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Donnerstag den 7. August
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1873
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts dahier.
Für den Johann Isaak Friedrich Schüßler von hier, geboren am 25. August 1856, welcher nach Amerika ausgewandert, ist um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanenverbände nachgesucht worden.
Hanau am 26. Juli 1873.
Des Kaisers und Königs Majestät haben dem Steuer- Inspektor Goullon zu Hauau bei seinem Uebertritt in den Ruhestand den Charakter als Steuerrath zu verleihen geruht.
Hanau am 3. August 1873.
Tagesschau.
— Der deutsche Kronprinz trifft heute auf seiner Rundfahrt als Gast am Hofe des jungen Schwedenkönigs Oscar in der norwegischen Hauptstadt Christiauia ein. Nach der bisher in Schweden herrschenden Stimmung konnte der Plan zu dieser Reise nicht aus deutscher Initiative entspringen, sondern erst entstehen, als König Oscar den ausdrücklichen Wunsch an den Tag gelegt hatte, den Thronerben des deutschen Kaiserreichs gastlich bei sich zu bewirthen. Das Schicksal der Bonaparte's hat, wie e§_ scheint, manche alte Tradition des Hauses Bernadotte aufgelöst und vernichtet; es weht heute ein milderer Wind von Schwedens Küste über die Ostsee zu uns her, als in den Tagen Carl's X., man ist darüber allmählich zu dem Bewußtsein gelangt, daß ein freundschaftliches Verhältniß zu Deutschland nicht nur wün- schenswerth, sondern durch die Umstände geradezu geboten erscheint. Dieser Ueberzeugung soll der Empfang des deutschen Kronprinzen am scandinavischen Hofe Ansdruck geben, und daß Deutschland seinerseits die ihm dargeboteue Hand gern ergreift, ist durch nahe liegende Rücksichten leicht erklärt. Welcher Natur diese Rücksichten sind und wohin sie zielen, deutet die Stimmung an, die dieser Besuch in Kopenhagener Kreisen erzeugt hat. Dort ist es, wo man die Vortheile, die Deutschland aus der schwedischen Freundschaft ziehen kann, am Deutlichsten erkennt und am Schmerzlichsten empfindet, wo man deshalb durch Verdächtigungen aller Art bei diesem Anlaß die Stimmung des Volkes gegen Deutschland zu reizen sucht. Die Einen — und wohl die „Intransigentes" unter den Deutschenfressern — wittern in dem Besuche eine Aufstachelung Schwedens zum Krieg mit Dänemark wegen des „Lootsenkriegs im Sunde" und eine nachträglich vorzunehmende Theilung Dänemarks zwischen Preußen und Schweden. Diese Albernheiten sind keiner ernsthaften Erörterung werth und finden wohl selbst in dänischen Kreisen nur wenig gläubige Ohren. Andere wollen wissen» Preußen wünsche in der Nord- schleswigscheu Frage den König Oscar als Vermittler und wolle sich des schwedischen Einflusses auf die dänische Regierung bedienen, um diè letztere zu vermögen, eine andere Stellung in der Derügttëft Angelegenheit einzuuehmenn. Auch diese Version,
^e discutabel, erscheint uns als müßige Erfindung. Die Norchchleswigsche Frage drängt uns nicht und würde unter allen schwebenden Fragen gewiß die letzte sein, welche' Preußen veran- lassen konnte, fremde Hülfe in Anspruch zu nehmen. Ueberdies aber ist das augenblickliche Verhältniß Schwedens zu Dänemark ■ durchaus nicht der Art, daß eine bestimmende Einflußnahme Kö
nig Oscars am Kopenhagener Hof zu erwarten wäre. Das Verhältniß zwischen beiden Mächten ist durch den sog. „Lootsenkrieg" ein nahezu gespanntes geworden und auch ohne dies dürfte der conservative Character des jetzigen Königs von Schweden dem demokratischen Dänemark wenig geeignet erscheinen, die Wahrnehmung dänischer Interessen zu übernehmen. So verflüchtigen sich alle demonstrativ Dänischen Combinationen in Dunst; weder Preußen noch das Deutsche Reich verbindet irgend welche dunkeln Pläne mit diesem fürstlichen Besuche, sondern das Skandinavische Reich ist es, welches sich — gleichviel aus welchem Antriebe — der stärksten Macht Europa's zuwendete, um auch seinerseits Theil zn nehmen an den Bürgschaften, welche diese Macht für den Frieden unseres Erdtheils bietet. (Tru.)
— Die Königliche Direktion der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn Hiecselbst ist mit der Anfertigung genereller Vorarbeiten für eine Eisenbahn von Neurode bis zur Landesgrenze bei Tunschendorf in der Richtung nach Braunau beauftragt worden.
— In Bonn sind Falschmünzer, welche sich mit Anfertigung preußischer Thalerstücke beschäftigten, verhaftet worden.
— Hild bürg hausen. Wie die „Dorfztg." aus sicherer Quelle erfährt, haben sich 25 bis 30 Volksschullehrer im Her- zogthum S. Koburg entschlossen nach Bayern überzutreten, wo sie bei dem bestehenden Lehrermangel sichere Aufnahme finden werden. Hervorgerufen wurde dieser Entschluß dadurch, daß der in Koburg ausgegebene Entwurf eines neuen Volksschulgesetzes nur wenig oder keine Hoffnungen des Volksschullehrerstandes erweckt, wenn nicht schließlich der Landtag seine bessernde Hand anlegt, was abzuwarten sein wird.
— Wilhelmshafen, 4. August. OberwerftdirektorPrze- wisinski ist von hier abgegaugen, um das Kommando des deutschen Geschwaders in den spanischen Gewässern an Stelle des von dort abberufenen Kapitäns zur See, Werner, zu übernehmen.
— Eine in Torgau behörblicherseits getroffene Maßregel dürfte als höchst zeitgemäß zu bezeichnen sein. Dort sind nämlich sämmtliche Schenkwirthe und Brauer auf die Polizei geladen und ihnen protokollarisch erklärt worden : daß sie zur Vermeidung einer Strafe bis 50 Thlr. eventuell 6 Wochen Gefängniß weder saures noch schaales, noch junges Bier zum Genuß verkaufen dürfen, daß sie auch unter Coutrole einer Sanitäts-Kommission gestellt sind, welche aus zwei ihnen benannten Aerzten und einem der beiden hiesigen Apotheker besteht und ermächtigt ist, jede Revision in dieser Beziehung vorzunehmen, wie dum jeder Brauer und Schenkwirth verpflichtet ist, bei einer Exekutivstrafe von 5 Thlrn. für jeden einzelnen Fall dieser Commission jede verlangte Auskunft zu geben und jegliche Revision zu gestatten.
— Posen, 5. August. Am Sonntag wurde, dem Vernehmen nach, in Filehne den durch den Landrath zusammenberufenen Mitgliedern der dortigen katholischen Gemeinden^ eine amtliche Bekanntmachung vorgelesen, in welcher dem ohne staatliche Zustimmung durch den Erzbischof Ledochowski zum dortigen Probst ernannten Geistlichen Arndt die Befugniß kirchliche Handlungen zu verrichten abgespcochen, dieselben als ungültig und strafbar bezeichnet und die Gemeindemitglieder gewarnt werden, ihn zur Verichtung von Messen und Taufen zuzuziehen.
Neue Franks. Pr.
— Gastein, 5. August. Der deutsche Kaiser ist heute