vergessen: „alle Selbstüber­schätzung".

Das Hanauer Publikum ist gerecht und dankbar und gibt jedem gerne das Seine, dem Herrn Schauspiel-Direktor gute Einnahmen und den Künstlern reichlichen Beifall, es verlangt aber dagegen auch das Seine, in tüchtigen Leistungen und vor allem in Eifer und Pflichtgefühl von Seiten der Darsteller.

Es wird sich durch keine schwülstigen lobhudelnden Redens­arten in der Zeitung bestechen lassen, sondern darauf bestehen, daß die Vorstellungen jedesmal anständig von Statten gehen.

—d. Wer noch nicht Gelegenheit hatte die hier mit großem Beifall concertirt habende Gesellschaft Wiesner rc. zu hören kann morgen in dem Abschiedsconcert in der „Centralhalle" dieselbe finden, möge sich aber bei guter Zeit für ein geeignetes Plätzchen sorgen, da ein sehr starker Besuch sicher ist. Heute Abend sollte die Benefizvorstellung für Herrn Chrudimsky daselbst stattfinden, was eingetretener Hindernisse halber nicht möglich zu machen war und wird an Stelle derselben die Ewald'sche Ka­pelle ein Streichconcert aufführen.

** Das der Wittwe Nicolay gehörige Haus „zum Gu­tenberg" ging um die Summe von 30,000 fl. in die Hände des Herrn M. Sichel über.

—d. Seine gewöhnliche Physignomie hatte der heutige Markt auch wieder; gut befahren und theuer : Butter 44—48 kr., Eier 2, 2^4 und 2^2 kr., Käse 2 kr., Kartoffeln 4 und Zwiebeln 8 bis 9 kr. â Doppelliter, Weißkraut das Haupt 4—8 kr., Zwet- schen 14—18 kr. â Hundert (gibt theure Zwetschenkuchen), Gänse 1 fl. 54 — 2 fl. 12 kr., Enten 54 kr. bis 1 fl. und Spanferkel, recht ansehnlich, 2 fl. 24 kr. bis 3 fl. L Stück.

— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,33 Meter;

— Aus Hesse», 10. Sept. Im neusten Heftchen der von Fenner und Mecke herausgegebenen Entscheidungen der obersten Gerichtshöfe Preußens ist eine für Hessen außerordentlich wich­tige Entscheidung des Oberappellationsgerichts zu Berlin vom 6. März d. I. mitgetheilt, in welcher der genannte Gerichtshof ausspricht, daß die Vorschrift des Tit. V §. 13 der hessischen Oberappellationsgerichtsordnung von 1746 über die bindende