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e der Militair-Ersatz-Jnstruktion für das Königreich Bayern vom 30. Juli 1872 nunmehr zu lauten: Den Nachweis der wissenschaftlichen Qualifikation durch Atteste bayerischer Lehran­stalten können nur führen: b) die Schüler eines humanistischen oder Realgymnasiums, welche ein Jahresschlußzeugniß über den regelmäßigen Besuch der I. Klasse und die hiedurch erlangte Be­fähigung zum Aufrücken in die nächst höhere Klasse beibringen. Die Zeugnisse hierüber müssen von der Lehrerkonferenz festge­stellt sein, e) Die Zöglinge des Kadettenkorps zu München nach Absolvirung der III. Klasse unb erlangter Bewilligung zum Aufrücken in die nächst höhere (IV.) Klasse. Im Uebrigen hat es bei den bisherigen Bestimmungen sein Verbleiben.

— Nürnberg, 5. Septbr. Gestern Nachmittag ist das 5jährige Mädchen des Steindruckers Herrn Kern zu Erlenstegen in Folge Genusses der Beeren des schwarzen Nachtschattens (Selanum nigrum), der in dem anstoßenden Garten als Unkraut wächst, plötzlich erkrankt und trotz baldigst geleisteter Hilfe heute Nacht 2 Uhr gestorben. Ein 8jähriger Knabe derselben Familie ist vor ungefähr 14 Tagen nach einer Erkrankung von wenigen Stunden unter ähnlichen Symptomen gestorben und es steht daher zu vermuthen, daß die Todesursache bei demselben die nämliche war.

— Freiburg, (Baden). Unter großer Betheiligung fand am 3. d. Mts. die erste altkatholische Trauung durch Herrn Stadtpfarrer Hosemann von Konstanz in der hiesigen altkatho­lischen (Universitätskirche) statt. Zur Geburtsseier unseres Groß­herzogs wird Bischof Reinkens eintreffen und in derselben Kirche den Festgottesdienst mit Predigt abhalten. Von gut unterrich­teter Seite wird uns mitgetheilt, daß an diesem Tage eine nam­hafte Zahl aus der römischen Kirche austreten und sich in die altkatholische werden aufnehmen lassen. Es bestätigt sich, daß die preußischen Kirchengesetze auch bei uns in Baden eingeführt und dem bevorstehenden Landtage hierüber Vorlage wird gemacht werden. Das Fortbestehen des hiesigen theologischen Convicts, der hier, in Konstanz und Tauberbischofsheim bestehenden Kna­benseminare, der Altbreisacher Lehranstalt, wird somit — Gott sei es gedankt '— aufhören. Neue grants. Pr.

— Der Mailänder „Perseveranza" wird von Rom geschrie­ben : Die Nachricht, daß der König nach Wien und Berlin rei­sen wird, hat auf den Stand unserer Staatspapiere den günstig- stgen Eindruck gemacht. Es ist richtig, daß die Auseinandersetzung der Lage unseres Staatsschatzes das Vertrauen der Börse erhöht hat, aber es ist eben so'unbestritten wahr, das die Kunde von der Reise des Königs mächtig mit dazu beigetragen hat. Die Finanzmänner sagen es es gerade heraus: Sie erkennen in den Freundschaftsbeweisen, welche zwischen dem Könige von Italien und den Kaisern von Deutschland und Oesterreich-Ungarn ausge­tauscht werden, nicht allein ein unwiderlegliches Zeugniß des Wachsens unseres Kredits, sondern auch ein Unterpfand der Fort­dauer des Friedens. Die Regierung kann nicht umhin, diesem klaren Zeugnisse der öffentlichen Meinung Rechnung zu tragen. Die Feinde der italienischen Regierung sind ihrerseits mit der Nachricht von der Reise des Königs nach Wien und Berlin nichts weniger als zufrieden, und trösten sich mit der Hoffnung, daß schließlich nichts daraus werden wird. Eine Ursache mehr für uns, zu wünschen, daß sie zu Stande kommt.

■— Straßburg, 5. Sept. Direkt von Paris trafen heute 93 Millionen (rund) in Wechseln ein; 10 Millionen in Silber folgen noch diesen Tag; weitere Theilzahlungen der letzten Rate der Kriegsentschädigung sind von anderen Punkten her theils eingetroffen, theils erwartet.

Aus dem Elsaß wird der „K. V.-Ztg." berichtet, daß Bischof Mermillod vom Bischof in Straßburg eingeladen worden sei, in diesem Jahre die geistlichen Exercitien abzuhalten, daß sich aber der Oberpräsident v. Möller diesem Vorhaben widersetzt habe.

— In Sedan wurde am 1. d. Mts. ein öffentliches Trauerfest gefeiert. Die öffentlichen Gebäude und viele Privat­häuser hatten schwarzumflorte Trikoloren ausgehängt und um 11 Uhr wurde in der Kirche des hl. Karl ein feierliches Amt gelesen, dem die Behörden und die Truppen der Garnison bei­

wohnten. Die Kirche war schwarz ausgeschlagen und vor dem Altar stand ein großer Katafalk.

— Paris, 5. Sept. Der gestrige Jahrestag der Wieder­herstellung der republikanischen Regierung ist hier und in den Departements in vollkommener Ruhe verlaufen. Eine ganz un­bedeutende Ruhestörung in Bordeaux wurde sofort unterdrückt. In Algier hatten die Radikalen zur Ansammlung einer größeren Menschenmenge Anlaß gegeben, wobei einige Offiziere insultirt wurden; das Militär stellte die Ruhe wieder her. — In Verdun sind bereits gestern Abend 50 französische Gensd'armen in Funk­tion getreten.

— Rom, 5. Sept. Der Tag der Abreise des Königs nach Wien ist noch nicht festgesetzt; die Abwesenheit desselben wird etwa 14 Tage dauern.

— Perpignan, 6. Sept., Vorm. Aus Barcelona wird vom 4. d. M. gemeldet, daß der Carlisten-Chef Cercos mit sei­ner Abtheilung von 600 Mann in zwei verschiedenen Treffen die von Rens und Tarragona gegen ihn abgesandten Regierungs­Truppen geschlagen habe. Der Oberst der Letzteren ist gefallen. In Reus herrscht große Bestürzung.

— Mehrere ruff. Landversammlungen haben, wie die „M. Z." meldet, bei der Regierung um die Erlaubniß nachgesucht, auf Rechnung der Landschaft Kafernen für die in bestimmten Rayons einquartierten Truppen bauen zu dürfen, unter der Bedingung jedoch, daß durch diese Kasernen die den Landschaften gegenwär­tig obliegende Natural-Ouartierleistung für immer abgelöst werde. Das zu diesen Bauten erforderliche Kapital beabsichtigt man leih­weise dem Reichsschatz zu entnehmen und jährlich einen bestimm­ten Betrag sowohl für die Amortisation des Kapitals, als auch für die Zahlung der Zinsen zu entrichten.

— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 6. Septbr. aus Frankfurt a. M.: In der gestern Abend stattgehabten General­versammlung der Gartenbau-Gesellschaft theilte der Vorsitzende, Hr. Oberlehrer Jaeger, das für die hiesigen Gäriner so sehr er­freuliche Resultat der Wiener internationalen Gemüseausstellung mit, wobei die hiesigen, Sachsenhäuser und Oberräder Aussteller den höchsten Preis, die Medaille für Fortschritt, erhielten. In erster Linie wurde der Dank den wackeren Oberrädern ausge­sprochen, die durch ihr Zusammenhalten es fertig gebracht, daß man auswärts vor der Frankfurter Gemüsecultur Respekt hat. Ebenso sprach man Herrn Prof. Dr. Koch und Hrn. Kern, ersterer vertrat Frankfurt auf dem Kongreß, letzterer unterzog sich der mühevollen Aufstellung und dem Arrangement der eingesandten Gegenstände, den Dank der Gesellschaft aus. Ein wesentlich prac- tisches Resultat hat die Wiener Weltausstellung für die Garten­bau-Gesellschaft bereits gehabt, indem 36 Personen, meist Gärt­ner, sich als Mitglieder anmeldeten.

Lokales und Provinzielles.

Hanau, 8. September.

—d. Das gestrige Concert (nicht Concret wie an den Ecken angeschlagen war) in der Centralhalle, veranstaltet durch Herrn Wiesner und Frau nebst Gesellschaft war so außer­ordentlich stark besucht, daß schließlich wegen Mangels an anderem Sitzmaterial Fässer und Kisten herhalten mußten; über 600 Per­sonen waren nach der Controle anwesend und massenweise mußten Besucher wegen Mangels an Platz umkehren. Was die Leistungen der Herren und Damen anlangt, so waren dieselben sehr befrie­digend: die Herren singen gut und wenn auch die Damen eine minder anziehende Stimme haben, so ersetzt die Komik ihrer Vorträge diesen Mangel; die Stimmen der Herren sind sowohl als ihr Vortrag sehr zufriedenstellend und Herr Chrudimsky, welcher leider nicht viel sang, befriedigte — wenn man das Al­ter dieses einst gefeierten Sängers in Betracht zieht, vollkommen; die komischen Vorträge, obgleich hier und da einer derselben ein wenig zweideutig war, wurden aufs Günstigste ausgenommen und mußten mehrere da capo vorgetragen werden. Daß die Gesellschaft jedenfalls zu den besseren gehört beweist schon ihre reichhaltige und gute Gardrobe; jeder komische Vortrag wurde in dem ent­sprechenden Costüme vorgetragen, dabei scheute sie nicht die Kosten