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genau auf Soldaten der Kommune zu fahnden, die, wie es scheint, kein besseres Mittel, den Nachsuchungen zu entgehen, fanden, als sich in die Reihen der Armee aufnehmen zu lassen, oder, nachdem sie im Augenblick des Abzuges der Truppen von'Paris desertirt, sich ohne Aufsehen zu ihren Corps zurückbegaben.
— Lyon, 7. August. Bon dem Journal „D.centralisa- tion" wird das Breve veröffentlicht, welches der Papst auf die von Paray le Monial aus an ihn gerichtete Adresse von 100 Deputirten der Rechten erlassen hat. In demselben versichert der Papst, er habe nie daran gezweifelt, daß die Sonne der Gerechtigkeit wieder über Frankreich leuchten werde, die Jungfrau Maria selbst spreche es aus, daß daß Königthum in Frankreich wieder auferstehen werde, die Pilgerfahrten seien ein den Engeln und den Menschen wohlgefälliges Schauspiel. Indem der Papst die Deputirten und die Regierung deshalb beglückwünscht, verkündet er das Ende der Herrschaft der Irrthümer und die Wiederherstellung der Größe und des Ruhmes Frankreichs.
— Die französischen Klerikalien wissen nicht mehr, was sie erfinden sollen, um das Volk zu bethören. Sie finden die unzähligen Pilgerfahrten, welche sie überall angeordnet haben, noch nicht hinreichend, um auf die Einbildungskraft der ungebildeten Menge zu wirken; jetzt suchen sie, wie man der „Köln. Ztg." aus Paris schreibt, den alten Chauvinismus unter den Soldaten, Bauern und Arbeitern wieder aufzuregen durch Publikationen, in denen die Rachegedanken gegen Deutschland mit frommen Phrasen gemischt erscheinen. Eine religiöse Zeitschrift: „Le Rosier de Marie", welche zu Ehren der heiligen Jungfrau herausgegeben wird, veröffentlicht die Weissagungen eines neuen ultramontanen Propheten, den Monsignore Villon unter seinen besondern Schutz genommen hat. In dieser famosen Prophezeihung heißt es: „Ein neuer Krieg wird bald zwischen Frankreich und Preußen ausbrechen. Ein fürchterliches Kriegswerkzeug wird von einem Franzosen erfunden werden." Dann folgt die Beschreibung der ersten Kriegsbegebenheiten und endlich die der entscheidenden Schlacht und ihre Folgen: „Am Vorabende der großen Schlacht fordern die Italiener Nizza zurück und dringen schon in der Richtung auf Lyon vor, aber fobald sie die allgemeine Niederlage der Preußen erfahren, gehen sie über die Grenze zurück. Entscheidende Schlacht zwischen den Franzosen und den Deutschen. Große Eile der Bewaffnung; vollständiges Schweigen in dem französischen Heere; es ist aufgestellt auf einer unbewaldeten Höhe, hat zu seiner Rechten eine Ebene und vor sich einen Kanal, einen Wald.und die Preußen in furchtbarer Anzahl. Der französische General verzweifelt an dem Erfolge, aber man beruhigt ihn. Das Gefecht beginnt, die Niederlage der Preußen ist vollständig; der Kanal ist gefüllt mit Leichen. Der Feind zählt 80,000 Kampfunfähige. Man verfolgt die Preußen,' welche ihre Bagage im Stiche lassen; ihre erste Armee flieht über Chalons, Verdun, Thionville, Coblenz, Mainz bis Königsberg. Die zweite Armee, an der Loire geschlagen, flieht über Nancy und Metz. Die dritte flieht durch das Elsaß. Unsere 3 siegreichen französischen Armeen rücken bis Berlin vor, wo man Papiere auffindet, die Rußland, Italien und Spanien kompro- mittiren, und man rückt über Berlin hinaus. Unsere drei Armeen vereinigen sich vor Königsberg und liefern den vereinigten Preußen und Russen eine Schlacht. Rußland streckt die Waffen, man unterzeichnet einen Frieden mit ihm. Preußen hört auf zu existiren. Polen wird hergestellt. Oesterreich gibt die polnischen Provinzen heraus, aber wird nach der Seite von Griechenland hin entschädigt. Die Grenzen Frankreichs erstrecken sich bis Frankfurt und umfassen einen Theil von Bayern. Der Papst erlangt seine Rechte wieder. Italien, geschlagen, wird in drei Königreiche getheilt. Der kranke Papst stirbt gegen das Ende des italienischen Feldzuges. Herstellung der legitimen Fürsten in Spanien." Eine weitere Prophezeihung betrifft die Schweiz. Dort wird die verfolgte katholische Kirche triumphi- rend aus dem Kampfe hervorgehen. Die Schweiz wird ihre republikanische Staatsform nicht verlieren, aber unter das Protektorat des heil. Vaters gestellt werden! Wie deutlich sich in diesen Albernheiten die Bestrebungen und Wünsche der Ultra- montanen anssprechen, braucht nicht hervorgehoben zu werden.
— London, 7. August. Die Reismagazine in der Londoner Vorstadt Stepney sind heute durch eine Feuersbrunst vollständig zerstört worden.
— St. Petersburg, 6. August. Der Kaiserlich russische Feldmarschall Berg ist Seitens der Regierung angewiesen worden, nicht nur Revisions- und Desinfections-Austalten an der Weichsel entlang und namentlich an der polnisch-galizischen Grenze zu errichten, sondern auch anzuordnen, daß bis auf Weiteres eine Sistirung oder doch möglichste Beschränkung des Holztransports auf der Weichsel eintrete.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 8. August aus Frankfurt a. M.: Die Turngemeinde hat in ihrer Versammlung am Mittwoch den Vorschlag in Berathung gezogen, das nächste deutsche Turnfest in 2 Jahren dahier in Frankfurt abzu halten und will sich dieserhalb mit den übrigen hiesigen Turngcsellschaf- ten in Verbindung setzen. — Am Fischerthor wurden gestern vier große Tonnen mit Telegraphenleitungen w. versenkt. Dieselben werden in einigen Wochen wieder gehoben, um die Einwirkung des Wassers auf dieselben zu constatirten — Für Haarleidende wird es interessant sein zu erfahren, daß der bekannte Spezialist für Haarleidende, Herr H. Siggelkow aus Hamburg, am Dienstag und Mittwoch, den 12. und 13. August, hierselbst im „Hotel du Nord" behufs Consulationen anwesend ist, was gewiß von Vielen mit Freuden begrüßt wird.
Lokales und Provinzielles.
— Hanau, 7. August. Die „N. Frankf. Pr." schreibt: Wenn unser neuer Realschulbau begonnen werden wird, hängt wesentlich davon ab, wie schnell die Bestätigung der gefaßten Beschlüsse von Cassel eintrifft. Mit der Verwilligung so bedeutender Baugelder hoffen die Lehrer hier übrigens auch eine gleiche Liberalität in der Bewilligung der Wohuungsgelderzu- schüsse Seitens der städtischen Vertretung zu erleben. — Unter den Vertrauensmännern, welche zu der neulich in Kassel abgehaltenen Versammlung der Nationalliberalen eingeladen haben, befanden sich aus unserer Stadt die Herrn Fabrikanten Ziegler und Fr. Jak. Zimmermann, vom Lande Bürgermeister Lind von Oberrssigheim.
Hanau, 9. August.
■—d. Wer morgen Lust hat sich zu amüsiren, dem ist auf die vielfältigste Weise Gelegenheit geboten. Außer den gewöhnlichen Sonntagsausflügen ist auch für außergewöhnliche Belustigungen reichlich gesorgt, d. h. wenn unser lieber Herrgott keinen Strich durch die Rechnung macht. — Nach der Frühkirche concer- tirt die Elite der Kapelle der bayerischen Jäger ans Aschaffenburg im Koch'schen Garten am Steinheimerthor; für den Nachmittag hat die Turngemeinde ein Waldfest in der Nähe des Wilhelmsbader Stationshauses arrängirt und verbindet damit ein Preisturnen ihrer jüngeren Mitglieder, bei derartigen Festlichkeiten geht es gewöhnlich munter her und wird dieselbe große Anziehungskraft haben; weiter feiert der Gesangverein „Concordia" in Kesselstadt seine Fahnenweihe und hat sich zu diesem bete ein Plätzchen nächst der Kastanienallee ausgesucht, für den musikalischen Theil während des Festes und zu dem darauffolden Balle im „Schwanensaale" ist die Kapelle der Aschaffenburger Jäger engagirt und wird es auch hier, zumal die Kastanienallee ein beliebter Spaziergang und Gelegenheit geboten ist, den Gesang verschiedener auswärtiger Vereine zu hören, an Besuchern nicht fehlen; schließlich findet nach einem Inserat im heutigen „Anzeiger", von 3 Uhr Nachmittags auf der Rosenau Streich- Concert statt.
—d. Sowohl die Krämergasse als der Heumarkt haben durch die Fertigstellung des Hotels zum Riesen eine Zierde erhalten; hatte der Bau voriges Jahr im unfertigen Zustande auch ein kaserneuartiges Aussehen, so tritt er jetzt mit den durchaus nicht überladenen aber geschmackvollen Verzierungen und dem freundlichen Anstrich um so vortheilhafter hervor und repräsentirt ein feilten Hotel. Aber leider hat der „Riese" selbst an seiner frü-