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Mittwoch den 20. August.
1873.
Tagesschau.
— Dem Kaufmann Louis Jäger zu Frankfurt a. Main und Genossen ist unter dem 16. August d. I. ein Patent auf ein Verfahren, Fettstoffe zuzubereiten, in so weit dasselbe uach der vorgelegten Beschreibung als neu nnd eigenthümlich erkannt worden ist, auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.
— Zur Ausführung des Münzgesetzes sind bereits die ersten Schritte geschehen. Die verschiedenen Bundesregierungen find aufgefordert worden, anzugeben, welche Münzstätten bereit sind, die Ausprägung der neuen Reichsmünzen zu übernehmeu und in welchem Umfang sie dies thun wollen, ferner find alle Vorbereitungen getroffeu, um nach dem Eingang dieser Benachrichtigung die Ausmünzung beginnen zu können. Man hat darauf Bedacht genommen, durch ein besonders kunstvolles Gepräge den Ausstellungen zu entgehen, welche über die mangelhafte Anfertigung der Reichsgoldmünzen erhoben worden sind.
— Der katholische Stadtpfarrer Wildegger in Nördlingen, ein klerikaler Agitator ersten Ranges, hatte sich geweigert, eine vom Pfarrer Haßler vorgenommene Taufe in das Taufregister einzutragen, weil sich Hr. Haßler als „katholischer Priester" in seinem Zeugniß nannte. Dem Hrn. Stadtpfarrer ist jetzt eröffnet worden, daß in den Augen der Regierung die Unterwerfung unter das Unfehlbarkeits-Dogma nicht den Priesterstand ausmache, und daß die Herren Haßler und Gen. nicht weniger „katholische Priester" sind, als Herr Wildegger und die anderen Infallibilisten. (Fränk. Kur.)
— München, 16. August. Unsere Stadt durchläuft die fchauerige Kunde eines entsetzlichen Verbrechens. Gestern Nachts zwischen 12 und 1 Uhr wurde die im Hause des Photographen Pößenbacher in der Amalienstraße wohnende Privatiers Fräulein v. Hebberling, eine alte Dame, in ihrer Wohnung überfallen, durch einen Schlag auf den Kopf getödtet und dann ausgeraubt, während man ihre Köchin geknebelt hielt, so daß dieselbe mit dem Schrecken davon kam. Die Thäter bedienten sich zum Einsteigen einer Leiter vom Hofe aus, woraus sich vermuthen läßt, daß es gänzlich mit den Lokalitäten bekannte Leute gewesen seien, die hoffentlich rasch ermittelt und ergriffen werden können. Die Aufregung im Hause der That, wie in der ganzen Nachbarschaft ist begreiflicherweise eine sehr große, denn das Verbrechen ist um so kühner, als das Pößenbacher'sche Haus wie die ganze Amalienstraße dicht bewohnt ist und die Mörder 2 Stock hoch hinauf klettern mußten. Man klagt allgemein über die Unzulänglichkeit der Anzahl unserer Sicherheitsorgane, und es wäre höchste Zeit, daß der Magistrat eine zeitgemäße Vermehrung der Sicherheitsmannschaft, und koste es, was es wolle, anregte und durchführte, denn Sicherheit der Person und des Eigenthums ist eine der berechtigten Forderungen des Einwohners, namentlich in den großen Städten, die, wie jeder Polizeimann leider erfahren muß, von Jahr zu Jahr ein größeres Contingent von Gesindel aufzu- weisen haben.
~ M etz, 18. Aug. Heute Vormittag 10sis Uhr hat bei St. Privat die Einweihung des Denkmals für die daselbst am 16. August 1870 Gefallenen des Garde-Corps in Anwesenheit des Kommandirenden des Garde-Corps, des Prinzen August von Württemberg, der Deputation des Garde-Corps, des Generals
Frhrn. von Manteuffel und der Spitzen der Behörden stattgefunden. Die Weihrede hielt der Hofprediger Rogge aus Potsdam. Am Schluffe der Feierlichkeit brachte Prinz August von Württemberg Sr. Majestät dem Kaiser ein Hoch und sprach die Hoffnung aus, daß die Garde und die ganze Armee, wenn wieder einmal der Ruf an sie ergehe, ebenso wie einst die Gefallenen für Kaiser und Vaterland in den Kampf gehen würden. Nachdem hierauf die üblichen Salven abgegeben waren, wurde die von Sr. Majestät dem Kaiser gesandte Flagge auf dem Denkmale aufgehißt.
— Metz, 19. Aug. Die Kreistage von Metz, Chateau Salins, Saarburg und Bolchen sind gestern eröffnet worden. Im Landkreise Metz und in Diedenhofen, Forbach und Saarge- münd wurde die Eidesleistung von den Gewählten verweigert.
— Straßburg, 19. Aug. Bei der gestrigen Konstitui- rung der Kreistage haben die zum hiesigen Kreistag gewählten Mitglieder sämmtlich den vorgeschriebenen Eid geleistet. Die Kreistage von Mülhausen, Gebweiler, Thann sind gleichfalls beschlußfähig. Im Bezirke des Oberelsaß haben von den gewählten 54 Mitgliedern 22 die Leistung des Eides abgelehnt. Der Kreistag von Diedenhofen ist nicht beschlußfähig und in Metz haben sämmtliche Gewählte die Ableistung des Eides verweigert. Aus den übrigen Kreisen liegen noch keine bestimmte Nachrichten vor.
— Kopenhagen, 19. August. Der deutsche Kronprinz wird morgen, begleitet von der königlichen Familie und dem russischen Thronsolger-Paare, der Königin Wittwe in Lyngbye einen Besuch machen und dann via Kopenhagen-Korsoer nach Kiel reisen. — Der deutsche Kronprinz ist zum Ritter des Elephantenordens ernannt worden. Die Journale äußern ihre Befriedigung über den Besuch, welcher, wie „Dagblades" hofft, ein Gewicht bilde gegen die irrige Anschauung einer Jsolirung Dänemarcks durch Annäherung Schwedens und Deutschlands.
(Neue Frankf. Pr.)
— Die Fusion in Frankreich scheint nach dem ersten kühnen Anlauf bereits wieder in's Stocken gerathen zu sein; wahrscheinlich sind es die Berichte über die Stimmung in der Armee, welche das Blut der Herren Royalisten etwas abgekühlt haben. Die Armee steht, und das ist ein entscheidender Moment, für die Sachlage, nicht auf Seiten des legitimen Königthums, sie besteht vielmehr in ihren untern Schichten aus Republikanern, in ihren obern Chargen aus Bonapartisten. Beide durch die letzten Ereignisse einander nahe gerückt, stehen geschlossen den Restaurationsparteien gegenüber und so lange dieser Zustand des gegenseitigen Schachbietens sortdanert, ist an die Aufrichtung des französischen Königthrons nicht zu denken. Auf einen Staatsstreich sinnen weder Bourbons noch Orleans. Sie unternehmen beide nichts, was den Hals kosten könnte, sie werden recht behutsam und bedächtig von Sprosse zu Sprosse steigen, um das Scepter zu erreichen. Sie ersetzen den gegenwärtigen Präsidenten vielleicht durch einen Statthalter mit monarchischen Gewalten, einen Vicekönig u. dgl. und klettern so allmählich weiter auf der Leiter der Conspirationen, bis plötzlich und unver- muthet von unten her die Säge angesetzt und den Kletternden der Boden unter den Füßen entzogen wird. Die bonapartisti- schen Blätter schreiben bereits den andern monarchischen Par-