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^208.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Die Sipaltige Zeile 3 Sgr.

Dienstag den 9. September.

1873.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts dahier.

Es sollen Agenten, besonders solche englischer Dampfer­linien, in Deutschland die Nachricht verbreiten, daß in der Stadt Boston in Nordamerika in Folge der zwei bedeutenden Feuersbrünste, welche dieselbe seit dem November v. I. betroffen haben, nicht nur eine große Nachfrage nach Arbeitern entstanden, sondern auch, daß der Taglohn dort auf fünf bis sechs Dollars gestiegen sei. Nach zuverlässigen Nachrichten sind beide Angaben falsch und nur gemacht, um die Einnahmen der betreffenden Schiffsgesellschaft durch Anlockung deutscher Auswanderer zu erhöhen.

Es wird dieses in Folge Verfügung Königlicher Regierung zu Cassel hiermit zur Warnung veröffentlicht.

Hanau am 6. September 1873.

Wasser und schwammen todt in so großer Anzahl auf der Ober­fläche, daß sie herausgethan und vergraben werden mußten.

' Breslau, Sonntag, 7. Sept., Nachm. Heute Vor-

t mittag 11 Uhr stürzte in der Nicolaivorstadt ein neu gebautes, t schon bewohntes Haus zusammen, wobei mehrere Personen ver­unglückten.

i Rom, 7. Sept. Das von den Zeitungen gemeldete Unwohlsein des Papstes war leicht vorübergehend. Der Papst t ist bereits wieder genesen. Die Cholera nimmt ay allen Orten

K onstantinopel, 7. Sept. Aus dem Schwarzen Meere hier einireffende Schiffe berichten von einem großen Sturm, der am vorigen Montag, namentlich ugter den einhei­mischen Küstenschiffen Verheerungen angerichtet und besonders viele Opfer an Menschenleben gefordert hat.

Welche Sprache derMoniteur" des Frohsdorfer Höf­leins, dieUnion", bereits zu führen wagt, mag eine Stelle in ihrem neuesten Manifeste zeigen.Die Umstürzler", ruft das Blatt,legen große Besorgniß wegen der italienischen Einheit an den Tag und verdammen alles, was sie in Gefahr bringen kann. Ganz Europa hat dieselbe als ein ungeheuerliches Werk, als Verrätherei und Räuberei verdammt; sie kostete uns 50,000 Soldaten und 500 Millionen. Unser Nutzen war die Ver­nichtung unseres Einflusses, die Abnahme unseres Handels, die Mißachtung in der Welt und eine Undankbarkeit, die historisch geworden ist. Endlich brachte die italienische Einheit eine unge­heure Störung in die christliche Welt und nach der Ansicht aller Mitglieder des diplomatischen Korps in Rom, den Vertreter Preußens ausgenommen, ist die Lage in der Hauptstadt des Ka­tholicismus nicht haltbar. Aber weder die moralische noch die politische Einbuße mißfällt der Revolution; die ehrbaren Leute müssen leiden, damit die Revolution zufrieden ist. Sie liebt die italienische Einheit, weil sie ein Unglück für das Recht, die Ge­rechtigkeit, für die Völker der Halbinsel, ein Unglück für die Seelen und Gewissen ist. Sie fragt sich deßhalb, was diese theure italienische Einheit mit Heinrich V., dem allerchristlichsten König werden würde. Daraus entsprangen die ausschweifendsten Hypothesen. Welch großer Irrthum, zu glauben, daß man Eu­ropa in Feuer und Flammen versetzen muß, um die, welche die ewige Stadt überfallen haben, zum Abgang zu bestimmen! Die Piemontesen werden unter dem Druck der Flüche der Kirche, un­ter dem Druck der Abneigung der Katholiken in Italien, unter dem Druck des Urtheils, welches die ganze christliche Welt ge­gen sie gefällt hat, abziehen; sie werden sich vor dem Abgrunde des immer größer werdenden Deficits und vor der absoluten Un­möglichkeit, fortzufahren, zurückziehen. Wenn Henri V. da sein wird, wo er sein soll, so wird er nicht nöthig haben, eine Expedi­tion nach Rom zu machen, um seine Pflicht als ältester Sohn, der Kirche zu erfüllen; der ungeheure Ordnungseindruck, welchen seine Thronbesteigung zur Folge haben muß, wird ein Todesstreich für alle ungerechten Sachen sein; sie wird dem Recht in allen Län­dern Kraft geben; sie wird die Usurpation nnter allen Schleiern erreichen, mit denen sie sich umhüllt hat. Wenn die Gerechtig­keit auf dem Throne Frankreichs sitzt, so macht sie sich leicht in der ganzen Welt fühlbar." (Gut gebrüllt, Löwe!)

Ueber die heutige Lage in Spanien schreibt derIm-

Tagesschau.

Se. Majestät der Kaiser und König haben der Bergisch- Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft das behufs Beschaffung weite­rer Geldmittel für ihre Unternehmungen von ihr beantragte Pri­vilegium zur Ausgabe von Prioritäts-Obligationen im Betrage von 90 Millionen Mark Reichsmünze zu ertheilen geruht.

Berlin, 6. September. Bei der Verwaltung des Jnvalidenfonds gehen, wie derHannov. Kur." erfährt, fort­während Gesuche von städtischen Gemeinden um Darlehensbe­willigungen ein. Die Verwaltimg strebt nun aber dahin, daß die Darlehen, welche sie bewilligt, in einer ungefähr der zu er­wartenden Dauer der Verwaltung des Fonds entsprechenden Zeit, d. h. in 40 Jahren, amortifirt werden müssen, da sonst bei Auf­lösung der Verwaltung der Verkauf des Restbestandes solcher Kommunalpapiere ohne Verlust auf Schwierigkeiten stoßen möchte. Solche kurze Frist ist aber manchen Kommunen nicht angenehm, sie erbieten sich in 70, oft sogar erst in 100 Jahren zu amor- tisiren, und man wird sich daher nicht wundern dürfen, wenn in der nächsten Zeit aus einigen Kommunen Klagen darüber laut werden, daß die Verwaltung des Jnvalidenfonds ihre sicheren Papiere nicht annehmen wolle. DieKorrespondenz Stern" behauptet, daß die Frage bezüglich der staatlichen Anerkennung des altkatholischen Bischofs Dr. Reinkens bei den jüngst stattge­habten Berathungen des preußischen Staatsministeriums in be­jahendem Sinne entschieden worden sei. Was die Dotirung des Bischofs angeht, so ist dieselbe selbstverständlich eine reine Bud­getfrage.

Darmstadt, Montag, 8. Sept., Vorm. Die Stadt Bensheim ist von einer heftigen Feuersbrunst betroffen worden. 28 Häuser und eine große Anzahl von Scheunen und Stallun­gen sind zerstört worden.

München, 6. Sept. Nach Beendigung der zur Zeit stattfindenden Herbstwaffenübungen, gegen Mitte dieses Monats, haben in allen Garnisonen bedeutende Beurlaubungen einzutreten. Das Kriegs-Ministerium hat unterm 3. d. M. angeordnet, daß Sorge zu tragen sei, daß bei diesen Beurlaubungen nur ganz gesunde Mannschaften in die Heimath entlassen werden.

In Fürstenzell (Niederbayern) wurden, wie derK. f. N." berichtet, mehrere 100 Eimer Bier ausgelassen. Als man das gesundheitsschädliche Bier ausließ, starben die Fische im^