Abonnements- Preis
(incL Sremvel) Jährlich 3 Thlr.
Halbj. Thlr.I. 15. Vierteljährlich 22 Sgr. 6 Pf.
Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.
MnaMAnzeiaer
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Insertions- Preis :
Die ispaltige
Garmondzeile od.
deren Raum
« 1 Sgr.
Die 2fpalt Zeile 2 Sgr.
Die einzelne Nummer 1 Sgr.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Die 3spaltige Zeile 3 Sgr.
^190.
Montag den 18. August.
1873.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts dahier.
In Folge vielfacher Veränderungen ist auf Anordnung der Ressort-Ministerien unter dem 8. Januar 1873 ein neues Regulativ über Ausbildung, Prüfung und Anstellung für die unteren Stellen des Forstdienstes in Verbindung mit dem Mili- tairdienste im Jägercorps erschienen, welches in meinem Büreau und auf den Königl. Oberförstereien zur Einsicht ausliegt.
Hanau am 8. August 1873.
Bewerber um die mit dem 1. September zur Erledigung kommenden 2. und 3. Lehrerstellen in Langendiebach, mit welchen ein Einkommen von 280 bis 330 Thlr. verbunden ist, werden zur alsbaldigen Einreichung der Gesuche nebst Attesten aufgefordert.
Hanau am 13. August 1873.
Der Maschinenfabrikant Paul Weinig, Besitzer der in Haingasse Nr. 6 dahier gelegenen Herrnmühle, hat um Gestattung zur Zusammenlegung von vier Radgerinnen der gedachten Mühle in eines und um Entfernung der alten Schütze Pfosten nachgesucht.
Mit Bezugnahme auf den §. 33 der Anweisung zur Ausführung der Gewerbeordnung wird ersucht etwaige Einwendungen binnen 14 Tagen präclusivischer Frist bei dem Unterzeichneten anzubringen. — Zeichnungen und Beschreibungen der beabsichtigten Anlage bezw. Veränderung liegen im Polizei-Büreau zur Einsicht offen.
Hanau am 14. August 1873.
Der Landrath Schrötter.
Königl. Lehranstalt für Obst- und Weinbau zu Geisenheim im Rheingau.
Das Wintersemester beginnt am 1. Oktober. Neue Zöglinge werden bis dahin angenommen.
Lehrgegenstände: Obstbau, Landschaftsgärtnerei, Blumenzucht; doppelte Buchhaltung, kaufmännische Korrespondenz werden vorgetragen vom Unterzeichneten; Planzeichnen, Früchte- und Blumenmalen vom Obergärtner Teichler; Botanik, Theorie des Seidenbaues und der Bienenzucht vom Dr. David; Chemie vom Professor Dr. Neubauer; Mineralogie und allgemeiner Pflanzenbau vom Dr. Frhr. v. Canstein; Mathematik (Stereometrie und Trigononietrie) vom Herrn Meyer; Weinbau und Weinbereitung vom Dr. Umber.
Kursus für Hospitanten.
3. Termin vom 28. September bis 25. Oktober. Honorar 2 Thlr. Schullehrer und Baumwäxter frei. Nähere Auskunft ertheilt und die Unterkunft der Zöglinge in Geisenheim vermittelt für die Direktion der Kgl. Lehranstalt O. Hüttig.
Tagesschau.
— Die Nachrichten über das Befinden Sr. Maj. des Kaisers lauten durchaus erfreulich. Der Gebrauch des Gasteiner Wildbades erweist sich, wie in früheren Jahren, stärkend und
belebend auf den Organismus des Kaisers. Der Kaiser wählt diesmal den Rückweg von Gastein nicht durch das Pengau, son- ' dern durch das Pinzgau, um die landschaftlichen Reize dieser wunderbar schönen Gegend kennen zu lernen, welche in Zell am See ihren Glanzpunkt finden. Dort und in Reichenhall soll ’ dann das Nachtquartier genommen werden.
— Nach untrüglichen Anzeigen stützt sich die auffallende, mit jedem Tage größeren Umfang gewinnende Hartnäckigkeit des katholischen Clerus im Widerstände gegen die Kirchengesetze auf derarte Weisungen, welche aus Rom ergangen sind und wie man wissen will, sich auf die Hoffnungen stützen, in Frankreich unter dem hergestellten Bourbonen-Königreich Schutz und Hülfe für die Herstellung der weltlichen Herrschaft des Papstes zu finden. Die Preußische Regierung ist entschlossen, die Nichtachtung der Gesetze Seitens des Clerus mit der äußersten Strenge zu verfolgen, die Erhebung der Anklage gegen den Erzbischof von Posen ist nur ein erster Schritt, dem andere und nicht minder energische auf dem Fuße folgen sollen.
— Die Feier des zweiten September wird in immer weiterem Umfange ein allgemeines Nationalfest werden. Eine ganze Anzahl von Städten aus den Gauen Deutschlands hat sich bereits dafür erklärt, den Tag auch durch kirchliche Âeier, Schließung der Bureaux, der Behörden rc. wie einen Feststag zu begehen. Die sämmtlichen preußischen Schulanstalten sind bereits von den Behörden, unter denen sie stehen, angewiesen worden, den Tag durch bezügliche Rede-Acte, Ausfall der Unterrichtsstunden, gemeinsame Ausflüge der Schüler rc. auszuzeichnen. Es bleibt uns schwer erfindlich, daß es so lange währt, bis die allgemeine Feier des Tages in ganz Deutschland als etwas Selbstverständliches erfolgt. Bemerkenswerth ist übrigens die Agitation der Ultramontanen, die dahin gerichtet, die Festfeier des Sedan-Tages zu hintertreiben.
— Bis zum 26. Juli d. Js. waren in den Münzstätten des Deutschen Reichs in Zwanzigmarkstücken 664,784,220 Mark und in Zehnmarkstücken 126,662,630 Mark ausgeprägt worden. In der Woche vom 27. bis 2. Aug. d. I. sind ferner geprägt in Zwanzigmarkstücken: in Berlin 6,363,320 Mark, in Hannover 1,901,140 Mark, in Frankfurt a. M. 3,863,000 Mark, in München 2,014,620 Mark, in Dresden 1,444,500 Mark, in Stuttgart 1,069,620 Mark und in Karlsruhe 401,660 Mark.
Die Gesammt-Ausprägung stellt sich daher bis zum 2. Aug. d. Js. auf 808,504,710 Mark, wovon 681,842,080 Mark in Zwanzigmarkstücken und 126,662,630 Mark in Zehnmarkstücken bestehen.
— Ein Document von hervorragender culturhistorischer Bedeutung ist der erste Hirtenbrief des neuen Bischof Reinkens. Der Eindruck, den diese Kundgebung auf alle Freunde der Civilisation und geistigen Freiheit macht und machen muß, ist ein vortrefflicher. Wie schon die Wahl als solche eine Rückkehr bezeichnete zu den alten Formen der Kirche, nach denen die Gemeinde allein ihren Bischof zu wählen hatte, ohne sich dem Mißbrauche einer Bestätigung durch den Papst unterwerfen zu brauchen, so hebt auch das bischöfliche Schreiben das wahre Gemeinde- princip auf den Schild, indem es als Beruf des Bischofs pro- clamirt, nicht über die Gemeinde zu herrschen, sondern ihr zu dienen. Aus diesem Gegensatz zur neupäpstlichen Partei folgt