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ist heute in Folge einer Verfügung des Kultusministers geschlossen worden. — Das Schreiben vom 20. Aug., womit dem Erz­bischof die Schließung des Seminars eröffnet wird, führt als Gründe an: ad 1) das erzbischöfliche Schreiben vom 10. Juni über die Nichtanerkennung der staatlichen Obersicht, ad 2) weil der Regens des Seminars die Revision unmöglich macht, ad 3) weil die Vorenthaltung der staatlichen Fonds fruchtlos erschien und ad 4) weil der Erzbischof die Aufforderung, entgegenstehende Bestimmungen gemeinschaftlich mit dem staatlichen Kommissär umzuarbeiten, abgelehnt, — und schließt: „Deßhalb verfügt der Kultusminister die Schließung des Seminars, bis der Erzbischof und der Regens sich bedingungslos den Bestimmungen des Ge­setzes vom 11. Mai und den staatlichen Verfügungen unterwerfen."

— Wien, 21. August. Die „Presse" schreibt: Das amt­liche Verzeichniß der vertheilten Preise ist so reich an fehlerhaf­ten und irrthümlichen Angaben, daß es heißt, es werde eine ganz neue Auflage und Ausgabe desselben veranstaltet werden müssen, indem auf einem andern Wege die Korrektur und Rich­tigstellung nicht wohl möglich wäre. Man weiß noch nicht, ob die Ursache dieser bei einem solchen Verzeichniß doppelt unlieb­samen Verstöße in der Raschheit der redactionellen oder der typo­graphischen Arbeit liege; von der einen Seite schiebt man die Schuld der andern zu, wie es bei derartigen Gelegenheiten ge­wöhnlich der Fall ist.

— Nach einem Korrespondenten des „Scottsman" soll sich Rouher während seiner jüngsten Anwesenheit in London über die Fusion folgendermaßen ausgesprochen haben: „Die monar­chische Fusion kann nicht bestehen, oder wenn sie lange genug besteht, um die Monarchie zu proclamireu, so kann diese Mo­narchie nicht lange bestehen. Wenn die Orleanisten und Legi­timisten vereinigt sind, so gleichen sie zwei sterbenden Leuten, die auf dem Todbette sich vermählen. Haben sie ihr Geschick und Vermögen zusammengekettet, so geschah dies nur, um zu­sammen unterzugehen. Sie find gleich einer Kavalerieschwadron, die eine Meile entfernt schon auf ein festes Jnfanterie-Carro zu feuern anfängt, sie wird zerstückelt sein, ehe sie an den Feind herankommen kann. Frankreich mußte Thiers los werden, denn er handelte gegen den Pakt von Bordeaux; wenn man aber ver­sucht, Heinrich V. auf den Thron zn setzen, dann kommt es zum Blutvergießen. Die Republik unter Mac Mahon sollte auf­recht erhalten werden, denn Mac Mahon ist ein ehrlicher Mann ohne Privatzwecke, welcher der Nationalversammlung bis in den Tod gehorchen wird." Als Rouher hierauf ge­fragt wurde: ob Mac Mahon ihr nicht auch gehorchen würde, wenn sie Heinrich V. als König zu gehorchen befähle, sagte er: „Machen Sie sich keine Illusionen. Frankreich würde nie einem von der Majorität eingesetzten König sich unterwerfen, selbst wenn diese 500 unter 750 Stimmen zählte. Nur durch ein Plebiszit kann die Frage einer dauernden Regierungsform ge­löst werden. Das Resultat würde das Kaiserreich und die Zu­rückberufung des kaiserlichen Prinzen sein. Wir find dessen Alle ganz sich re."

— Paris, 22. Aug. Die hier anwesenden Deputirten der Linken der Nationalversammlung haben gestern bei Jules Simon eine Zusammenkunft gehabt, um sich über die gegenwär­tigen Agitationen zu Gunsten der Fusion zu besprechen. Die Versammlung war der Ansicht, daß das linke Centrum mit der Linken gehen werde, und daß so eine hinlängliche Majorität ge­sichert erscheine, um die Restauration der Monarchie zu verhin­dern. —• Die „Patrie" bestätigt die Nachricht, daß sich Frank­reich an dem internationalen Postkongresse in Bern betheiligen werde.

—■ Paris, 23. August. Der Herzog von Broglie hat auf einem Diner des Präfekten des Eure-Departements in Er­widerung eines Trinkspruches Pouyer-Quertier's eine Rede ge­halten, worin er sagte: der Kampf der Regierung gelte nicht den bestehenden Institutionen, nicht der öffentlichen Meinung, sondern den die sociale Ordnung gefährdenden, destructiven Prin­cipien, der Kampf sei gefahrvoll und langwierig, weil das be­kämpfte Uebel in allen Formen und Gestalten auftrete; deßhalb sei das Zusammenstehen aller Gutgesinnten nothwendig. Die

Regierung suche die Vereinigung aufrechtzuerhalten, welche auch die Stütze der Nationalversammlung sei. Die vorliegenden po­litischen ernsten Problemen würden, sobald der Augenblick dazu gekommen sei, leidenschaftslos von der Nationalversammlung er­ledigt werden, die alle Prätensionen und alle persönliche Vor­liebe fernhalten werde. Nachdem der Redner der dankbaren Ge­sinnungen der Nationalversammlung gegen Thiers erwähnt, spendete er dem Marschall Mac Mahon das höchste Lob, dessen Loyalität unvergleichbar und der das natürliche Oberhaupt aller Gutgesinnten sei. (Neue grants. Pr.)

— Rom, 22. Aug. Die päpstliche Kurie hat, wie die „Fanfulla" meldet, die französische Regierung aufgefordert, ihr haldmöglichst diejenigen Bischöfe zu bezeichnen, die sie durch Er- theilung der Kardiualswürde ausgezeichnet zu sehen wünsche und werden der Erzbischof von Paris und die Bischöfe von Poitiers und Orleans als diejenigen genannt, die die meisten Aussichten auf Erlangung dieser Würde haben dürften.

— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 23. August aus Frankfurt a. M. Eine hiesige Bürgerin, welche an das Kran­kenlager ihrer Tochter nach München geeilt war, erlag daselbst der Cholera. — Gestern wurde mit dem Legen des 28,000 Meter langen unterirdischen Feuertelegraphen begonnen. — Wel­chen Werth die Obstzucht für einzelne Gemeinden hat, mag da­raus erhellen, daß gestern für die Ernte von einem mit Mira­bellenbäumen bepflanzten Stück bei Crouberg 2000 fl. bezahlt wurde.

Lokales und Provinzielles.

Hanau, 25. August.

Eingesandt.

0. Eine neue Einrichtung, die gewiß zu den Annehmlich­keiten des reisenden Publikums nicht gehört, ist die, daß mit dem Zeiger der Uhr des Zug-Abgangs die sämmtlichen Zugänge zur Frankfurt-Hanauer Bahn in Frankfurt geschloffen werden, so daß während der Billetausgabe Ankommende nicht mehr zu dem im Bahnhof stehenden Zuge gelangen können, auch wenn sie Retour- billete haben und daher den Kasfenbeamten nicht mehr incommo- direu.

Eingesandt.

—y. Einsender dieses, welcher gestern Abend zum ersten Male den rheinischen Sänger in der Centralhalle hörte, muß ge­stehen, daß dessen Vorträge allgemein gefielen und er die Gäste sehr lange zu fesseln wußte. Heute Abend findet dessen letztes Concert in der Centralhalle statt und sollen zu demselben nur ausgewählte Lieder, darunter „Adelaide", vorgetragen werden.

—d. Für Diejenigen, welche ein Interesse daran haben, zur Notiz, daß von Mittwoch den 27. l. M. an auf 3 bis 4 Tage der Stadtgraben während der Tageszeit abgelaffen wird.

—d. Im Waisenhausgarten wurde dieses Jahr ein Land mit s. g. Schlangengurken bebaut, die durchschnittlich eine solche Größe entwickelten, daß verschiedene über 3 Pfund schwere Exem­plare vorhanden sind.

—d. Von 1/a4 Uhr heute Morgen an ertönten zur Feier des Ludwigstages von Steinheim die Böllerschüsse herüber.

st Das dem Specereihändler Klug gehörige Wohnhaus mit Garten, Judengasse Nr. 60 und 62, wurde aus freier Hand an den Cigarrenmacher Heinrich Grob um 10,600 fl. verkauft.

B. Gestern wurde in Kesielstadt einem Soldaten, der Ein­laß in einen geschlossenen Verkaufsladen begehrte und sich dabei auf's Ungeberdigste gestaltete, Gewehr und Säbel von den Orts­bewohnern abgenommen.

— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,32 Meter; Mainwasserwärme 18 Grad.

— Fulda, 22. August. Der hiesige Stadtmagistrat hat die Sedanfeier abgelehnt, was ja bei den rein ultramontanen Elementen, woraus derselbe zur Zeit zusammengesetzt ist, keines­wegs anders zn erwarten war. In den Augen dieser Herren ist der 2. September eher ein Trauertag als ein freudiger Fest­tag, da ihr eigentliches Vaterland, Rom, durch Sedan, d. h. durch die Niederwerfung des Bonapartismus, seine letzte Schutz­macht fallen sah. Hess. Mgztg.