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— Madrid, 8. August. Der Wohlfahrts-Ausschuß von Cartagena fordert durch einen öffentlichen Aufruf die Empörer auf, den Preußen die Fregatten „Almansa" und „Victoria" wieder abzunehmen und sich gegen einen willkürlich verfahrenden launenhaften Fremdling zu erheben. (Mene Franlf. Pr.)
— Erzbischof Graf Ledochowski von Posen, ehemalig:r Günstling des preußischen Hofes und besonderer Protegä Bis- marck's ist es, dem der Staatsanwalt auf Grund der neuen Kirchengesetze zuerst an den Leib gegangen ist. Das Gesetz über die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen bestimmt, daß von jeder Persoualveränderung innerhalb eines geistlichen Amts dem Oberpräsidium Anzeige zu machen ist, worauf binnen 30 Tagen von Seiten des Staats Einspruch gegen die ergangene bischöfliche Verfügung erhoben werden kann. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift sind mit einer Geldstrafe von 200—1000 Thalern bedroht. Das ist die gesetzliche Basis der gegen den „Primas von Polen" jetzt eingeleiteten Untersuchung, die übrigens nur ein Exempel statuiren soll, da die Zahl ähnlicher Gesetzesübertretungen seit dem Erlaß der Kirchengesetze bekanntermaßen bereits einen sehr erheblichen Grad erreicht hat. (Trio.)
— Darmstadt, 8. August. Gestern traf die Exkaiserin Eugenie mit dem Schnellzug 4. 35 der Main-Neckarbahn hier ein und reiste mit dem anschließenden Courierzug der Ludwigsbahn rheinabwärts weiter. Der kaiserliche Prinz begleitete sie nicht.
— Aus Elsa ß-Lothringen, 6. August. DieDurch- züge der bisher zur Occupationsarmee in Frankreich gehörigen deutschen Truppen find seit vorgestern beendet; mit Ausnahme der in Verdun, Constans und Etain zurückgebliebenen etwa 4500 Mann befinden sich sämmtliche deutsche Truppen wieder auf deutschem Boden. In Frankreich haben sie trotz alledem überall ein gutes Andenken hinterlassen. So schreibt man z. B. der „Schweiz. Grenzpost" unterm 3. August aus Mühlhausen: „Diesen Vormittag sind ungefähr 150 Mann Cavallerie von Belford kommend, hier eingerückt und wurden einquartirt. Als vor bald drei Jahren die deutschen Soldaten gen Belford zogen, da sagte man hier, es werde wohl Keiner von ihnen mehr zurückkehren. Ist auch mancher dort geblieben, und ruht in kühler Erde, so hat es jetzt doch den Anschein, als käme die Besatzung von Belfort nicht von einem Feldzuge zurück, sondern von einer Parade, so proper und schmuck sehen die Leute aus, wie auch die Pferde. Die Hauptsache aber ist, daß die Mannschaft nicht nur die Festung Belfort, sondern auch die Achtung ihrer Einwohner erobert und damit der deutschen Nation Ehre gemacht hat. Wohl nicht bald haben Kriegstruppen in Feindesland sich ein solches Lob erworben, wie die Besatzung von Belfort. Unlängst sagte mir ein Belforter Patriot: „Wir müssen unsere Besieger hassen, aber den deutschen Soldaten können wir unsere Achtung nicht versagen, und wären sie nicht als Feinde zu uns gekommen, wir hätten gegen ihren Abzug protestirt."
— Den in diesen Tagen aus den französischen Landestheilen heimkehrenden deutschen Truppen folgt die Anerkennung und Achtung aller derer nach, welche in engerer Berührung mit ihnen gestanden. Wie namentlich aus englischen Berichten hervorgeht, stellt man in den soeben geräumten lothringischen Gebieten Vergleiche zwischen der Herrschaft der deutschen Occupationsarmee und der gegenwärtigen französischen Regierung an, die nichts weniger als zum Vortheil der letzteren ausfallen. Allerdings hat die Regierung ihr Möglichstes gethan, um ihren in den östlichen Provinzen ohnehin nicht, starken Credit nach dem Abzug der deutschen Truppen vollends zu ruiniren. An die Stelle der abgezogenen fremden Besatzung ließ man in die meisten Orte — Gensdarmen einrücken, die nun die Mißvergnügten sofort zu Paaren zu treiben, aber selbst wo regelmäßige Truppen einzogen, ließ man sie bei Nacht und Nebel einziehen, aus Furcht vor dem „vive Thiers“ und sonstigen republikanischen Freudenbezengungen. Wo die letzteren bemerkt wurden, schritt man mit Brutalität ein, und so konnte es sich ereignen, daß das Volk, das „unter dem Druck der deutschen Occupation geseufzt" nach dem Aufhöreu derselben in einzelnen Orten sofort Hand an die eigenen Officiere legte. — Mittlerweile sind die Königsmacher flott bei der Arbeit. Nach osficiö;eu Mittheilungen geht das Fusionswerk in Frohsdorf ganz prächtig von Stätten der alte und der junge Bourbon sind ein Herz und eine Seele, ja die neueste Meldung des Tetepraphen geht sogar dahin, der Graf Chambord habe erklärt, „daß er geneigt sei, die Krone Frankreichs anzunehmen."
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 10. August aus Frankfurt a. M.: Die Arbeiten zur Errichtung des Actienhotels haben vorgestern begonnen. — Der Krieg ist nun den österreichischen 20 Groschenstücken durch 50 bedeutende hiesige Firmen, darunter auch Bierbrauer, erklärt. Dieselben nehmen diese Münze nur noch nach dem jeweiligen Tagescours. Diese Nachricht verbreitete sich gestern Mittag wie ein Lauffeuer durch die Stadt, wer noch Oesterreicher hatte, suchte sie so schnell als möglich, gleich einem bösen Feinde, loszuwerden und schleppte sie zum Specereihändler oder Bierbrauer. Manche Personen mußten dabei leider die Erfahrung machen, daß sie schon gestern einen namhaften Verlust zu erleiden hatten. Denn in der Fahrgasse wurden diese sonst so sehr beliebten Münzenstücke nur noch zu st. 1. 7 kr. angenommen. Abends in den verschiedenen Bierlokalitäten zu fl. 1. 8 kr. und fl. 1. 9 kr.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 11. August.
L. Bei dem gestern vom „Hanauer Turnverein" arrangirten Waldfest, das vom schönsten Wetter begünstigt war, wenn man den etwas scharfen Wind, der den ganzen Tag wehte, abrechnen will, war der Besuch der Hanauer eben kein zu großer. Anwesend waren außer der Turngemeinde meistentheils nur die Eltern der jüngeren Turner, die ein Preisturnen sofort nach Eintreffen des Vereins abhielten. Dasselbe fiel im großen Ganzen sehr gut aus; Preise erhielten: Jakob Schuckhard den 1. mit 175/g Punkte, Christian Dönch den 2. mit 155/g Punkte, Friedrich Ioilasse den 3. mit 14 Punkte, Georg Klein den 4. mit 12^2 Punkte, Franz Lieber den 5. mit HOa Punkte, Karl Nolte, Adolf Abt, Rudolf Senner und Heinrich Nolte den 6. mit je 95/s Punkte und zwar auf Schwänge! und Frei-Hochsprung. Nach demselben fand ein Umzug nach dem ein Schauturnen der älteren Mitglieder statt, das mit gewohnter Präcision ausgeführt wurde. Vor der Preisvertheilung wurden kräftige Turner-Lieder gesungen, nach dem Schauturnen ward ein kleines Kränzchen arrangirt, da die nimmer müde Turnerschaar ihrer Pflicht den anwesenden Damen gegenüber sich wohl bewußt war. Für die Theilnehmer waren es einige vergnügt verlebten Stunden, als die Heimkehr unter den Klängen der Musik nach 7 Uhr erfolgte.
%* Das gestrige stürmische Wetter hielt die sonst gern weiter wandernden Hanauer in der Stadt oder nächster Nähe festgebannt und waren daher auch sämmtliche Localitäten, in denen unser „Anzeiger" Vergnügungen notirt hatte, stark besucht, so „Deutsches Haus", „Rosenau", „Goldner Löwe", ja auch die „Centralhalle", obwohl das Concert in derselben erst Nachmittag ziemlich spät mit der Schelle bekannt gemacht worden war, — und Hanau amüsirte sich in Hanau, da Aeolus sowie der ständig drohende Jupiter Pluvius das Aufsuchen auswärtiger Vergnügungen verhinderte.
B. Trotz der stürmischen Witterung wurde gestern die Fahnenweihe des Vereins „Concordia" zu Kesselstadt im Freien abgehalten. Am frühen Morgen wurden fast sämmtliche Häuser mit Fahnen und Guirlanden geschmückt. Gesangvereine waren anwesend: „Concordia" aus Wachenbuchen und „Bruderbund" aus Kesselstadt. — Der Abgang des Festzuges, an dem sich auch die Turngemeinde in Kesselstadt mit ihrer Fahne betheiligte, erfolgte um 3 Uhr, derselbe bewegte sich durch alle Straßen des Orts bis zum Festplatze au der Kastauienallee. Der Gesangverein „Concordia" aus Kesselstadt eröffnete die Feier durch den Chor „das Stiftungsfest", worauf Fräulein A. B . . . mit einer kurzen aber zweckentsprechenden Ansprache die Fahne überreichte, die während des Zuges von Kindern getragen wurde.
Herr M . . . e dankte im Namen des Vereins den Damen für das Geschenk des Banners in schöner und feierlicher Rede,