880
zahl von Generalen, hohen Beamten und Deputirten, die aber beinahe ausschließlich der Rechten angehören. In diesen Kreisen herrschte große Vorsicht, die Unterhaltung ließ jedoch erkennen, daß nach der allgemeinen Meinung die Monarchie noch vor Ende des Jahres hergestellt sein dürfte. Mac Mahon beobachtete vollständige Zurückhaltung hinsichtlich der Fusion und soll einem Deputirten der Linken eine derbe Abfertigung haben zu Theil werden lassen. Die noch gestern Abend vom „Soir" wiederholt aufgetischten der Fusion ungünstigen Nachrichten aus Frohsdorf wurden von kompetenter Seite für unrichtig erklärt. Alle derartigen Mittheilungen der Journale sind frivole oder interessirte Erdichtungen. —■ Sehr bemerkt wird ein Wiener Telegramm, welches den Besuch des Ministers La Boullerie beim Haupt der österreichischen Ultramontanen, Kardinal Rauscher, meldet. — Der Polizeipräfekt theilte dem Minister des Innern mit, daß unter der Pariser Arbeiterbevölkerung wegen des starken Steigens der Brodpreise eine nicht unbedenkliche Aufregung herrsche. Die Regierung beabsichtigt deßhalb, eine Einrichtung des Kaiserreichs wiederherzustellen, welche ermöglichte, daß die Brodpreise nicht über einen bestimmten Cours hinausgingen. — Man versichert, Herzog Wilhelm von Braunschweig habe einen richterlichen Befehl nachgesucht um das in Paris befindliche, gejammte bewegliche und unbewegliche Vermögen des verstorbenen Herzogs Karl mit Beschlag zu belegen. Augsb. awg.
— In Canibrai stürzte bekanntlich bei einer religiösen Wunderfeier eine Tribüne um, auf welcher sich der Erzbischof, viele andere Geistliche und einige Versailler Abgeordnete befan- den. Lose Zungen wollten damals behaupten, das sei die Strafe für die Beförderung des Aberglaubens gewesen; wogegen es aber den Frommen leicht wurde, zu beweisen, daß nicht sowohl der Sturz, sondern vielmehr die Rettung des nur oberflächlich geschundenen Erzbischofs und des mit einem blosen Beinbruche davongekommenen Abgeordneten Kolb-Bernard die Hauptsache sei, daß also im Gegentheil ein neues wunderbares Einschreiten des Himmels zum Schutze der Frommen vorliege. Sei dem wie immer, interessanter als diese Streitfrage ist jedenfalls die Geschichte des eigentlichen Wunders, zu dessen Feier jene Versammlung sich eingefunden hatte. Dieses fast unglaubliche Wunder hatte sich während des Krieges im Januar 1871 vor der Stadt Cambrai ereignet. Deutsche Reiter waren in ihrer bekannten Unverschämtheit herangesprengt, um die Stadt zur Uebergabe aufzufordern. An den Thoren angekommen, erblicken sie die Jungsrau Maria und einen Engel mit einem flammenden Schwerte, welche ihnen einen solchen Schrecken einjagten, daß sie bis zum Dorfe Masnières zurückspreugten. Dort stiegen sie bei einem Wirth ab,.dem sie die Sache auf Deutsch erzählten, und, welch' neues Wunder! derselbe verstand sie, obgleich er nur der französischen Sprache mächtig war. Um das Wunder zu verewigen, errichtete man zwei Lampenstöcke in der Kathedrale. Diese Lampenstöcke sind mit vier preußischen Köpsen geschmückt, von denen zwei unbedeckt den Kaiser Wilhelm und Bismarck, und zwei behelmt deren Mitschuldige Moltke und Göben darstellen. Das Ganze kostete 14,000 Fr. Um dieses Monument einzuweihen, hatte man eine Wallfahrt veranstaltet. „Das XIX. Siécle", welches den Thatbestand mikthëilt, meint: „Ob die Preußen über uns spotten werden, wenn sie die Sache erfahren? Das wäre wohl möglich; jedenfalls aber werden sie bedauern, daß eine Nation, die Voltaire zu den Ihrigen zählt, so tief sinken kann."
— Figueras, 25. August. Gestern hat zwischen den Carlisten und Truppen der Regierung ein erheblicheres Treffen stattgefunden. Die ersteren wurden von drei Kolonnen umzingelt und erlitten eine völlige Niederlage. Ihre Flucht, auf welcher sie zahlreiche Todte und Verwundete mit sich führten, erstreckte sich bis San Lorenzo de la Muga unweit des französischen Grenzortes St. Laurent de Cerdans. Tristany und Don Alphons sollen verwundet sein.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 26. August aus Frankfurt a. M.: Wenn sämmtliche Wirthe und Spezereihändler, die wegen ihrer ungeaichten Gläser zur Anzeige gebracht wurden, gegen tue Polizeistrafe an das Rügegericht appelliren würden,
hätte letzteres den ganzen Winter vollauf zu thun. An manchem Tage der vorigen Woche erfolgten z. B. 20 Anzeigen. — Seit Samstag steht das Uhrtürmchen am Schillerplatz in seiner Vollendung da und gewährt einen recht gefälligen Anblick.
Hanau, 27. August.
:—: In einer hiesigen frequenten Wirthschaft wurde gestern Abend der Gasmesser unbrauchbar und brannte keine Lampe. Da der betreffende Wirth nicht mit entsprechenden Lampen vorgesehen war und bei Stearinbeleuchtung im Freien nicht gearbeitet werden konnte, so war derselbe gezwungen, seine Wirthschaft zu schließen und erlitt dadurch bedeutenden Schaden. Es ist Geschäftsleuten anzurathen ihre Einrichtung von einem Sachverständigen von Zeit zu Zeit nachsehen zu lassen, um ähnlichem Schaden vorzubeugen.
—d. Herrn Lehrer Fischbach an der hiesigen Kgl. Zeichen- Akademie wurde bei der Weltausstellung für Musterzeichnen und Dekorationsmalerei die Fortschrittsmedaille und Herrn Carl Ihm hier das Anerkennungsdiplom für Musterzeichnen im Bijouteriefach zuerkannt.
— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,26 Meter; Mainwasierwärme 18 Grad.
— Wie aus Kassel telegraphisch gemeldet wird, ist die Immediateingabe der niederhessischen Pastoren an den König gegen das Gesammtconsistorium jetzt im Auftrage durch den Unterstaats- secretär im Kultusministerium Sydow in Vertretung des Ministers beantwortet worden. Die Vorstellung wird zurückgewiesen und für den Fall fortgesetzter Renitenz mit Strenge gedroht. Letztere ist in einigen Fällen auch schon zur Anwendung gekommen. Der Metropolitan Hartwig zu Waldkappel ist vom Amte suspendirt worden. Derselbe hatte amtliche Mittheilungen des Consistoriums kurzer Hand zurückgewiesen. Nach Frankfurter Zeitungen soll noch gegen 4 andere Geistliche die Amtssuspension vom Consistorium beschlossen sein.
— Fulda, 24. August. Die Präsidentinnen und Sammlerinnen des Diöcesancomitès des Sanct Katharinenvereins, der sich die Aufgabe gestellt hatte, durch Sammlung milder Beiträge zur Gründung einer katholischen Universität am hiesigen Platze mitzuwirken, zeigen jetzt den Mitgliedern an, daß sie, überzeugt von der Erfolglosigkeit ihrer Bemühungen, denselben bis auf Weiteres haben eingehen lassen. Sie hegen aber zugleich die feste Zuversicht, daß dereinst wieder bessere Tage für „die katholische Kirche, ja für die ganze Christenheit hereinbrechen werden." Die Reineinnahme des genannten Vereines betrug im vergangenen Jahre 4250 Gulden. Wenn man nun erwägt, daß seit elf Jahren kaum 140,000 Gulden zu diesem Zwecke vereinnahmt worden sind, so kann man die Gründung einer katholischen Centraluniversität wahrlich als völlig aussichtslos bezeichnen, da die Gesammteinnahme während dieses langen und günstigen Zeitraumes den einjährigen Gehalt der Professoren nicht viel übersteigen dürfte. Ueber die einstweilige Bestimmung dieser Gelder ist bis jetzt noch nichts Genaueres bekannt. Höchst wahrscheinlich aber wird eine namhafte Summe davon zur Gründung der neuen ultramontanen Zeitung in Fulda verwendet werden. Und daß man dabei mit der größtmöglichen Energie zu Werke gehen wird, beweist schon der Umstand, daß man bereits den Ankauf einer Dampfschnellpresse beschlossen hat. W Mgztg.
Fulda, 26. August. Gestern Abend hat eine zahlreich besuchte Versammlung hiesiger Beamten zum Zwecke einer Besprechung über die Feier des Sedantages in der Restauration Radloff dahier stattgefunden. Wie wir erfahren wollen sich dieselben an das bereits aus dem Bürgerveine hervorgegangene Comite anschließen, um gemeinsam das Programm festzustellen.
(Fuld. Kreisbl.)
Fremden-Liste vom 27. August 1873.
Hötel Adler.
1) Die Herren: Ziebland, Zollvereins-Jnspector aus Frankfurt. 2) Cassir Eber, Holzhändler aus Rodbach. 3) Schiele, Kaufmann aus Freiburg. 4) Camerell, Kaufmann aus Wildbad. 5) Breden, Fabrikant aus Berlin. 6) Konzecosky nebst Frau, Kaufmann aus Rußland. 7) Rothlein, Kaufmann aus Cöln. 8) Schmitt, Kaufmann aus Offenbach. 9) Schömber, Beamter aus Dortmund.