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nisse in den Reichslanden berichtet unter dem Hinzufügen, daß es zu wünschen wäre, daß die Deutschen weniger rücksichtsvoll gegen die französischen Sympathien der Einwohner auftreten und namentlich weniger nachgiebig sich gegen die immerhin demon­strative Neigung der Elsässer zeigen möchten,. französisch zu sprechen. §HWW

— Die englischen Blätter, welche Berichterstatter in den Osten Frankreichs entsendet hatten, um der Räumung des Landes durch die Deutschen anzuwohnen, sind alles Lobes voll über das Benehmen der letzteren. Uebrigens ist zu bemerken, daß Aehn- liches von den Städten der Normandie und der Loire an bis zu den letzten Etappen konstatirt werden konnte. Die Schauer- märeu begannen erst dann aufzublühen, wenn die Pariser Jour­nalisten und Schriftsteller â la About hinterdrein da s patriotische Werk des Lügens und Verleumdens unternahmen. Inzwischen mag es sich doch verlohnen, von dem Zeugniß der Engländer Kenntniß zu nehmen. „Die Preußen", sagt der Korrespondent der „Daily News", „wurden in Nancy mit Achtung und keines­wegs mit Abneigung betrachtet. Ist die Bevölkerung auch durch und durch französisch, so wäre es doch nicht gerathew, wenn die heutige Regierung in Versailles sie zwingen würde, Vergleiche anzustellen zwischen dem Kabinet de Broglie und der festen, aber freundlichen und billigen Herrschaft des deutschen Kommandanten. Einfache und gutherzige Seelen stimmen darin überein, daß sich die Preußen seit dem Friedensschlüsse trefflich geführt haben und daß die Offiziere ein Beispiel gaben, welches die der französischen Armee wohl thun würden, zu befolgen. Laut wagt jedoch Nie­mand, diese Ansichten zu äußern, um nicht in den Blättern als Verräther, der sich an Bismarck verkauft, verlästert zu werden." Im Uebrigen stimmen die sämmtlichen Berichterstatter in der Angabe überein, daß in den genannten Landestheilen die Stim­mung der Bevölkerung entschieden gegen die heutige französische Regierung sei, daß auf der andern Seite aber Thiers hochge­ehrt und gepriesen werde. Aus diesem Grunde sieht man denn auch in Nancy der Absetzung des Präfekten wie des Maires ent­gegen.

— Paris, 9. August. Nach hier aus Wien eingegange­nen Depeschen werden der Graf von Chambord und die Prinzen von Orleans im September eine Wallfahrt nach Paray le Mo- nial machen, um dem heiligen Herzen Jesu für die Herstellung der Einigkeit in der Königlichen Familie zu danken. — 10. Au­gust. Der Präsident dèr Republik, Mac Mahon, begibt sich heute Abend nach Tarbes, um den dort stattfindenden Artillerie- Schießversuchen beizuwohnen. Derselbe reist incognito und kehrt am Mittwoch nach Versailles zurück.

— Für den Prozeß Bazaine ist nun definitiv das neue Schloßtheater von Compiègne als Sitzungssaal ausersehen und die zu dieser Umwandlung nöthigen Arbeiten sind bereits in An­griff genommen worden.

— Madrid, 9. August. Die Regierungstruppen sind gestern in Valencia eingerückt; die revolutionäre Junta und die aufständischen Soldaten haben sich nach Karthagena eingeschifft.

10. August. Die Cortes haben die zur gerichtlichen Ver­folgung von neun Deputaten, die der aufständischen Bewegung in Karthagena sich angeschlossen haben, erforderliche Ermächtigung ertheilt. Die Minorität der Cortes droht, sich der Theilnahme an den ferneren Berathungen zu enthalten, wenn die Regierung die Ertheilung einer Amnestie verweigern sollte.

Die Linke der Cortes beschloß in einer heute abgehaltenen Versammlung, auf die Berathung der neuen Verfassung nicht einzugehen, wenn die Regierung für diejenigen Republikaner, welche an der aufständischen Bewegung zu Gunsten der Einfüh­rung von Kantonalregierungen theilgenommen hätten, nicht eine General-Amnestie ertheile. Von der Regierung wird, gutem Vernehmen nach, die Ertheilung einer solchen Amnestie für inop­portun angesehen.

Aus den Provinzen wird gemeldet: Eine Abtheilung Re­gierungstruppen unter Salado hat einen von Galvez, Contreras und Pernas kommandieren Jnsurgententrupp bei Chinshilla, west­lich von Albacete, geschlagen und auseinandergesprengt; die Ar­tillerie und Bagage der Insurgenten fiel in die Hände der Trup­

pen, ebenso 400 Gefangene, unter ihnen ein Theil von einem Marinebataillon. Galvez, Contreras und Pernas gelang es, zu entkommen. — Die Carlisten sind in Mondragon eingerückt.

Eingetroffene Nachrichten bestätigen, daß Granada sich an die Regierungstruppen ergeben hat. (R. u. st. A.)

— Die Färbung der Fleischwaaren mit dem der Gesund­heit nachtheiligen Anilien hat, schreibt die „Volks-Ztg." so zuge­nommen, daß die Mittheilung eines leichten Verfahrens der Un­tersuchung vielleicht nützlich ist. Bei der mit Anilin gefärbten Wurst kann man oft mit bloßem Auge, noch besser mit einem Vergrößerungsglase einzelne besonders stark gefärbte und ver­dächtig ausfehende Stellen und Punkte sehen, was sich nach der Mischung der Wurst aus Fett und Fleisch auch leicht erklären läßt. Uebergießt man solche zerkleinerte Wurst mit 90 pCt. Alkohol, so färbt sich dieser nach kurzer Zeit mehr und mehr roth; ungefärbte Wurst giebt gar keinen Farbstoff an Alkohol ab. Fügt man dem gefärbten Alkohol etwas Säure hinzu, so verschwindet die Farbe; Blutfarbstoff würde unter diesen Um­ständen erst sichtbar werden. — Wir wollen dem hinzufügen, daß es gut sein würde, wenn Derjenige, der eine solche Anilin­färbung in Fleischwaaren entdeckt, sofort unter Namhaftmachung des Verkäufers des gefärbteu Fleisches der Polizei Anzeige hier­über erstatten würde.

— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm ll'. August aus Frankfurt a. M.: Samstag Nachmittag tyurde im Frankfurter Stadtwalde (Distrikt Holzhecke) die Leiche eines ca. 48 bis 50 Jahre alten, unbekannten gut gekleideten Mannes an einem Baume hängend aufgefunden und in das Hospital zum Heiligen Geist geschafft. — Die Verlegung des sogenannten „Dalles" nach dem neuen Markt hat gestern stattgefunden, wodurch dem Verkehre am oberen Theile der Zeil Raum geschafft worden ist. — Der hiesige Bienenzuchtverein veranstaltet am 17. und 18. August in der Rosenau eine Ausstellung von Bienenvölker, Ge- rähtschaften, Honig, Wachs u. s. w. An der Ausstellung schließt sich eine Verloosung an.

Lokales und Provinzielles.

Hanau, 12. August.

Eingesandt.

An die Redaction des „Hanauer Anzeigers"!

Wenn es bezüglich der Fremdenliste dennoch durch allen- fallsige Gefälligkeit des hiesigen Landrathsamtes zu ermöglichen wäre, Einsicht von dem Nachtzettel zu nehmen, würden die betr. Herren Gastgeber auch hierzu Einwand haben?

Mehrere Interessenten.

—h. Gestern Abend kurz vor 8 Uhr fand auf dem Alt­städter Markt eine heftige Schlägerei, angeblich zwischen Gym­nasiasten und hiesigen Arbeitern statt, wobei einer der Letzteren einen Stich in die Hand erhielt. Während der Verwundete am Brunnen des genannten Platzes seine von Blut triefende Wunde abwusch, entstand ein Zusammenlauf von Groß und Klein, wo­bei sich der Unwille und die Erbitterung des Publikums gegen die Urheber des Streites in heftiger Weise Luft machte.

—d. Gestern Mittag gegen 12 Uhr wurde in der Hospital­gasse (Neustadt) ein Goldschmiedlehrling aus Somborn von ei­nigen Burschen überfallen und erhielt einen Stich, die eingeleitete Untersuchung wird Näheres ergeben.

—h. Der Pfarrer Wilhelm Calaminus zu Langendiebach ist durch Regierungs-Beschluß zum Oberschulinspector der Classe Bücherthal ernannt worden.

— Wasierstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,23 Meter; Mainwasserwärme 16 Grad.

— Fulda, 7. August. Der Bischof hatte den Alumnats­priester Weber zum Caplan an der Dompfarrei und den seithe- rigen Domcaplan Helferich zum Pfarrer von Dipperz ernannt, obwohl beide nur das Knabenseminar, nicht aber, wie es schon in kurhessischer Zeit Vorschrift war, das Gymnasium absolvirt hatten, obwohl also beide den Anforderungen des Gesetzes über Vorbildung und Anstellung der Geistlichen nicht entsprachen. Diesem Gesetz war auch insofern nicht genügt worden, als die