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Donnerstag den 4. September.
1873.
Tagesschau.
— Dem Pianofabrikanten August Séfiré Bernard Wolff zu Paris ist unter dem 29. August d. I. ein Patent auf eine trans- ponirende Klaviatur für musikalische Instrumente in der durch Modell und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzung auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.
— Dar msta d t, 1. Sept. Heute hat sich, so schreibt die „N. Frankf. Pr., hier eine Episode abgespielt, welche auch in weiteren Kreisen bekannt zu werden verdient, den Einen zur Nachahmung, den Andern zuni warnenden Exempel. Vorgestern verkündeten die hiesigen Bäckermeister im Tagblatt, daß sie von nun an nur noch Zweikreuzer-Wecken verkaufen würden und zwar ohne auch nur mit einem ihrer Knuden Rücksprache zu nehmen und ohne zu berücksichtigen, daß selbst die Bäcker in Frankfurt, einer doch viel theureren Stadt, die fragliche Maßregel für unzweckmäßig und undurchführbar abgclehnt hatten. Den hiesigen Hausfrauen war die Milch der frommen Denkart durch den unmittelbar vvrausgegangenen Aufschlag der Milch, des Fleisches und des Brodes ohnehin schon in gährend Drachengift verwandelt worden, und deßhalb machten sie einmüthig aus, sich diesmal einen solchen Affront nicht bieten zu lassen. Allenthalben beschloß man, das neue Zweikreuzerproduct nicht abzunehmen, und noch gestern sah man selbst in den reicheren Onanieren die Hausfrauen sich besuchen, um über energische Durchführung der Maßregel zu berathen. Die Männer hatten die Gründung einer großen Aktienbäckerei im Hintergrund, wenn die Frauen nicht schon durch ihre Maßregel siegten. Heute Morgen in aller Frühe war es nun höchst interessant znzuschanen, wie die Bäckerjungen vergeblich an alle Thüren klopften, sofern sie nicht die üblichen Kreuzerwecke führten, und wie sie schließlich ihre Zweikrenzer- waare wohlbehalten wieder nach Hanse tragen mußten, wahrscheinlich nicht zur Erbauung der Herren Bäckermeister, die hoffentlich jetzt andere Saiten aufziehen werden, wenn sie nicht in den nächsten Tagen allmorgentlich dasselbe Schicksal erleben wollen. Einzelne Bäcker haben sich übrigens der Maßregel der übrigen Bäckermeister nicht angeschlossen oder doch in der letzten Stunde ihren Entschluß geändert, diesen fällt natürlich eine ganz außerordentliche Kundschaft zu. Neu zuziehende Bäcker, welche sich jetzt auf ein ausgedehntes WeckgesM werfen wollten, konnten geradezu kolossale Geschäfte machen.
— Mönche n, 2. Sept. Der Antrag des Generalkvmitä's des laudwirthschaftlicheu Vereins, den landwirlhsckaflUchen Theil des Octoberfestes mit Rücksicht auf dir Gesundheitsverhällnisse der Stadl München ebenfalls anSfalleu zu lassen, hat die allerh. Genehmigung erhalten. Die Eentralversammlung des Vereins wird an einem spätern, noch zu bestimineuden Tage stattfinden.
Unseren bienenfreuudlichen Lesern wird die Nachricht «nUtum men sein, daß mit Rücksicht auf die dermaligen mißlichen Ge- suudheitsverhältuisse in vielen Gegenden Deutschlands und Oester reichs die Abhaltung der XIX. MaaderverfammlMg deutsch öfter reichischer Bieneuwirthe auf das Jahr 1874 verschoben wurde.
— Po seu, ff. September. Die „Ostdeutsche Zeitung" meldet als ganz bestimmt, daß der Erzbischof von Ledochvwski eine Anzahl Kleriker zur Ausbildung auf die Universität Würz ‘
bürg schicken werde. Zur Ueberwachung derselben sei der bisherige Regens des geistlichen Seminars, Likowski, ausersehen.
(Neue Franks. Pr.)
— Olten, 1. Sept. Die hier gleichzeitig mit den Abgeordneten des Vereins der liberalen Katholiken versammelten Dele- girten der Schweizer Altkatholiken haben zur Theilnahme an dem demnächst in Konstanz stattfindenden Altkatholikentage in Konstanz eine Deputation von 17 Mitgliedern gewählt.
— Genf, 3. September. Gestern früh 8 Uhr hat in Gegenwart des Friedensrichters, eines Notars, der Abgeordneten der Munizipalität, der Testamentsvollstrecker u. s. W. die Entsiegelung und Oeffnnng zweier zur Hinterlassenschaft des verstorbenen Herzogs von Braunschweig gehöriger, durch ein Kunstschloß verschlossener Koffer stattgefundeu, nachdem ein Vertranter des Herzogs das Geheimniß der Oeffnnng mitgetheilt hatte. Die in den Koffern gefundenen Werthe, deren Abschätzung den ganzen Tag in Anspruch nahm, belaufen sich auf 16 Millionen in Papieren und 100,000 Fres. in baarem Geld. Cv- dicille oder sonstige Bestimmungen enthielten die Koffer nicht, ebensowenig wurde die in deu Zeitungen besprochene Ouhxvase vorgefuuden. Am Donnerstag wird die Abschätzung der Diamanten bewirkt und hernach zur Abnahme der Siegel in Beau- rivage geschritten werden. Ein Protest ist bisher nicht eingelegt worden. Mette grants. Pr.
— Pari s, 3. Sept. Wie der „Rappel" meldet, werden Depntirte der republikanisch gesinnten Departements nach Nancy gehen, um dort Herrn Thiers auf der Rückreise ans der Schweiz zu empfangen, dem zu Ehren ein großes Festmahl stattfiuden soll. Die „Assemblèe nationale" versichert, daß die Regierung entschlossen sei, etwaige Agitationen für das Mahl nicht zu dulden. — Gestern Abend sind nahe an tausend englische Pilgerfahrer, unter ihnen der Herzog von Norfolk und andere Katholiken von hervorragender Stellung hier eingetroffen, um sich nach Paray le Monial zu begeben. Bei ihrer Ankunft hatte sich eine große Volksmenge angesammelt, es kam jedoch keinerlei Störung vor.
— Madrid, 2. Sept. Nachrichten aus Karthagena über London zufolge sind die britischen Pauzerfregatten „Triumph" und „Swiftsure" heute von hier abgegangen und haben die Jn- surgentenschiffe „Almansa" und „Vittoria" nach Gibraltar geführt, ohne daß von Seiten der Ausständigen irgend welcher Widerstand geleistet wurde.
— Konstantinopel, 3. September. Auf Befehl des Sultans ist der Grvßcvrdvn des OSmani^Ordens mit dem Stern in Diamanten an den Fürsten Bismarck übersandt worden.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 3. Septbr. aus Frankfurt a. M.: Ein junger kaum l8jähriger Frankfurter, Kaufmann Sch., macht jetzt am Rhein und Neckar eine ganz eigenthümliche Reise. Derselbe wurde gestern nach Koblenz transporlirt, um von dem dortigen Gerichte wegen Betrags ab geurtheilt zu werden, dann geht es nach Bonn und Köln am auch da seine Strafe zu empfangen, auf dem »imimeg besucht er Mannheim und Heidelberg, um sich dort noch etwas am Zeug flicken zu lassen, um schließlich hier fiel) wegen 36 Be-